05.04.2018  Volkswagen kündigt Lieferverträge

Der Niedergang des Zulieferer-Rebellen Prevent

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VW Werk in Wolfsburg: Volkswagen hat seinem Zulieferer Prevent gekündigt
DPA
VW Werk in Wolfsburg: Volkswagen hat seinem Zulieferer Prevent gekündigt

An den August 2016 erinnern sich die Chefeinkäufer des Volkswagen-Konzerns noch genau - wenn auch nicht besonders gerne. Denn damals ließ ein kleiner Zulieferer den Wolfsburger Autoriesen ziemlich schlecht dastehen. Im Streit um einen geplatzten Großauftrag stellten zwei deutsche Töchter der bosnischen Prevent-Gruppe im August kurzfristig die Lieferungen an den Volkswagen-Konzern ein. Tagelang standen deshalb in den VW-Werken in Wolfsburg und Emden Bänder still.

Letztlich einigten sich VW und Prevent in wochenlangen Verhandlungen auf neue Lieferverträge. Vordergründig gewann die Prevent-Gruppe samt ihren Töchtern den Streit gegen den Goliath Volkswagen. Doch nun passiert das, was Branchenkenner bereits kurz nach der damaligen Einigung zwischen Prevent und Volkswagen voraussagten: Volkswagen lässt die Prevent-Gruppe nun komplett fallen. So werden aus den vermeintlichen Gewinnern nun Verlierer - und zwar im Schnellverfahren.

Der heftige Zulieferer-Zoff soll VW 2016 einen deutlich dreistelligen Millionenbetrag gekostet haben - weil die Wolfsburger zuvor ein wichtiges Detail übersehen hatten. Die Prevent-Gruppe hatte sich taktisch geschickt den kleinen Metallguss-Spezialisten ES Automobilguss einverleibt und so eine mächtige Verhandlungsposition erkauft. Als VW eine andere Prevent-Tochter nach langer Zusammenarbeit aussortieren wollte, setzte Prevent zur Überraschung von Volkswagen diese Macht in vollem Umfang ein.

Nach gut zwei Jahren schlägt Volkswagen nun mit voller Macht zurück. Die Wolfsburger haben die Lieferverträge mit den Prevent-Töchtern ES Automobilguss, Car Trim und Prevent Foamtech fristlos gekündigt. Die beiden ersteren waren jene Unternehmen, die vor zwei Jahren die Lieferungen an Volkswagen einstellten und so den Bänder-Stillstand auslösten.

700 Beschäftigte direkt von Liefervertrags-Kündigung betroffen

Den Vorwurf einer späten Rache weist Volkswagen von sich, allerdings erklärte der Konzern dazu auch, dass er auf eine "jederzeit planbare und vertrauensvolle Zusammenarbeit" mit seinen Lieferanten angewiesen sei. Die sieht der Volkswagen-Konzern bei Prevent offenbar nicht mehr gegeben.

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Prevent wiederum kündigte an, dass es bei den betroffenen Töchtern zu Kurzarbeit und Kündigungen für die rund 700 Beschäftigten kommen werde. Gegen die außerordentliche Kündigung will Prevent "juristische Schutzmaßnahmen" in die Wege leiten.

Mit rechtlichen Scharmützeln hat die Prevent-Gruppe, die der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor gehört, reichlich Erfahrung. So zofft sich Prevent seit Jahren auch mit Daimler vor Gericht wegen der Lieferung von Sitzbezügen und fordert 40 Millionen Euro Schadensersatz. Ein Richter wurde dabei vor kurzem auf Antrag von Prevent für befangen erklärt, was das Verfahren weiter verzögert.

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