27.03.2018  Tödlicher Roboterauto-Unfall

Arizona verbietet Uber Roboterauto-Tests, kritisiert "Versagen"

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Mitarbeiter der US-Behörde NTSB untersuchen das Uber-Roboterauto, das einen tödlichen Unfall verursachte
REUTERS
Mitarbeiter der US-Behörde NTSB untersuchen das Uber-Roboterauto, das einen tödlichen Unfall verursachte

Arizonas Gouverneur Doug Ducey galt bisher als großer Freund selbstfahrender Autos. Im Dezember 2016, als Kalifornien dem Fahrdienst-Vermittler Uber Tests seiner Roboterwagen untersagte, hieß er Ubers Testfahrzeuge ausdrücklich willkommen - "mit offenen Armen und breiten, offenen Straßen", wie er es damals ausdrückte.

Doch nach dem tödlichen Unfall eines Uber-Roboterautos stoppt nun der Gouverneur höchstpersönlich weitere Selbstfahrversuche von Uber auf Arizonas Straßen. Er habe seine Verkehrsbehörden angewiesen, die Erlaubnis von Uber zum Einsatz autonomer Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen auszusetzen, erklärte Ducey nun in einem Brief an Uber-Chef Dara Khosrowshahi.

Und er sparte dabei auch nicht mit Kritik an dem Fahrdienstvermittler. Die Videobilder des Unfalls seine "verstörend und alarmierend" gewesen, so Ducey. Der tödliche Unfall seine ein "unbestreitbares Versagen bei der Einhaltung" von Arizonas "Erwartungen" an die öffentliche Sicherheit gewesen. Uber selbst hatte nach dem Unfall den Betrieb seiner Roboterautos vorläufig auf Eis gelegt.

Die Polizei hatte nach dem Unfall vom 18. März, der die Debatte über die Sicherheit des autonomen Fahrens neu anfachte, Videoaufnahmen von den letzten Sekunden vor dem Zusammenstoß mit einer Fußgängerin in der Stadt Tempe veröffentlicht. Diese scheinen zu belegen, dass sich die Fahrerin des Uber-Autos offenbar auf die Selbstfahrfunktion des Wagens verließ. Die 49-Jährige Fußgängerin erlag nach dem Unfall im Krankenhaus ihren Verletzungen.

Gravierende Probleme bei Ubers Roboterauto-Programm

Das Video werfe "viele Fragen über die Fähigkeit von Uber auf, in Arizona weiter zu testen", schrieb Ducey. In den USA sind die einzelnen Bundesstaaten für die Regulierung der öffentlichen Straßen zuständig, autonome Fahrzeuge sind bislang nur in einigen wenigen zugelassen. Arizona hatte sich dabei zuletzt neben Kalifornien als besonders technologiefreundlich hervorgetan - der Bundesstaat hofft, so Hightech-Konzerne anlocken und Arbeitsplätze in der zukunftsträchtigen Branche schaffen zu können.

Zuletzt hatten US-Medien ein erschreckendes Bild des Uber-Testprogramms für selbstfahrende Fahrzeuge gezeichnet. Laut einem Bericht der "New York Times" kämpften das Roboterwagen-Programm des Fahrdienst-Vermittlers bereits seit Monaten mit erheblichen Problemen. Die selbstfahrenden Fahrzeuge hätten unter anderem Schwierigkeiten bei Baustellen und neben Sattelschleppern gehabt, schrieb die Zeitung am Wochenende unter Berufung auf interne Unterlagen von Uber. Außerdem hätten menschliche Sicherheitsfahrer häufiger als angestrebt die Kontrolle übernehmen müssen.

Ähnlich lautet der Tenor des US-Wirtschaftsmagazin Fortune über das Testprogramm. Seit mehr als 12 Monaten versagten Ubers Roboterautos öfter und schwerwiegender als die selbstfahrenden Autos der Konkurrenz, heißt es bei Fortune. Im Dezember 2016 habe ein selbstfahrendes Uber-Testfahrzeug etwa eine rote Ampel in San Francisco überfahren - aufgrund einer Fehlfunktion des Selbstfahr-Systems, wie Uber später zugeben musste.

Wie das Internet-Magazin Recode im März berichtete, zeigte ein interner Uber-Bericht, dass die Uber-Sicherheitsfahrer deutlich häufiger eingreifen mussten als bei Testprogrammen der Konkurrenz. Und nur ein paar Tage vor dem Crash in Arizona, bei dem ein Uber-Roboterwagen bei einer nächtlichen Testfahrt eine Frau tötete, hatte ein weiteres Uber-Fahrzeug einen Unfall: In Pittsburgh fuhr ein Uber-Fahrzeug im Selbstfahr-Modus in ein anderes Fahrzeug - wobei noch nicht klar ist, wer an dem Unfall schuld ist.

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