28.03.2018  Elektroauto-Milliardär über Geldgier

Elon Musk nennt Tesla-Gründung die "dümmste Idee"

Von Nils-Viktor Sorge
Elon Musk
AP
Elon Musk

"Tue Gutes und rede darüber" - kaum ein Topmanager versucht sich diesen etwas abgedroschenen Sinnspruch der Public Relations derart zu eigen zu machen wie Elon Musk. Sein Elektroauto-Bauer Tesla soll mit umweltfreundlichen Fahrzeugen helfen, den Klimawandel zu besiegen, so die Botschaft. Und wenn das doch nicht hilft, gibt es dank der Raketenfirma SpaxeX glücklicherweise noch einen Ausweg für die Menschheit - auf den Mars.

Jetzt hat Musk noch einmal deutlich betont, dass es ihm um solche Dinge geht und weniger ums Geld. "Eine Raketenfirma zu gründen, ist eines der dümmsten Dinge, die man tun kann, um Geld zu verdienen", schrieb Musk auf Twitter. "Wenn es mir um Geld gegangen wäre, hätte ich einfach eine Internetfirma gegründet." Auch die Tesla-Gründung sei unter finanziellen Gesichtspunkten dumm gewesen, hatte er zuvor beim Festival South by Southwest (SXSW) gesagt.

Fraglich ist allerdings, bei wie vielen seiner Fans und (potenziellen) Kunden diese nahezu platonisch anmutende Haltung als authentisch rüberkommt. Schließlich hat Musk es mit seinen Firmen zu großem Reichtum gebracht - auf genau 19,7 Milliarden laut "Forbes".

Zudem ist es im Silicon Valley ohnehin weit verbreitet, seine Erfindungen und Unternehmen als Beitrag für einen besseren Planeten zu deklarieren. Auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg beschrieb sein Soziales Netzwerk lange als Segen für die Menschheit. Derzeit sieht es so aus, als könnte auch das glatte Gegenteil stimmen.

Folgen Sie Nils-Viktor Sorge auf twitter

Vor allem bleibt bei Musk der Eindruck einer gewissen Überheblichkeit. Denn laut Musk habe es erst eines Musks bedurft, bis Technologien wie Elektroautos oder private Raumfahrt Erfolg hatten. "Ich dachte, niemand wäre verrückt genug, sich mit Raumfahrt zu beschäftigen - also sollte ich es besser machen", sagte beim SXSW.

Denn er glaube an die Fähigkeit von Unternehmen, der Menschheit zu dienen. Und sei es mit einer Fluchtmöglichkeit vor der Apokalypse. Als "ultimativen Weltuntergangs-Vorbereiter" bezeichnete daraufhin das US-Magazin Techcrunch den Tesla-Chef.

Inszeniert sich Musk nun also zur neuen Mutter Theresa, um lediglich den eigenen Reichtum zu vergrößern? Das würde ihm vermutlich auch nicht ganz gerecht.

Ein Indiz: Immerhin verfängt Musks Weltretter-Botschaft sogar bei manchem prominenten Kollegen im Silicon Valley. Anstatt seine Milliarden einer Wohltätigkeitsorganisation zu spenden, würde er sie lieber Elon Musk geben, sagte einst Google-Gründer Larry Page.

Zudem hat der Unternehmer mehrfach betont, sein Ziel sei es nicht, Märkte zu beherrschen. Tesla etwa solle auch andere Autohersteller motivieren, Elektroautos zu bauen. Musk untermauerte das, indem er Patente für die Technik freigab. Inzwischen sind Volkswagen, BMW und andere Hersteller drauf und dran, Tesla in Sachen Qualität zu überholen.

Manche von Musks warmen Worten erweisen sich am Ende als dehnbar. Mehrfach hat der Tesla-Chef in Aussicht gestellt, andere Autobauer könnten sein engmaschiges Schnellladenetz mitnutzen, um die gute Sache der emissionsfreien Mobilität voranzutreiben. Dafür stellte er jedoch wenig attraktive Bedingungen - so sollen andere Hersteller Fahrern ihrer Autos den Strom bezahlen. Auch deshalb hat die Nicht-Tesla-Welt bis heute wenig von der Ankündigung , und an den Tesla-Superchargern dürfen weiterhin nur Teslas laden.

Mehr zum Thema