06.12.2018 
Jobabbau geplant

VW will weitere drei Milliarden Euro sparen

Volkswagen legt ein Sparprogramm auf, um massive Investitionen zu stemmen
DPA
Volkswagen legt ein Sparprogramm auf, um massive Investitionen zu stemmen

Volkswagen will die Rendite seiner Kernmarke schneller steigern als geplant und dafür kräftig Kosten senken. Die Formel dafür lautet: Produktivere Werke, Einsparungen im Vertrieb, weniger Modelle. Zudem will der Konzern über den Zukunftspakt hinaus weiteres Personal abbauen.

Der deutsche Autobauer Volkswagen will die Kosten bei seiner Kernmarke VW stärker senken als bislang geplant, um so Investitionen in E-Mobilität und Digitalisierung stemmen zu können. Insgesamt will die Marke zusätzliche drei Milliarden Euro bis 2022 einsparen, wie Finanzvorstand Arno Antlitz am Donnerstag sagte. Ein Stellenabbau sei nicht ausgeschlossen.

Mit dem neuen Programm beschleunigt VW eine seit vergangenem Jahr laufende Umstrukturierung, durch die Unternehmensangaben zufolge seit 2017 bereits 2,2 Milliarden Euro eingespart wurden. Die Marke soll laut Antlitz eine operative Rendite von "mindestens sechs Prozent" im Jahr 2022 erzielen, drei Jahre früher als ursprünglich geplant.

Der VW-Konzern will den Dieselskandal endlich hinter sich lassen und kündigte Mitte November Investitionen von 44 Milliarden Euro in Zukunftstechnologien an. Elf Milliarden davon fließen in die Marke VW, neun allein in Elektroautos. Die bisherigen Sparanstrengungen reichen laut Antlitz nicht aus, um das zu finanzieren.

Das Management von Volkswagen hatte sich im Zuge des vor zwei Jahren mit der Arbeitnehmervertretung geschlossenen Zukunftspakts bereits vorgenommen, die Kosten bis 2020 um drei Milliarden Euro im Jahr zu senken. Davon sollten bis Ende 2018 gut 2,2 Milliarden Euro in trockenen Tüchern sein. Zugleich wurde damals vereinbart, das Personal an den deutschen Standorten um ein Fünftel oder 23.000 Stellen zu senken. Das will VW vor allem über natürliche Fluktuation und Altersteilzeit erreichen. Gleichzeitig bauen die Wolfsburger 9000 Stellen in der Elektromobilität auf.

Weiterer Stellenabbau geplant

Den weiteren Personalabbau bezifferte VW nicht. Darüber werde mit dem Betriebsrat verhandelt, sagte Antlitz. Ein Betriebsratssprecher erklärte, erste Gespräche darüber hätten stattgefunden. In den nächsten Wochen und Monaten sollten weitere folgen. Einen "Zukunftspakt 2.0" werde es aber nicht geben.


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Nun kommen also nochmal drei Milliarden Euro hinzu, die eingespart werden sollen - insgesamt also sechs Milliarden Euro. Für dieses Ziel sollen unter anderem mehr Fahrzeuge mit gleicher Plattform in einem Werk vom Band rollen. Vor drei Jahren basierte etwa ein Fünftel der Modelle auf dem so genannten Modularen Querbaukasten (MQB), 2018 sollen es 60 Prozent sein und 2020 plant VW rund 80 Prozent. Zudem soll die Produktivität bis 2025 um etwa ein Drittel steigen.

Zahl der Motor- und Getriebevarianten sinkt drastisch ...

In Europa streicht VW zudem im kommenden Modelljahr ein Viertel der Motor- und Getriebevarianten aus dem Programm. Betroffen seien die von den Kunden weniger nachgefragten Modelle, hieß es. Weitere Kostenvorteile erwartet VW durch den Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB), auf dem ab 2019 die neuen E-Autos der I.D.-Familie basieren werden. "Wir müssen unser Transformationstempo erhöhen: effizienter und agiler werden", sagte Ralf Brandstätter, der als Chief Operating Officer das Tagesgeschäft der Marke leitet.

... zugleich Milliardeninvestitionen in die E-Mobilität

Während auf der einen Seite gespart wird, wollen die Wolfsburger bis 2023 mehr als elf Milliarden Euro investieren - davon sollen allein in die E-Mobilität mehr als neun Milliarden Euro fließen. In Deutschland werden die Standorte in Zwickau, Emden und Hannover auf den Bau von Elektroautos umgerüstet. In China entstehen mit Anting und Foshan zwei E-Werke und in den USA sucht Volkswagen noch einen Standort. Über alle Marken hinweg steckt Volkswagen bis 2023 knapp 44 Milliarden in die Elektromobilität, autonomes Fahren und die Digitalisierung. Das ist ein Drittel der Gesamtausgaben für den auf fünf Jahre angelegten Planungszeitraum, den der Aufsichtsrat kürzlich beschlossen hatte.

rtr/dpa-afx/akn

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