18.12.2017  E-Auto-Offensive mit 10 Modellen

Toyota legt bei Elektroautos jetzt richtig los

Von
Firmenchef Akio Toyoda breitet nun auch für Batterie-Elektroautos in seinem Konzern die Arme aus
AFP
Firmenchef Akio Toyoda breitet nun auch für Batterie-Elektroautos in seinem Konzern die Arme aus

Bis vor gut einem Jahr hatte Japans Autoriese Toyota nicht allzu viel übrig für reine Elektroautos. Zu teuer seien die Stromer für die Kunden, die Reichweiten seien zu gering, die CO2-Bilanz insgesamt zu schlecht. Solche Argumente wurden von Toyota-Managern gerne vorgebracht, um zu erklären, warum der Konzern kein rein batteriebetriebenes Modell im Programm hatte.

Toyota hat mit dem Prius den Hybridantrieb populär gemacht, doch die Stufe der rein batteriebetriebenen Autos wollten die Japaner überspringen. Für Langstreckenfahrten mit Elektroantrieb setzen die Japaner lieber auf eine Brennstoffzelle statt eine Riesenbatterie - und brachten deshalb das Wasserstoffauto Mirai auf den Markt.

Doch seit gut einem Jahr denkt auch viele Jahre weltgrößte Autohersteller der Welt um - und entwickelt nun im Schnelltempo Elektroautos mit reinem Batterieantrieb. Wie Toyota nun in Tokio bekanntgab, will der Konzern bis Anfang der 2020er-Jahre insgesamt 10 Modelle mit reinem Batterieantrieb auf den Markt bringen. Bislang gibt es kein einziges Toyota-Modell, das ausschließlich mit Akku-Kraft fährt. Toyota ist jedoch Marktführer bei Hybridfahrzeugen, die Elektro- und Verbrennungsmotor kombinieren.

Zuerst sollen die Toyota-Elektroautos in China auf den Markt kommen, hieß es bei der Vorstellung der Pläne. Danach werden sie auch in Japan, Indien, den USA und Europa verkauft. Ab 2025 will Toyota für jedes Fahrzeugmodell in seiner Modellpalette eine "elektrifizierte" Version anbieten, also Hybridantrieb, rein batterieelektrisch oder via Brennstoffzelle.

Ähnliches plant auch die schwedische Marke Volvo und die französische Opel-Mutter PSA. Ab 2030 will Toyota 5,5 Millionen elektrifizierte Fahrzeuge verkaufen, also die Hälfte seines Jahresoutputs. Davon sollen dann eine Million batterieelektrische Fahrzeuge sein.

Elektroauto-Entwicklung ist Chefsache bei Toyota

Diesen Schwenk Richtung Elektromobilität bereitet Toyota schon seit gut einem Jahr vor. Ende 2016 hat das Unternehmen eineeigene Elektroauto-Sparte gegründet, die an höchster Managementebene angesiedelt ist. Geleitet wird die Sparte von Unternehmenschef Akio Toyoda persönlich. Ihm zur Seite stehen die Unternehmens-Vizepräsident Mitsuhisa Kato und Shigeki Terashi, die beide führende Positionen in Toyotas Forschungs- und Entwicklungsabteilung innehaben. Kato etwa wurde öfters als Toyota-Entwicklungsvorstand bezeichnet. Das Entwicklungsteam der Elektroauto-Abteilung leitet Kouji Toyoshima, der Chefingenieur des Hybridmodells Prius.

Und das Führungsquartett macht mächtig Tempo bei Toyotas Elektroauto-Plänen. Im August sorgten Meldungen für Schlagzeilen, dass Toyota an Feststoffbatterien arbeitet. Sie gelten als nächster großer Schritt nach der Lithium-Ionen-Batterie, weil sie höhere Energiedichten und kürzere Ladezeiten ermöglicht. Gemeinsam mit dem Konkurrenten Mazda und dem Zulieferer Denso hat Toyota vor wenigen Monaten ein Joint-Venture gegründet, das die Technik für Elektroautos entwickeln soll.

Vor wenigen Tagen erklärte Toyota zudem, mit Tesla-Batteriezellenpartner Panasonic die gemeinsame Fertigung neuer, prismatischer Lithium-Ionen-Zellen zu erwägen. Das klang erstmal nicht allzu ambitioniert. Präsentiert wurde diese Neuigkeit jedoch von den Firmenchefs beider Unternehmen, Akio Toyoda und Panasonics Kazuhiro Tsuga. Deren gemeinsame Pressekonferenz zu den Plänen spricht dafür, dass die beiden Unternehmen sehr ernsthaft an einer Zusammenarbeit im Batteriebereich arbeiten.

Bei der heutigen Pressekonferenz erklärte ein Toyota-Manager dann bereits, dass die Zusammenarbeit mit Panasonic ein "entscheidender Bestandteil" in Toyotas Elektroauto-Strategie sei. Für die Batteriefertigung strebe Toyota eine japanische Partnerschaft an.

13 Milliarden Dollar für Batterieentwicklung und Produktion

Zudem hätte Toyota dann einen Partner für die Massenfertigung an der Hand, sobald seine Feststoffbatterie serienreif ist. Im Jahr 2030 will Toyota jährlich eine Million Elektroautos und 4,5 Millionen Hybride und Plugin-Hybride verkaufen.

Folgen Sie Wilfried Eckl-Dorna auf twitter

Konkurrent Volkswagen will da noch schneller sein und bereits im Jahr 2025 weltweit 2-3 Millionen Batterie-Elektroautos verkaufen. Insgesamt investiert der Konzern rund 35 Milliarden Euro in seine weltweite Elektromobilitäts-Offensive.

Toyota will bis 2030 rund 13 Milliarden Dollar in die Entwicklung und Produktion von Elektroauto-Batterien stecken - und damit auch seine Feststoffbatterie zur Marktreife bringen. So große Elektromobilitäts-Investitionen wie die Konkurrenz hat Toyota gar nicht nötig, ließ Prius-Entwickler Takeshi Uchiyamada in einem Interview mit dem Handelsblatt durchblicken. Toyota habe bereits vor 20 Jahren mit der Elektrifizierung begonnen und bereits fast zwölf Millionen Fahrzeuge mit Hybridantrieb verkauft. Für die Batterien habe man bereits viel investiert und deshalb auch einen Zeitvorsprung vor der Konkurrenz, die sich erst jetzt mit der Batterietechnologie beschäftige.

Deshalb könne sich Toyota in der nächsten Stufe mit der Brennstoffzelle befassen. Sein Konzern habe die Ressourcen sowie die Technologien, um Batterie- und Wasserstoff-Elektroautos gleichzeitig zu verkaufen, meinte Uchiyamada damals durchaus selbstbewusst. Am Geld dürfte es tatsächlich nicht scheitern: In den letzten Jahren war Toyota der profitabelste Massenhersteller der Welt.

Mehr zum Thema