22.03.2018  Video zum Roboterauto-Unfall wirft Fragen auf

Wie die Autobranche auf den tödlichen Uber-Crash reagiert

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Dieser Uber-Testwagen, ein umgebauter Volvo XC90, verursachte im autonomen Fahrmodus einen tödlichen Unfall in Tempe, Arizona
REUTERS
Dieser Uber-Testwagen, ein umgebauter Volvo XC90, verursachte im autonomen Fahrmodus einen tödlichen Unfall in Tempe, Arizona

Die Sequenzen dauert nur wenige Sekunden, doch die sind ebenso schockierend wie verstörend: Drei Tage nach dem tödlichen Unfall mit einem selbstfahrenden Auto hat die Polizei Videoaufnahmen der letzten Sekunden vor dem Zusammenstoß veröffentlicht.

Die beiden wenige Sekunden langen Sequenzen zeigen zuerst Aufnahmen einer Kamera auf dem Armaturenbrett des Roboterautos - einem mit Sensoren und Selbstfahr-Software aufgerüsteten Volvo XC90 des Fahrdienst Uber. Dabei ist zu sehen, wie die bei dem Unfall tödlich verletzte Fußgängerin ihr Fahrrad auf die unbeleuchtete Straße schiebt. Scheinbar aus dem Nichts tauchen zuerst ihre Füße im Bild auf, anderthalb Sekunden später wird sie von dem Auto in voller Fahrt getroffen. Die 49-Jährige erlag im Krankenhaus ihren Verletzungen.

Die zweite kurze Sequenz mit einer Aufnahme aus dem Inneren des Autos scheint zu belegen, dass sich die Fahrerin auf die Automatikfunktion ihres Wagens verlassen hatte. Sekundenlang blickt sie nach unten, erst kurz vor dem Zusammenprall schaut sie auf und schnappt entsetzt nach Luft.

Video zum Unfallhergang - Achtung, explizites Bildmaterial:

Experten zweifeln an Technik - und an Fahrer-Kontrolle

In einer ersten Stellungnahme äußerte die Polizei zwar Zweifel an der Schuld von Uber. Der Unfall wäre auch für einen menschlichen Fahrer unvermeidbar gewesen, hieß es Anfang der Woche. Doch das nun gezeigte Video wirft unangenehme Fragen für die Verlässlichkeit der eingesetzten Technik und die Rolle der Kontrollfahrerin auf.

Die Aufnahmen der Armaturenbrett-Kamera legen nahe, dass die Frau wenige Sekunden vor dem Zusammenstoß die Fahrbahn betreten hatte und sich von links nach rechts bewegte. Das hätten die Lidar-Sensoren des Fahrzeugs, die von optischen Lichtverhältnissen unabhängig arbeiten, eigentlich registrieren müssen.

Experten zeigten sich nun überrascht davon, dass der Wagen trotz seiner vielen Sensoren nicht reagiert zu haben scheint. "Das Video zeigt eindeutig, dass die Passantin nicht erkannt wurde, nicht mal, als sie bereits vor dem Auto stand. Alles deutet auf Versagen der Uber-Sensorik und -Programmierung hin", sagte Raúl Rojas, Leiter des Dahlem Center for Intelligent Systems an der Freien Universität Berlin, dem Science Media Center. "Herkommliche Notstop-Systeme hätten bei modernen Autos in dieser Situation wohl eingegriffen."

Auch der Leiter des Instituts für Mess- und Regelungstechnik am Karlsruher Institut für Technologie, Christoph Stiller, betonte, die Laser- und Radarsensoren arbeiteten "unabhängig vom Tageslicht und hätten die Fußgängerin mit ihrem geschobenen Rad selbst noch bis in 100 Metern Entfernung detektieren müssen". Die erste Einschätzung der Polizei, dass er Unfall unvermeidbar erschien, werde von dem Video in Frage gestellt.

Zudem sollten Kontrollfahrer an Bord jederzeit die Hände auf dem Lenkrad haben und das Verkehrsgeschehen überwachen. Die Aufnahmen aus dem Inneren vermitteln jedoch ein anderes Bild.

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