01.08.2018  Gutes zweites Quartal, aber ...

Volkswagen relativiert Rendite-Ziel für 2018

"Große Anstrengungen liegen vor uns": Volkswagenchef Herbert Diess
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"Große Anstrengungen liegen vor uns": Volkswagenchef Herbert Diess

Die Bewältigung der Diesel-Affäre kostet Volkswagen weiterhin viel Geld. Zugleich belastet die Umstellung auf den neuen Abgaszyklus WLTP das Unternehmen. Volkswagen relativiert sein ursprünglich angepeiltes Rendite-Ziel. Trotz eines guten zweiten Quartals warnt Konzernchef Herbert Diess deshalb vor einem schwierigen zweiten Halbjahr.

Der Volkswagen-Konzern stellt sich trotz eines guten Laufs im Tagesgeschäft auf ein schwieriges zweites Halbjahr ein. Im zweiten Quartal verdiente VW zwar vor Sondereinflüsssen, Zinsen und Steuern mit 5,6 Milliarden Euro 22,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, teilte der Autobauer am Mittwoch mit. "In den kommenden Quartalen liegen große Anstrengungen vor uns - vor allem im Hinblick auf die Umstellung auf den neuen WLTP-Prüfzyklus", sagte Vorstandschef Herbert Diess aber laut Mitteilung.

Die ursprünglich angepeilte operative Rendite von 6,5 bis 7,5 Prozent vom Umsatz wird VW 2018 demnach nur noch unter Ausklammerung von Sonderbelastungen erreichen. Inklusive Sonderbelastungen werde das Unternehmen moderat unter dem Korridor landen. Hier stand im ersten Halbjahr ein Wert von 6,8 Prozent zu Buche. Aktien von Volkswagen eröffneten den Handel am Mittwoch mit leichten Kursverlusten von zunächst 0,14 Prozent.

Gleichwohl übertraf Volkswagen mit dem operativen Ergebnis die Erwartungen der Märkte. Im Schnitt hatten die Experten mit einem Betriebsergebnis von knapp fünf Milliarden Euro gerechnet. Der Konzernumsatz hingegen stieg deutlich langsamer um 3,4 Prozent auf gut 61 (Vorjahreszeitraum 59,2) Milliarden Euro.

Im zweiten Quartal verbuchte Volkswagen für die Bewältigung der Dieselaffäre weitere 1,6 Milliarden Euro an Belastungen. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte den Konzern im Juni mit einer Geldbuße von einer Milliarde Euro belegt. Zudem legte Volkswagen weitere 600 Millionen für Rechtsrisiken im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Abgasmanipulation zur Seite.

Die Sonderkosten sorgten dafür, dass VW unter dem Strich mit 3,3 Milliarden Euro nur 6,8 Prozent mehr verdiente als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz kletterte um 3,4 Prozent auf 61,1 Milliarden Euro.

Dank des Rekordgewinns und eines üppigen Liquiditätspolsters im Kerngeschäft von mehr als 26 Milliarden Euro kann der Konzern die zusätzlichen Kosten zur Bewältigung des Dieselskandals aber gut verkraften, heißt es. Insgesamt türmen sich die Kosten der Dieselaffäre mit jüngsten Zahlungen und Rückstellungen auf mehr als 27 Milliarden Euro.

Das Ende der Fahnenstange dürfte damit noch nicht erreicht sein. Denn Volkswagen ist mit Klagen von Investoren konfrontiert, die einen Ausgleich für ihre in der Dieselkrise erlittenen Kursverluste fordern. Vor dem Oberlandesgericht Braunschweig beginnt im September ein Musterverfahren, bei dem es um Ansprüche von fast vier Milliarden Euro gegen Volkswagen und den Haupteigner Porsche SE geht.

Analysten rechnen mit langsameren Wachstum im zweiten Halbjahr

Im zweiten Halbjahr dürfte das Wachstum nach Meinung von Analysten nachlassen. Das liegt vor allem an der neuen WLTP-Abgasnorm, die für Lieferverzögerungen aufgrund fehlender Zertifizierungen sorgt. VW hat bereits angekündigt, dass die Bänder nach den Werksferien zeitweise stillstehen werden und die Arbeit im Stammwerk an ein bis zwei Tagen in der Woche ruht. Dazu ist VW gezwungen, weil man wegen der Vielzahl von mehr als 260 Motor- und Getriebevarianten sowie Ausstattungen der Modelle mit den vorgeschriebenen Tests nicht hinterherkommt.

Tausende bereits produzierte Neuwagen, die noch nicht zertifiziert sind, sollen auf Parkplätzen zwischengelagert werden, unter anderem auf dem geplanten Berliner Flughafen BER.

Volkswagen hatte bereits im Juni angekündigt, bis zu 250.000 Autos könnten später als geplant gebaut werden. Nach den EU-Regeln dürfen Neuwagen ab Anfang September nur noch verkauft werden, wenn sie WLTP durchlaufen haben. Der Konkurrent Daimler hat die Umstellung auf das Abgasmessverfahren bereits als Grund genannt, warum der Absatz in diesem Jahr voraussichtlich stagnieren wird.

Rei/dpa/Reuters

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