06.03.2018  Dieselaffäre und die Folgen

Toyota will in Europa keine Diesel-Autos mehr verkaufen

 Diesel? Nur weil SUV draufsteht muss Diesel nicht drinstecken. Toyota sagt dem Diesel in Europa ade und bietet auch im Deutschland so beliebten Segment der SUV schon längst einen Hybrid-Version an
Tom Grünweg
Diesel? Nur weil SUV draufsteht muss Diesel nicht drinstecken. Toyota sagt dem Diesel in Europa ade und bietet auch im Deutschland so beliebten Segment der SUV schon längst einen Hybrid-Version an

Der Absatz von Hybrid-Modellen steigt, der von Diesel-Autos sinkt. Jetzt macht Toyota Nägel mit Köpfen: Noch im laufenden Jahr wird der japanische Autobauer in Europa den Verkauf von Diesel-Pkw einstellen.

Die Auslaufphase werde schon in diesem Jahr beginnen, sagte Johan van Zyl, Präsident von Toyota Motor Europe, am Montag in Genf, wo in dieser Woche die Messe Genfer Autosalon beginnt. "Wir werden keine neue Dieseltechnologie für Pkw mehr entwickeln, wir werden uns auf Hybride konzentrieren", fügte er hinzu.

Im vergangenen Jahr hatten knapp 15 Prozent der in Europa verkauften Toyota einen Dieselmotor. 2012 waren es noch 30 Prozent. Seitdem sind die Verkaufszahlen für die Hybridmodelle von Toyota stark gestiegen.

Der japanische Autohersteller reagiert mit dem Verkaufsende auf die Dieselaffäre, die 2015 vom Volkswagen-Konzern ausgelöst wurde. Seitdem geriet die Dieseltechnologie immer stärker in Verruf - auch wegen des gesundheitsschädlichen Ausstoßes von Stickoxid. Dies war ein schwerer Rückschlag für die Automobilindustrie, die jahrelang alles auf die Entwicklung des Diesel gesetzt hatte, um den Ausstoß von Kohlendioxid zu verringern.


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Toyota wiederum gilt als großer Nutznießer des Dieselskandals. Seinen Absatz in Europa konnte der weltweit drittgrößte Autobauer im vergangenen Jahr um 14 Prozent steigern - der gesamte Automarkt wuchs um 3,4 Prozent. Maßgeblichen Anteil am Erfolg hatte der Hybrid: Hier legte Toyota 2017 in Europa um 45 Prozent zu.

In Deutschland waren Anfang Januar gut 236.700 Hybridautos zugelassen, das war laut Kraftfahrt-Bundesamt eine Steigerung von mehr als 43 Prozent. Plugin-Hybride wuchsen um fast 112 Prozent auf einen Bestand von gut 44.400 Autos.

Marktforscher: Toyota profitiert von breitem Hybrid-Angebot

Und diese Tendenz dürfte anhalten - kürzlich erklärte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Diesel-Fahrverbote in Städten für grundsätzlich zulässig, um die Luftqualität zu verbessern. Damit könnte die Technologie zugunsten alternativer Antriebe weiter verlieren. "Viele Kunden wechseln vom Diesel zum Hybrid", sagt auch der Autoexperte Felipe Munoz vom Marktforschungsinstitut Jato Dynamics. "Und Toyota ist dabei die erste Alternative, weil sie die breiteste Hybrid-Serie haben."

Der japanische Autobauer habe außerdem in der Vergangenheit "alle seine Anstrengungen" darauf konzentriert, die Hybrid-Technologie als gute und brauchbare Alternative zu entwickeln und am Markt zu platzieren, sagt Munoz. Ende 2016 brachte Toyota mit dem C-HR auch einen Hybrid-SUV auf den Markt, um auch dieses wachsende Segment zu bedienen.

Bei reinen Elektroautos sind die Autobauer Renault, Nissan, Tesla und BMW in Europa führend. Auch sie profitieren vom Diesel-Sturzflug - allerdings in geringerem Maß als Toyota mit seinen Hybriden. Bei reinen Elektrowagen bereiten die fehlende Lade-Infrastruktur und die für viele Kunden noch zu geringe Reichweite große Probleme.

rei/afp

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