03.07.2018  Autobauer brauchen laut Studie nun "langen Atem"

Warum sich die Autobranche auf magere Jahre einstellen muss

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Neu- und Gebrauchtwagen bei einem Händler: Die Zeiten werden für die Hersteller laut einer Studie bald härter
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Neu- und Gebrauchtwagen bei einem Händler: Die Zeiten werden für die Hersteller laut einer Studie bald härter

Neue Höhen bei Absatz und Gewinn, dazu satte Renditen: Deutsche Autohersteller und viele ihrer internationalen Konkurrenten eilten in den vergangenen Jahren von Rekord zu Rekord. Doch diese goldenen Zeiten neigen sich dem Ende zu, wie eine weltweite Studie der Unternehmensberatung AlixPartners zeigt, die manager-magazin.de vorliegt.

Zwar haben die 13 weltweit größten Autohersteller auch noch 2017 neue Umsatzrekorde vorgelegt, zeigt der "Global Automotive Outlook 2018" der Unternehmensberatung. Doch erstmals seit 2013 sank die Profitabilität leicht. Die durchschnittliche EBIT-Marge der 13 größten Autohersteller lag 2017 bei 6 Prozent, 2016 waren es noch 6,3 Prozent.

In den kommenden Jahren dürften die Margen der Autohersteller weiter unter Druck geraten, prognostizieren die Unternehmensberater. Für die Studie hat AlixPartners die Bilanzen von mehr als 300 Automobilherstellern und -zulieferern ausgewertet sowie eine Vielzahl von Experteninterviews sowie Verbraucherumfragen durchgeführt.

Die Ergebnisse künden von härteren Zeiten für die erfolgsverwöhnte Autobranche. Zum einen verlangsamt sich das Wachstum des globalen Automarktes, heißt es in der Studie. Bis 2025 legt der weltweite Auto-Absatz jährlich im Schnitt nur mehr um 2,3 Prozent zu, von 2010 bis 2017 waren es noch im Schnitt 3,8 Prozent jährlich.

Zum anderen müssen die Autohersteller in den kommenden Jahren hohe Investitionen stemmen. 2017 haben die 13 weltweit größten Autohersteller 200 Milliarden Euro investiert, 2016 waren es noch 180 Milliarden. Und in den kommenden Jahren dürfte das Investitionsvolumen noch steigen - weil die Autohersteller viel Geld für die Elektrifizierung ihrer Flotten in die Hand nehmen müssen.

Elektroautos werden sich für Hersteller anfangs kaum rechnen

"Die Investitionen nehmen massiv zu", sagt Elmar Kades, Managing Director von AlixPartners und einer der Studienautoren. Bis 2022 wollen die 13 weltweit größten Autohersteller über 200 neue Modelle mit Elektroantrieb auf den Markt bringen. Im Jahr 2025 sollen bei Autoriesen wie Volkswagen bereits ein Viertel des Gesamtabsatzes Elektro-Modelle sein.

Die dafür notwendige rasante Elektrifizierung der Fahrzeugflotten mittels Hybridantrieben und die komplette Neuentwicklung rein batteriegetriebene Autos verschlingt viel Geld - das sich zumindest zum Anfang kaum rechnen wird. "Die Stückzahlen solcher Autos sind erstmal relativ gering", so Kades. Mehr als ein paar zehntausend Stück pro Jahr sind da je E-Modell kaum drin. Neuauflagen herkömmlicher Mittelklasse-Wagen kommen schon zu Anfang auf sechsstellige Absatzzahlen pro Jahr.

Zusätzlich müssen die Autohersteller mit steigenden Preisen für Nickel und Kobalt zurechtkommen, die für leistungsstarke Elektroauto-Batterien benötigt werden. Zwar arbeiten Batterieexperten daran, den Anteil der beiden Rohstoffe in Lithium-Ionen-Batterien zu reduzieren. Doch laut den aktuellen Prognosen werden die Autohersteller bis 2022 mehr Kobalt benötigen, als aktuell abgebaut wird.

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