31.08.2018 
Magazinbericht legt tiefere Verstrickung nahe

Bosch gerät im Dieselskandal unter Mittäter-Verdacht

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Logo des Technikkonzerns und Autozulieferer-Riesen Bosch
DPA
Logo des Technikkonzerns und Autozulieferer-Riesen Bosch

Von der Aufarbeitung des Abgasskandals hielt sich der Autozulieferer-Riese Bosch bislang so fern wie nur möglich. Zwar ist seit langem klar, dass Bosch zumindest die Grundzüge jener Betrugssoftware entwickelt hat, die Audi und später Volkswagen in ihren Dieselmotoren einsetzten.

Doch bislang präsentierte sich Bosch als unwissender Mittäter. Bosch gibt zwar zu, die entsprechenden Komponenten geliefert und auch die Software programmiert zu haben. Allerdings, so erklärt Bosch seine Rolle bislang, habe man Autohersteller darauf hingewiesen, dass der Einsatz der Software zur Erkennung von Prüfstands-Fahrten illegal sei. Den konkreten Einsatzzweck der Software habe man nicht gekannt, argumentiert Bosch seit langem - die Verantwortung für den Betrug liege deshalb ausschließlich bei den Autoherstellern.

Dass Bosch beim Abgasbetrug völlig unwissend war, daran gibt es seit langem Zweifel, wie der Spiegel im Frühjahr ausführlich berichtete. Die US-Behörden ermitteln gegen Mitarbeiter einer dortigen Bosch-Tochter. Um möglichst unbeschadet aus dem Schlamassel herauszukommen, spielt Bosch gegenüber Ermittlern und Verkehrsbehörden den Whistleblower. Die Schwaben legen zumindest teilweise internen Schriftverkehr offen - aber nicht für alle Interessierten. Gegen ein Urteil des Stuttgarter Landgerichts, dass Bosch zur Herausgabe von Unterlagen an VW-Kläger verpflichtet, hat der Konzern vor kurzem Beschwerde eingelegt.

Doch nun rückt ein Magazinbericht einmal mehr Bosch in ein dubioses Licht. Dem Magazin WirtschaftsWoche liegen interne Mails zwischen Bosch und Volkswagen vor. Aus ihnen geht hervor, dass Bosch-Mitarbeiter offenbar mitgeholfen haben, die Manipulationssoftware vor den Behörden zu verstecken - und zwar bereits vor gut einem Jahrzehnt.

"Wie schlimm muss der sein, dass wir die Doku faken?"

In den Mails wurde die Betrugssoftware mit dem Tarnnamen "Akustikfunktion" bedacht. Bereits im Jahr 2006 soll ein VW-Mitarbeiter die Bosch-Kollegen zu folgendem aufgefordert haben: Die Akustikfunktion solle "so aussehen, dass wir nicht erwischt werden", zitiert die WirtschaftsWoche aus dem ihr vorliegenden Mailverkehr. Sie solle "irgendwie physikalisch argumentierbar" sein.

Der VW-Mitarbeiter erklärte, einen Arbeitsauftrag bei Bosch dafür eingereicht zu haben - in einem internen Bosch-Arbeitsauftrag vom November 2006 wird die Akustikfunktion wörtlich erwähnt, berichtet die WirtschaftsWoche. Die Bosch-Entwickler wollten aber, dass diese Funktion in der offiziellen Dokumentation der Software nicht erwähnt wird. Das bereitete einer Bosch-Mitarbeiterin Kopfzerbrechen. Sie fragte im März 2007 bei Kollegen per Mail nach, ob es sich dabei um einen "Cycle-Beater", also um eine Funktion zur Manipulation von Emissionsmessungen, handle. "Wie schlimm muss der sein, dass wir hier sogar die Doku faken?", schrieb sie laut WirtschaftsWoche weiter.

Zwei Jahre bekamen die Bosch-Mitarbeiter offenbar Skrupel - und wiesen VW darauf hin, dass der Einsatz bestimmter Software "nicht gesetzeskonform sei". VW wollte aber nicht die alleinige rechtliche Verantwortung übernehmen. Manager des Autozulieferers wogen die Folgen ab - und stellten danach ihre Bedenken offenbar hintan. Ein Bosch-Manager wies seine Kollegen jedenfalls im November 2009 an, die Software auszuliefern.

Gegenüber der WirtschaftsWoche wollten sich Bosch und VW unter Hinweis auf laufende Ermittlungen nicht zu dem Thema äußern.

Doch die Mails legen doch nahe, dass Bosch früh und viel genauer als bislang zugegeben über die Abgasmanipulationen Bescheid wusste. Weitere Details dazu, so schreibt die WirtschaftsWoche, könnte es in wenigen Wochen geben. Das Landgericht Stuttgart habe für einen Prozess interne Bosch-Unterlagen als Beweismittel angefordert. Darin seien ausführliche E-Mail-Wechsel zwischen Bosch-Mitarbeitern und ihren Kollegen bei Volkswagen enthalten. Die Herausgabe dieser Daten verweigert Bosch bislang - gegen die Aufforderung des Gerichts hat Bosch Beschwerde eingelegt.

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