04.04.2018 
Schlechtes Timing des Tesla-Chefs

Wie sich Elon Musk per Twitter selbst beschädigt

Ein Kommentar von
Tesla-Chef Elon Musk: Das Gefühl für das richtige Timing ist ihm abhanden gekommen
AFP
Tesla-Chef Elon Musk: Das Gefühl für das richtige Timing ist ihm abhanden gekommen

Der Elektroauto-Hersteller Tesla hat eine echte Horrorwoche hinter sich. Vor wenigen Tagen rief Tesla 123.000 Model S-Elektroautos zurück. Ein tödlicher Unfall eines Tesla-Elektroautos sorgt für erneute Diskussionen über die Sicherheit seines "Autopilot"-Assistenzsystems. Die Ratingagentur Moody's stufte Teslas Kreditwürdigkeit wegen anhaltenden Produktionsverzögerungen bei Teslas neuem Model 3 zurück. Die Folge: Innerhalb einer Woche ist der Aktienkurs des Unternehmens um mehr als 20 Prozent gefallen.

Wie reagiert Tesla-Chef Elon Musk in einer solchen Situation? Er flüchtet sich in Albernheiten und versuchte sich an einem eher mäßigen Aprilscherz. Via Twitter verkündete er am 1. April, der Elektroauto-Hersteller sei "komplett und total pleite". Und setzte dann noch einen drauf - mit einem Scherz-Bild, das ihn vorgeblich völlig betrunken und mit "Spuren von getrockneten Tränen" an den Wangen an ein Model 3 gelehnt zeigt.

Zwar haben Aprilscherze in den USA wie auch hierzulande eine lange Tradition. Doch geglückt ist das Timing von Musks Aprilscherz angesichts der aktuellen Probleme bei Tesla nicht. Schlimmer noch: Es könnte Tesla noch richtig teuer zu stehen kommen.

Der einst geniale Twitter-Kommunikator verzapft jetzt öfter mal Murks

Wie sehr Musks Aprileinlage schiefgegangen ist, zeigt sich auch daran, dass sich Musk selbst noch zu einer Klarstellung bemüßigt fühlte. "Jetzt mal ehrlich: Es ist doch klar, dass ich keinen Aprilscherz über das Pleitegehen machen würde, wenn ich dächte, dass dies tatsächlich passieren könnte (seufz)", erläuterte Musk am 2. April in einem Tweet.

Schlechte Scherze erkennt man auch daran, dass man sie nochmals erklären muss. Musks Twitter-Murks weist aber auch darauf hin, dass sein Nimbus als genialer Kommunikator damit eine weitere Schramme bekommen hat. Bisher nutzte kein anderer Unternehmenschef den Kurznachrichtendienst so gekonnt, um kurzfristig von Problemen abzulenken.

So gelang es Musk etwa erst Ende Januar via Twitter ein veritabler Scherz-Coup: Damals erklärte er, dass sein Tiefbohr-Unternehmen Boring Company nun Flammenwerfer verkaufen werde - worüber Medien in aller Welt berichteten.

Der größte Flammenwerfer sei aber die neue Weltraumrakete Falcon Heavy seines Unternehmens SpaceX, präzisierte Musk später. Deren spektakulärer Start, das Aussetzen eines Tesla-Roadsters im Weltall samt Landung der wiederverwendbaren Raketenbrennstufen gelang wenige Tage später.

Einen Tag später musste Musk jedoch eingestehen, dass Tesla die geplanten Produktionszahlen seines Model 3 erneut verfehlt hatte und hohe Verluste schrieb. Diese schlechten Nachrichten hatte Musk höchst geschickt mit Flammenwerfern und dem Riesen-Raketencoup neutralisiert.

Wie Musk nun zurückrudert

In dieser Woche wird Tesla erneut Produktionszahlen für sein Massenmodell Model 3 veröffentlichen - und auch die dürften Berichten zufolge nochmals unter Plan liegen. Musk hat nun offenbar eingesehen, dass Albernheiten der falsche Weg sind, um von den zähen Produktionsproblemen abzulenken - und schwenkt nun auch via Twitter mit eher kämpferischen Worten auf einen anderen Kurs ein.

Er "schlafe wieder in seiner Fabrik", erklärte er nun martialisch per Kurznachricht. Von seinem Chefkonstrukteur Doug Field habe er nun wieder höchstselbst die Verantwortung für die Produktion übernommen, so Musk in einer Reihe von Tweets.

"Das Autogeschäft ist Hölle", ließ Musk noch wissen. Zuletzt twitterte er an einen Journalisten, der über die Rückübernahme der Produktionsverantwortung durch Musk berichtet hatte: "Ahem, hallo, ich muss Autos bauen".

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Es scheint so, als sei auch Musk das Lachen vergangen - kein Wunder, denn nach der Aprilscherz-Panne ist der Kurs der Tesla-Aktie nochmals um 8 Prozent gesunken.

Mit seiner Albernheit und dem Zurückrudern auf Twitter gab Musk nicht gerade das Bild eines Unternehmenslenkers ab, der alles im Griff hat. Das könnte ihn noch teuer zu stehen kommen - spätestens bei der nächsten Kapitalrunde.

Das ist einer der vielen Gründe, warum sich Unternehmenschef in der Öffentlichkeit niemals Scherze zum Zustand ihres Unternehmens erlauben. Denn Risikoaufschläge fallen nun mal höher aus, wenn Kapitalgeber an der Seriosität der Unternehmensführung Zweifel haben.

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