24.08.2018 
Bericht über hohe Fehlerquote bei Elektroauto-Herstellung

Teslas Model 3-Produktion rumpelte Ende Juni gewaltig

Von
Tesla Model 3-Neuwagen auf einem Parkplatz
REUTERS
Tesla Model 3-Neuwagen auf einem Parkplatz

In seinem vielbeachteten Interview mit der New York Times gab sich Elon Musk vor wenigen Wochen in einem Punkt zuversichtlich: Operativ seien die schlimmsten Zeiten bei der Produktion desModel 3 vorüber, erklärte Musk der Zeitung Mitte August.

Musk hat seine Energie zuletzt wohl darauf verwendet, Financiers für seine Börsenrückzugs-Pläne zu finden. Doch vor einigen Wochen dürfte die "Produktionshölle", von der Musk einst beim Anlauf der Model 3-Serienproduktion sprach, noch ziemlich heiß geglüht haben. Das legt ein Bericht des Wirtschaftsportals "Business Insider" (BI) nahe, der sich auf interne Tesla-Dokumente beruft.

Demnach musste Tesla in der letzten Juniwoche eine sehr hohe Fehlerquote in seiner Produktion bewältigen. Von den in dieser Woche gebauten 5000 Stück der E-Limousine mussten mehr als 4300 nachträglich überarbeitet werden, berichtet BI. Tesla stand in dieser Zeit enorm unter Druck: Im vergangenen Jahr hatte Musk für Mai eine Produktion von 5000 Model 3 versprochen, dieses aber verfehlt.

Ende Juni schaffte der Elektroautobauer sein 5000er-Ziel für sein Massenmarkt-Modell erstmals - doch für diesen Kraftakt nahm Tesla offenbar eine hohe Fehlerquote in Kauf. Zwar gab Tesla gegenüber BI an, dass die Reparaturen an den 4300 Fahrzeugen nur durchschnittlich 37 Minuten dauerten. Doch fehlerfrei liefen demnach nur 14 Prozent aller in dieser Woche gebauten Model 3 vom Band.

Tesla: Zahl der Arbeitsstunden je Model 3 deutlich gesunken

Folgen Sie Wilfried Eckl-Dorna auf Twitter

Das ist eine ungewöhnlich niedrige Zahl, erklärte der Produktionsexperte Ron Harbour gegenüber BI: In gut geführten Autowerken laufen üblicherweise 65 bis 80 Prozent der Fahrzeuge fehlerfrei vom Band. Harbour erstellt jährlich einen in der Branche vielbeachteten Report, der anhand mehrerer Kennzahlen die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit von Autofabriken vergleicht. Je höher der Umfang an Nacharbeit, so Harbour, desto niedriger sei die Gesamtproduktivität einer Anlage.

Tesla erklärte gegenüber der US-Ausgabe des Business Insider, dass diese Nacharbeiten auch kleinere Probleme umfassen können. Die meisten Autos weisen laut Tesla keine gröberen Probleme auf, wenn sie vom Band gerollt sind. Tesla unterziehe seine Autos einer rigorosen Qualitätskontrolle, bevor sie das Werk verlassen. Zudem sei die Zahl der Arbeitsstunden pro Model 3 seit dem letzten Quartal um fast 30 Prozent gesunken, hieß es gegenüber BI.

Zur Frage von BI, ob Tesla seine Produktionsrate für das Model 3 beibehalten habe, wollte sich das Unternehmen nicht äußern. In seinem Bericht zum zweiten Quartal hatte Musk jedoch Mitte Juli erklärt, dass die Verbesserung der Produktionsprozesse zu höheren Gewinnen führen werde. Bei der Model 3-Produktion gebe es sehr hohe Arbeitskosten je Fahrzeug, führte Musk damals aus.

Damit deutete er bereits an, dass die Produktion nach wie vor nicht richtig effizient läuft. Das kann sich in den vergangenen Wochen durchaus zum Besseren gewendet haben - denn in dem BI-Bericht geht es vor allem um die letzte Juni-Woche. Doch die Momentaufnahme zeigt wohl, dass Teslas Produktionsexperten rund um den Ex-Audi-Mann Peter Hochholdinger wohl alles andere als einen ruhigen Sommer hatten.

Mehr zum Thema