17.04.2018 
Deckname "Herzog"

VW soll Zulieferer Prevent bespitzelt haben

Nebulöse Praktiken in beim VW-Konzern Wolfsburg
DPA
Nebulöse Praktiken in beim VW-Konzern Wolfsburg

Weil die bosnische Prevent-Gruppe die Lieferungen stoppte, erlitt VW im Jahr 2016 einen millionenschweren Schaden. Laut einem Zeitungsbericht griff der Autokonzern danach zu höchst fragwürdigen Methoden.

Der VW-Konzern hat offenbar den Zulieferer Prevent beschatten lassen. Das berichtet die "Bild am Sonntag" (kostenpflichtig). Demnach soll ein Jurist aus der VW-Einkaufsabteilung über die Kanzlei Hogan Lovells eine Berliner Sicherheitsfirma beauftragt haben, von März 2017 an Informationen über insgesamt 37 "Zielpersonen" zu beschaffen.

Darunter seien Mitglieder der Eigentümerfamilie, etliche Führungskräfte der Tochterfirmen und auch drei Anwälte der Unternehmensgruppe gewesen. Wie die Zeitung weiter berichtet, suchten die Privatermittler auch Wohnadressen auf und dokumentierten ihre Beobachtungen in Dossiers. Der Vorgang sei bei VW demnach unter dem Decknamen "Herzog" gelaufen.

Der Zulieferer hatte sich im August 2016 einen heftigen Streit mit VW geliefert. Wegen eines geplatzten Großauftrags stellten zwei deutsche Töchter der bosnischen Prevent-Gruppe im August kurzfristig die Lieferungen an den Volkswagen-Konzern ein. Tagelang standen deshalb in den VW-Werken in Wolfsburg und in Emden die Bänder still. Den Konzern soll das damals einen dreistelligen Millionenbetrag gekostet haben. Inzwischen hat der Autobauer die Lieferverträge fristlos gekündigt. Prevent musste daraufhin Stellen streichen.

"Übers Ziel hinausgeschossen"

"Wir haben in der damaligen Ausnahmesituation, in der uns Prevent durch unrechtmäßige Lieferstopps in eine Zwangslage gebracht hatte, Recherchen über die Gruppe in Auftrag gegeben", sagte ein VW-Sprecher "Bild am Sonntag" zu den Vorwürfen. Dadurch habe man sich mehr Transparenz über die Strukturen und Netzwerke erhofft. "Nach unseren Erkenntnissen sind die Recherchen von dem Dienstleister stets im Rahmen der rechtlichen Vorschriften durchgeführt worden", sagte der Sprecher.


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Aus Unternehmenskreisen heiße es aber, dass die Ermittlungen möglicherweise "über das Ziel hinausgeschossen seien". Der neue VW-Chef Herbert Diess soll sofort die Konzernrevision eingeschaltet haben, um den Vorgang aufzuklären.

Ein Sprecher des Zulieferers Prevent sagte auf Anfrage: "Sollten sich diese Vorwürfe bestätigen, erwarten wir von der neuen VW-Führung, dass sie sich von solchen Geschäftspraktiken künftig klar distanziert."

koe/rei/afp

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