08.02.2017  VW-Betriebsrat wirft Markenchef Diess Wortbruch vor

Eklat bei Volkswagen

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Streit mit dem Betriebsrat: VW-Markenchef Herbert Diess
DPA
Streit mit dem Betriebsrat: VW-Markenchef Herbert Diess

Der VW-Zukunftspakt steht möglicherweise schon nach drei Monaten vor dem Aus. Der Betriebsrat des Autoherstellers habe die Zusammenarbeit bis auf weiteres eingestellt, heißt es in Konzernkreisen. In einem Brief an Markenchef Herbert Diess werfen die Arbeitnehmervertreter der VW-Spitze demnach vor, der Vorstand habe wiederholt gegen den Pakt verstoßen. Die unterschwellige Botschaft des Briefs sei klar, sagen Beteiligte. Der Betriebsrat drohe damit, den Pakt komplett zu kündigten. Unterschrieben sei der Brief unter anderem von Betriebsratschef Bernd Osterloh und seinem Stellvertreter Stephan Wolf. Weder der Betriebsrat noch das Unternehmen wollten sich zu dem Streit äußern.

In dem Brief kritisieren die Arbeitnehmervertreter mm-Informationen zufolge unter anderem, der Vorstand habe die Personalleiter angewiesen, bis Juni 2017 auf jeden Personalaufbau zu verzichten. Damit fielen, anders als vereinbart, 1500 freie Stellen weg. Von dem Einstellungsstopp betroffen seien auch Zukunftsbereiche. Zusätzlichen Streit gebe um den Abbau von Leiharbeitern, heißt es in Wolfsburg. Der Betriebsrat werfe Diess vor, das Verhalten des Vorstands sorge in der Belegschaft für Unruhe und verzögere oder blockiere die bei VW nötigen Veränderungen.

Absender des Briefs sei der Betriebsausschuss, heißt es im Unternehmen. Das Führungsgremium der Wolfsburger Betriebsräte verlange eine Antwort bis zum 13. Februar. Die Vorstände würden aufgefordert, sich an die Vereinbarungen des Pakts zu halten. Bis dahin stelle der Betriebsrat unter anderem sämtliche Gespräche über die 40-Stunden-Woche und die Reduzierung der Ausbildungsplätze ein. Anträgen auf Mehrarbeit werde man vorerst nicht mehr zustimmen.

Mit Hilfe des im November nach monatelangen Verhandlungen unterzeichneten Zukunftspakts mit den Arbeitnehmern will Markenchef Herbert Diess bis zum Jahr

2020 drei Milliarden Euro einsparen. Kern der Vereinbarung: In der Volkswagen AG sollen weltweit in den kommenden Jahren 30.000 und in Deutschland 23.000 Stellen wegfallen. Andererseits sollen 9000 Jobs neu geschaffen werden, um VW in Zukunftstechnologien zu stärken. Der Vorstand verzichtet dabei auf betriebsbedingte Kündigungen; für den Abbau sollten vor allem frei werdende Stellen nicht mehr neu besetzt werden. Schon die Gespräche im Vorfeld des Pakts waren äußerst zäh verlaufen. Bis zum Schluss war es zum Beispiel nicht gelungen, die als Ziel gesetzten Einsparungen von drei Milliarden Euro komplett zu erreichen.

Im Management hieß es, die Gespräche seien inzwischen geprägt von einer gegenseitigen Misstrauenskultur. Teilweise setze sich - im Gegensatz zu den im Brief erhobenen Vorwürfen - der Eindruck fest, Teile des Betriebsrats wollten die zügige Umsetzung des Pakts verhindern. Ähnliche Drohungen von Seiten des Betriebsrats hätten aber bei VW eine gewisse Tradition; und in der Regel habe man einen Kompromiss gefunden.

Osterloh und Diess waren seit dem Amtsantritt des Markenchefs im Juli 2015 wiederholt aneinandergeraten. Auch der Vorstandsvorsitzende des Konzerns, Matthias Müller, wird intern nicht unbedingt zu Diess' Verteidigern gezählt. Der als Sanierer der renditeschwachen Marke VW geholte ehemalige BMW-Vorstand wird jedoch bislang von Großaktionär Porsche gestützt.

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