30.11.2017  VW-SUVs verdienen das Geld für das E-Zeitalter

Wie Herbert Diess jetzt den Elektroauto-Einpeitscher gibt

Aus Wolfsburg berichtet
VW-Markenvorstand Herbert Diess: "Mit den SUVs verdienen wir das Geld, das wir für die Wende hin zur Elektromobilität benötigen"
DPA
VW-Markenvorstand Herbert Diess: "Mit den SUVs verdienen wir das Geld, das wir für die Wende hin zur Elektromobilität benötigen"

VW-Markenchef Herbert Diess versucht sich in einer neuen Rolle: Weg vom Dieselproblem-Bewältiger hin zum Zukunfts-Antreiber. Das wird schon in den ersten Minuten klar, als er im Konferenzraum des Wolfsburger Markenhochhauses über die bisherigen Erfolge von Transform 2025+ referiert - jenem Effizienz- und Neuausrichtungsprogramm, mit dem er Volkswagens Kernmarke VW wieder ebenso strahlen lassen will wie den weißen Saal, in dem er steht.

Vor einem halben Jahr, beim Jahrespressegespräch am selben Ort, erklärte er noch ganz zu Anfang den damaligen Stand der Diesel-Umrüstungen. Diesmal, zum Jahresabschlussgespräch, kommt die Diesel-Krise nur mehr als Randnotiz vor - die wenigen Ausführungen dazu überlässt er überwiegend seinem Finanzchef Arno Antlitz.

Diess' Zwischenfazit nach einem Jahr Transform 2025 fällt - wenig überraschend - positiv aus. Die Rendite von VW liegt bereits oberhalb des ursprünglichen Ziels von 2,5 bis 3,5 Prozent. Schon in diesem Jahr soll die VW-Marge bereits an jene 4-Prozent-Marke herankommen, die Diess bislang für 2020 angepeilt hat.

Die Wettbewerbsfähigkeit steigt auch dank des "Zukunftspakts", der mit dem VW-Betriebsrat getroffenen Vereinbarung über den Abbau von insgesamt 14.000 Arbeitsplätzen. Das soll die Kosten ab 2020 um jährlich 3,7 Milliarden Euro senken. Rund 1,9 Milliarden an Einsparungen seien bereits erreicht, erklärt Diess nun - obwohl in diesem Jahr in Summe nur 1800 Arbeitsplätze abgebaut wurden.

Das Ziel von 9.200 unterschriebenen Altersteilzeitverträgen, die schrittweise bis 2020 wirksam werden, erreicht VW bis Ende dieses Jahres. Bei den Auslieferungen ist ein neuer Absatzrekord in Sichtweite: Mit 5,04 Millionen an Kunden übergebene VW-Fahrzeuge legt VW nach zehn Monaten einem neuen Bestwert vor.

Erst mal SUVs - und dann erst Elektroautos

Doch zurücklehnen und etwas entspannter in die Zukunft blicken? Diese bei VW früher nicht ganz unbekannte Art der Selbstzufriedenheit will Diess auf jeden Fall verhindern. Sein Fahrplan für die kommenden Jahre: Bis 2020 rollt VW erst einmal viele neue SUVs auf den Markt, die höhere Profite abwerfen als der Golf oder der Polo. Die SUV-Gewinne sollen die hohen Ausgaben für jene Elektromobile finanzieren, mit denen VW dann ab 2020 den Massenmarkt aufrollen will.

Alleine im kommenden Jahr bringt VW fünf neue SUV-Modelle auf den Markt, drei davon in China, eines davon wird ein Plugin-Hybridmodell sein. "SUVs sind der Motor für Wachstum und Profitabilität", erklärt Diess, bis 2020 wird VW 20 SUV-Modelle anbieten. Die sollen dann für 40 Prozent des Absatzes sorgen.

Das Jahr 2020 erklärt Diess dann zum Schlüsseljahr. Denn ab dann müssen die strengeren CO2-Flottenziele der EU erreicht werden, was "eine gewaltige Herausforderung für die gesamte Branche" sei, eine "Zäsur" gar, wie er an einer Stelle anmerkt. VWs dürfen dann im Schnitt nur mehr 96 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen, ein Fünftel weniger als noch im Jahr 2016. Mit herkömmlich angetriebenen Autos "ist das kaum zu schaffen", meint Diess. Einen Kompakt-SUV könne man im Idealfall auf 120 bis 140 Gramm pro CO2 drücken, mehr sei aber nicht drinnen.

Deshalb will, nein muss VW ab 2020 im großen Stil Fahrzeuge mit Elektroantrieb verkaufen. Die müssen "attraktiv" sein und positive Margen erwirtschaften, erklärt Diess - und genau darauf sei sein Programm Transform 2025+ ausgerichtet.

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