19.03.2018  Vorfall in Südafrika

VW-Chef Müller in Fahrerflucht verwickelt?

Die Lage vor Ort soll unklar gewesen sein: VW-Chef Matthias Müller.
AFP
Die Lage vor Ort soll unklar gewesen sein: VW-Chef Matthias Müller.

VW-Vorstandschef Matthias Müller ist möglicherweise in einen Unfall mit etwaiger Fahrerflucht verwickelt. Nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" soll der ehemalige Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz im Februar 2013 in Südafrika einen Verkehrsunfall verursacht haben. Bei dem Unfall sollen sieben Menschen verletzt worden sein, heißt es in dem Beitrag unter Berufung auf die südafrikanische Polizei in Rosedale (Aktenzeichen 263/02/13). Manager Hatz sei mit einem silbernen Porsche vom Unfallort geflüchtet. Der Zeitung zufolge saß der damalige Porsche-Chef und heutige VW-Vorstandsvorsitzende Matthias Müller auf dem Beifahrersitz.

Der Vorfall habe sich in der Provinz Nordkap ereignet, wo Volkswagen und andere Autokonzerne eine Teststrecke nutzen. Konzerne testen dort regelmäßige neue und modernisierte Fahrzeuge. Auf dem Weg zum Hotel habe Hatz laut Ermittlungsakte eine rote Baustellenampel überfahren und anschließend zwei Kleinlaster von der Straße gedrängt, berichtet die "Bild am Sonntag".

Dabei seien mehrere Mitfahrer, die auf der Ladefläche saßen, zu Boden gestürzt und hätten sich verletzt. Die Lage vor Ort soll unklar gewesen sein. Der damalige Porsche-Manager Hatz sei dann weiter gefahren, berichtet die Zeitung weiter. "Wir ermitteln gegen den Fahrer eines Porsche-Testfahrzeuges wegen rücksichtsloser Fahrweise und Unfallflucht", zitiert die Zeitung einen südafrikanischen Polizisten.

Ein Porsche-Sprecher bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass Hatz an jenem Tag in einen Unfall verwickelt gewesen sei. Dabei habe es sich um eine Konzernfahrt gehandelt. Ein Volkswagen-Sprecher erklärte dazu, dass man damals einen Anwalt eingeschaltet habe, der damals erklärt habe, dass es keine Ermittlungen wegen Fahrerflucht gegen Manager Hatz gebe. Der Sprecher wollte nicht kommentieren, dass Müller als Beifahrer im Auto saß.

Ein Anwalt des früheren Top-Managers Hatz teilte der "Bild am Sonntag" mit, dass er die Fragen nicht in der vorgegebenen Frist beantworten könne, weil sich sein Mandant in Untersuchungshaft befinde. Ein Ermittlungsrichter in München hatte die Haft im September 2017 angeordnet.

Die US-Justiz hatte Hatz 2016 zuvor als möglichen "Mitverschwörer" bei Abgasmanipulationen verdächtigt. Er habe Bescheid gewusst oder zumindest darüber hinweggesehen, erklärten die Ermittler in den Vereinigten Staaten. Der Anwalt von Hatz weist die Aussagen zurück: Die gegenüber Hatz erhobenen Vorwürfe seien falsch.

Top-Manager Hatz war von 2001 bis 2007 zunächst Chef der Motorenentwicklung bei Audi, danach bei VW und von 2011 an Entwicklungsvorstand der Porsche AG. Kurz nach Bekanntwerden der Dieselaffäre im September 2015 wurde Hatz von seinem Vorstandsposten bei Porsche beurlaubt.

SPIEGEL ONLINE

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