12.06.2018 
Verhindert Tesla Gewerkschaften?

Mitarbeiter sagt gegen Tesla-Chef vor Gericht aus

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 Tesla-Chef Elon Musk dementiert Vorwürfe, er würde eine Gewerkschaftsvertretung in seiner Fabrik verhindern: "Der einzige gefeuerte Gewerkschafter war ein Typ, der wiederholt Nicht-Gewerkschafter verbal und in sozialen Medien bedrohte"
AFP
Tesla-Chef Elon Musk dementiert Vorwürfe, er würde eine Gewerkschaftsvertretung in seiner Fabrik verhindern: "Der einzige gefeuerte Gewerkschafter war ein Typ, der wiederholt Nicht-Gewerkschafter verbal und in sozialen Medien bedrohte"

Tesla-Chef Elon Musk ist auf widerspenstige Mitarbeiter nicht sonderlich gut zu sprechen. Wer sich über Unfallgefahren und intransparente Aufstiegsmöglichkeiten, angeblichen Rassismus oder womöglich frisierte Unfallstatistiken bei dem Autobauer beklagt, hat kein leichtes Standing in der Fabrik in Fremont, verlässt früher oder später das Unternehmen.

Auch haben Tesla-Mitarbeiter in der Vergangenheit schon zu Protokoll gegeben, sie fürchteten Repressionen, wenn sie eine Niederlassung der US-Automobilgewerkschaft UAW in der Fabrik gründen wollten.

Diesen Vorwurf hat nun ein Tesla-Mitarbeiter vor einem Verwaltungsgericht in den USA bekräftigt. Zusammen mit der Nationalen Aufsichtsbehörde für den Schutz von Arbeitnehmerrechten (NLRB) hat Michael Sanchez das Gericht angerufen, weil Tesla-Sicherheitskräfte ihn beim Verteilen von UAW-Flugblättern aus der Fabrik warfen, berichtet Reuters aus dem Verfahren.

Verliert Tesla den Prozess , könnte das Unternehmen gezwungen sein, seine Mitarbeiter aktiv über die Verletzung ihrer Rechte zu informieren - was einen Sieg der Gewerkschaftsbefürworter bedeutete.

"Eine hartnäckige, gewerkschaftsfeindliche Kampagne bei Tesla"

NLRB-Anwalt Edris Rodriguez Ritchie erklärte laut Reuters, Tesla habe die Beschäftigten genötigt, Vertraulichkeitsvereinbarungen zu unterschreiben, die "zu weit gefasst" seien. Ziel sei es gewesen, sie daran zu hindern, ihre Probleme mit den Arbeitsbedingungen öffentlich zu diskutieren. "Was wir sehen, ist eine sehr hartnäckige, gewerkschaftsfeindliche Kampagne, die alle Ebenen des täglichen Lebens der Arbeiter betrifft", betonte auch Margo Feinberg, die die NLRB als Anwältin vertritt.

Die NLRB ist eine unabhängige Bundesbehörde, die die Rechte der Beschäftigten im privaten Sektor schützt, sich mit oder ohne Gewerkschaft zusammenzuschließen, um ihre Löhne und Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Tesla und sein Konzernchef Elon Musk stehen unter großem Druck: Meldungen über tödliche Unfälle und der Verdacht, dass das Assistenzsystem "Autopilot" dabei versagt haben könnte, belasten dabei ebenso wie die Tatsache, dass Musk die Produktionsziele für dass Model 3 in der Vergangenheit immer wieder verschieben musste.

Tesla Mitarbeiter in der Fabrik im kalifornischen Fremont (Bild Archiv)
REUTERS
Tesla Mitarbeiter in der Fabrik im kalifornischen Fremont (Bild Archiv)

Dass auch Mitarbeiter den Druck in der viel zitierten "Produktionshölle" zu spüren bekommen, liegt auf der Hand. Denn Tesla will und muss mit der Mittelklasse-Limousine aus der Nische des Luxusautoherstellers herausfahren, um endlich profitabel zu werden und die Erwartungen des Kapitalmarkts zu erfüllen.

Musk hatte im Mai in einer Serie von Tweets die Vorwürfe entschieden bestritten. Nichts halte das Tesla-Team in der Fabrik von der Gründung einer Gewerkschaftsniederlassung ab. Sie könnten es selbstverständlich tun, wenn sie es wollten, schrieb Musk.

Dass Gewerkschaftsmitglieder oder gewerkschaftsfreundliche Mitarbeiter aus dem Betrieb gedrängt würden, bestritt Musk ebenso. "Der einzige gefeuerte Gewerkschafter war ein Typ, der wiederholt Nicht-Gewerkschafter verbal und in sozialen Medien bedrohte und darüber gelogen hat", schrieb Musk.

Die Anhörungen sollen bis Donnerstag andauern und Ende September fortgesetzt werden. Danach wolle das Gericht ein Urteil fällen, heißt es.

mit Reuters

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