13.02.2018 
Drei Jahre warten auf ein Model 3

So strapaziert Tesla die Geduld seiner deutschen Kunden

Von und
Warten, warten, Warten: Tesla-Fans müssen viel Geduld mitbringen. Durch die Produktionsprobleme verzögern sich die Auslieferungen teils erheblich
DPA
Warten, warten, Warten: Tesla-Fans müssen viel Geduld mitbringen. Durch die Produktionsprobleme verzögern sich die Auslieferungen teils erheblich

Tesla-Fans müssen sich arg gedulden: Wer in Deutschland im Frühjahr 2016 ein Model 3 bestellt hat, kann es mit Glück im Frühjahr 2019 in Empfang nehmen. Tesla verliert durch die Produktionsprobleme viel wertvolle Zeit - und womöglich auch Kunden. Denn die Konkurrenz schläft nicht.

Der 31. März 2016 war Elon Musks "iPhone-Moment". Tausende reihten sich in hunderte Meter lange Schlangen vor Tesla Stores in kalifornischen Städten ein, um das neue Model 3 zu bestellen - ein Auto, das sie noch nicht gesehen hatten, von dem sie nichts wussten, noch nicht einmal den Preis.

"Natürlich ist das seltsam", räumte eine junge blonde Frau in der Schlange ein. "Aber es ist eben ein Tesla." Eine andere Frau mit asiatischen Wurzeln konnte ihre Euphorie nur schwer unterdrücken: "Ich will unbedingt einen haben, um Energie zu sparen. Ich glaube, das ist das Auto der Zukunft."

130.000 von ihnen überwiesen bereits am ersten Tag jeweils 1000 Dollar für ein Elektroauto, das Elon Musk Stunden später mit viel Tamtam vorstellte und versprach, mit den Auslieferungen Ende 2017 zu beginnen. Der Mann hielt Wort: 1542 teils händisch zusammengebaute Model 3 verließen im letzten Quartal 2017 das Werk.

Das ist deutlich weniger als ursprünglich angekündigt. Die dafür verantwortlichen Produktionsprobleme, die vor allem im Batteriebereich liegen sollen, will Musk Anfang Juli dieses Jahres beseitigt haben, dann sollen wöchentlich 5000 Model 3 vom Band laufen - in erster Linie für Käufer auf dem US-Markt, der nach Unternehmensangaben prioritär beliefert wird.

Kunden in Deutschland werden sich noch länger gedulden müssen - selbst jene, die im März/April 2016 bestellten, werden nicht vor "Anfang 2019" mit ihren Auto rechnen können, wie Händler jetzt ihren Kunden per Mail nach Informationen von "Teslamag" oder "Electrive" mitteilen. Ursprünglich war ihnen die Lieferung das zweite Halbjahr 2018 in Aussicht gestellt worden. Tesla selbst erklärt dazu in einem Statement gegenüber manager-magazin.de: Man habe zuletzt "signifikante Fortschritte" bei der Model 3-Produktion gemacht, schätze die "fortgesetzte Unterstützung" der Vorbesteller und arbeite "hart daran, mehr Autos auszuliefern".

Doch auch die neuen Auslieferungsdaten sind mit Vorsicht zu genießen. Denn das Unternehmen weist selbst darauf hin, dass die Premium-Modelle mit großer Batterie für 310 Meilen (499 Kilometer) Reichweite ab 49.000 Dollar aufwärts zuerst produziert und ausgeliefert werden. Die Basisversion für 35.000 Dollar und 220 Meilen (354 Kilometer) Reichweite, sozusagen der Tesla für "Jedermann", werde frühestens Ende 2018 eingeführt.

Elon Musk könnte damit im Rennen um die Gunst der Käufer auf dem Massenmarkt wichtige Zeit verlieren. Denn der Nissan Leaf, das meistverkaufte Elektroauto weltweit, ist in seiner zweiten Generation ab März in Deutschland im Handel. Es kostet rund 32.000 Euro bei einer offiziellen Reichweite von 285 Kilometern im kombinierten und 415 Kilometern im reinen Stadtverkehr.

BMW hat seinem Elektro-Stadtwagen i3 vor gut einem halben Jahr eine größere Batterie verpasst. Sie schraubt die Alltagsreichweite auf rund 200 Kilometer, erhältlich ist der neue i3 ab 37.550 Euro. Hyundai verkauft seit einigen Monaten ab 33.300 Euro seinen vollelektrischen Ioniq Electric mit 280 Kilometer offizieller Reichweite.

Andere Wettbewerber arbeiten ebenfalls hart daran, mit eigenen vollelektrischen Modellen Tesla Paroli zu bieten, wenn auch die Preise dann keineswegs mehr in der Liga "Leaf2" oder Model3 in der Standardausstattung rangieren.

1 | 2

Mehr zum Thema