21.03.2018  Gerüchte um Spezialist für autonomes Fahren

Elon Musk dementiert verdächtig laut Interesse an Spezialfirma

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Elektronik satt: Doch der "Autopilot" von Tesla, der jetzt nicht mehr so heißen soll, entbindet den Fahrer immer noch nicht der Pflicht, jederzeit das Assistenz-System und das Fahrzeug im Auge zu behalten
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Elektronik satt: Doch der "Autopilot" von Tesla, der jetzt nicht mehr so heißen soll, entbindet den Fahrer immer noch nicht der Pflicht, jederzeit das Assistenz-System und das Fahrzeug im Auge zu behalten

Tesla-Chef Elon Musk sucht offenbar nach Möglichkeiten, das nicht unumstrittene "Autopilot"-System in seinen Elektrofahrzeugen zu verbessern. Nach einem Bericht der israelischen Business-Site Globes ist der Elektroautopionier an dem in Tel Aviv ansässigen Start-up Cortica interessiert. Die Pläne reichten von einer Zusammenarbeit bis hin zu einer möglichen Übernahme des Spezialisten für Künstliche Intelligenz, berichtet Globes unter Berufung auf nicht näher benannte Industriekreise.

Dem Bericht zufolge entwickelt Cortica eine Technologie, die Objekte in der Umgebung eines selbstfahrenden Fahrzeugs nicht nur erkennen, sondern auch mögliche Veränderungen der Umgebung vorausberechnen könne. Das Unternehmen wurde 2007 gegründet, habe bisher 70 Millionen US-Dollar Kapital eingesammelt und rund 200 Patente auf seine Technologie angemeldet.

Cortica habe den Bericht nicht kommentieren wollen. Allerdings hatte Vorstandschef Igal Raichelgauz erst vor gut zwei Monaten der Business-Site bestätigt, dass das Unternehmen eine "strategische Partnerschaft mit einem wichtigen Akteur" anstrebe.

Auch Tesla wollte den Bericht zunächst nicht kommentieren. Musk, der zuvor ein Video von sich in einer Bar in Jerusalem auf Instagram gepostet hatte, dementierte am Dienstagabend dann aber so klar und so laut, dass es schon fast wieder Zweifel erwecken musste. Er habe von dem Unternehmen noch nie gehört, sondern mache gerade nur Urlaub in Israel mit seinen Kindern, twitterte der Tesla-Chef.



Dabei ist das israelische Firma alles andere als unbekannt.

Cortica teste dem Bericht zufolge seine Systeme bereits auf sieben Prototypen autonom fahrender Autos unterschiedlicher Hersteller. Auch Volkswagen sei an dem israelischen Spezialisten interessiert, heißt es in dem Bericht weiter. Zu den Investoren zählten unter anderem der chinesische Milliardär Li Ka-shing, Noch-Chairman der CK Hutchison Holding, sowie die russische Investmentfirma Mail.Ru Group. Letztere gehört drei russischen Milliardären und zählt zu den größten Investoren im russischen und osteuropäischen Internet-Markt.

Auch Volkswagen soll Interesse an Cortica bekundet haben

Die Nachricht über Teslas mögliches Interesse an der Firma fällt in eine für die Protagonisten autonom oder teilautonom fahrender Autos schwierige Zeit. Denn nach dem ersten tödlichen Unfall mit einem Roboterauto von Uber hatte der Fahrdienstanbieter gestern erklärt, vorerst sämtliche Tests mit selbstfahrenden Roboterautos einzustellen. Manche Analysten sehen darin einen empfindlichen Rückschlag für eine ganze Branche, die behauptet, die Technik autonomer Fahrzeuge werde das Autofahren deutlich sicherer machen und die meisten Unfälle verhindern helfen.

Auch Telsa sah sich erheblicher Kritik ausgesetzt, nachdem der Fahrer eines Model S mit einem teilautonomen System des Elektroautopioniers im Juli 2016 bei einem Unfall ums Leben kam. Zwar hieß es später, dass der Fahrer Warnungen des "Autopiloten" wiederholt ignoriert haben soll, gleichwohl geriet die gesamte Technik in der öffentlichen Diskussion in Misskredit.

Bis zu dem Unfall hatte Tesla mit dem ebenfalls israelischen Unternehmen Mobileye und Wettbewerber von Cortica kooperiert. Der Chipgigant Intel kaufte Mobileye im Jahr 2017 für 15,3 Milliarden Dollar.

Dass Elon Musk Cortica noch nicht einmal kannte, klingt daher nicht überzeugend. Gut möglich ist also, dass der Tesla-Chef, der nur ungern etwas dem Zufall überlässt, in Israel nicht nur für einen Kurzurlaub weilte, sondern auch einen neuen Kooperationspartner für eine Technik in seinen Autos aufsuchte, die zwar noch nicht ausgereift ist, die das Autofahren seiner Vision nach aber revolutionieren wird.

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