20.02.2018  Model S erobert Spitzenplatz im Absatzranking

Tesla schlägt Mercedes und BMW erstmals in Europa

Von Nils-Viktor Sorge
Tesla Model S, Mercedes S-Klasse
Tesla; Daimler
Tesla Model S, Mercedes S-Klasse

US-Elektroautobauer Tesla hat in Europa erstmals den Spitzenplatz beim Autoabsatz in der Oberklasse erklommen. Im vergangenen Jahr verkauften die Kalifornier 16.132 Luxuslimousinen des Typs Model S auf dem Kontinent und damit 30 Prozent mehr als 2016, wie die Fachzeitschrift "Automotive News Europe" berichtet.

Dahinter folgen die S-Klasse von Mercedes mit 13.359 Fahrzeugen (plus 3 Prozent) und der BMW 7er mit 11.735 Wagen (minus 13 Prozent). Auch Audis A8 kommt demnach auf weniger verkaufte Exemplare als das Model S. Die Zeitschrift beruft sich auf Zahlen des Marktforschungs-Unternehmens Jato Dynamics.

Damit ist Tesla ein äußerst schmerzhafter Vorstoß in den Heimatmarkt der deutschen Premium-Autobauer gelungen. Diese wähnten sich lange relativ sicher vor den Attacken der Amerikaner. Elektroautos seien zu teuer und noch nicht reif für die Langstrecke, argumentierten hiesige Top-Manager unter anderem.

Doch während die europäischen Hersteller noch immer kein Elektroauto mit großer Reichweite auf dem Markt haben, kommt das Model S mit einer Batterieladung inzwischen offiziell bis zu 632 Kilometer weit (laut dem großzügigen NEFZ-Zyklus). Zudem hat Tesla in den vergangenen vier Jahren ein Netzwerk von Hunderten Schnellladestationen in Europa aufgebaut. Dagegen haben Volkswagen , Daimler und BMW erst vor kurzem ein ähnliches Projekt gestartet.

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Einen Vorteil hat Tesla inzwischen offenbar auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Während das Model S in einer abgespeckten Version bereits ab knapp 70.000 Euro zu bekommen ist, kosten die S-Klasse von Mercedes und der BMW 7er etwa 85.000 Euro aufwärts. Die deutschen Luxus-Limousinen gelten allerdings als besser verarbeitet und komfortabler ausgestattet.

Im Betrieb ist das Elektroauto in der Regel ohnehin günstiger. Das macht den Batterieantrieb zunehmend für Firmen-Flotten attraktiv, zumal der dort traditionell beliebte Diesel angesichts drohender Fahrverbote in Verruf geraten ist. Doch erst in diesem Jahr bekommt Tesla im teuren Luxussegment ernsthafte Konkurrenz - in Form des Jaguar I-Pace und des Audi Q6 E-Tron. Die Plugin-Hybride von Mercedes und BMW verkaufen sich eher schlecht - und sind mit mehr als 100.000 Euro teuer.

In vielen Ländern profitiert Tesla zudem von Subventionen für Elektroautos. So fallen in Norwegen beim Kauf eines Batteriefahrzeugs zahlreiche Steuern weg. Gerade im hochpreisigen Segment ergibt sich dadurch ein großer Preisvorteil für die Amerikaner, da sie seit Jahren keine echten Wettbewerber im Elektro-Segment haben.

Doch auch in Ländern ohne üppige Beihilfen ist Tesla mitunter sehr erfolgreich. So setzten die Kalifornier in der Schweiz 2017 mehr als doppelt so viele Model S ab wie Mercedes von der S-Klasse.

Deutschland hingegen beleibt vorerst Bastion der einheimischen Hersteller. Teslas Model S kommt im Oberklasse-Ranking für 2017 nur auf Platz 5, hinter Mercedes S-Klasse, BMW 7er, Porsche Panamera und Audi A8.

Mitunter wird das Model S auch mit Fahrzeugen der oberen Mittelklasse und nicht der Oberklasse verglichen. Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt stuft das amerikanische Elektroauto allerdings in eine Klasse mit den Prestige-Limousinen der deutschen Konkurrenz ein.

Recht passabel scheint für Tesla auch der Marktstart des Model X in Europa gelaufen zu sein. Für den Spitzenplatz im Segment der SUVs und Geländewagen hat es zwar noch nicht gereicht. Nervös könnten Vertreter mancher Platzhirsche dennoch werden, zum Beispiel bei Porsche . Das Model X verkaufte sich 2017 mit 12.000 Exemplaren schon so gut wie der Cayenne.

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