15.03.2018 
Personalnot bei Elektroauto-Pionier

Tesla verliert zwei Top-Finanzleute

Von
Tesla-Chef Elon Musk
REUTERS
Tesla-Chef Elon Musk

Der Elektroauto-Hersteller Tesla muss den Abgang von zwei Topmanager aus dem Finanzierungsbereich innerhalb von wenigen Wochen verkraften. So soll Susan Repo, bislang Teslas Treasurer und Vizepräsidentin des Finanzbereichs, kürzlich das Unternehmen verlassen haben. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Verweis auf mit dem Vorgang vertraute Personen.

Repo, die laut ihrem Linkedin-Profil seit 2013 für Tesla arbeitete, steigt laut Bloomberg bei einem anderen Unternehmen zum Finanzvorstand auf. Auf ihrem Linkedin-Profil ist die neue Position aber noch nicht vermerkt.

Repo ist der zweite hochrangige Abgang aus dem Finanzbereich innerhalb kurzer Zeit. Erst in der vergangenen Woche gab Tesla bekannt, dass Chefbuchhalter Eric Branderiz Tesla aus persönlichen Gründen verlasse. Die beiden Manager-Ausstiege fallen in eine Zeit, in der Tesla nach wie vor mit Engpässen bei der Massenproduktion seines Model 3 kämpft - die Tesla-Chef Elon Musk selbst als "Produktionshölle" bezeichnet. Anfang April dürfte Tesla über die Auslieferungszahlen und die Fortschritte bei der Behebung der Produktionsprobleme informieren.

Wie Musk kürzlich vor Investoren erklärte, soll eine neue Produktionsstraße für einen wichtigen Teil der Batteriezellenproduktion den größten Engpass auflösen. Die Produktionsstraße, die von seiner deutschen Tochter Grohmann Automation stammt, dürfte aber erst Ende dieses Quartals vollständig in Betrieb sein.

Der Anlauf der Model 3-Produktion kommt das Unternehmen teuer, es verbrennt deshalb nach wie vor viel Geld. Im vierten Quartal waren es zwar "nur" 277 Millionen Dollar, die bei Tesla als negativer Free Cash Flow abflossen. Das hatte wohl auch damit zu tun, dass Tesla deutlich weniger Model 3-Fahrzeuge produzieren konnte als angekündigt - die Investitionsausgaben lagen bei 787 Millionen Dollar. Im dritten Quartal 2017 verbrannte Tesla noch satte 1,4 Milliarden Dollar innerhalb von drei Monaten - wobei davon 1,1 Milliarden Dollar draufgingen für Investitionsausgaben zur Erhöhung der Produktionskapazitäten in der Gigafactory und beim Model 3.

Autopilot-Leiter sprang nach nicht mal sechs Monaten wieder ab

Bei solchen Summen muss sich Tesla laufend frisches Kapital beschaffen. Dafür nutzte Tesla bislang vorrangig klassische Aktien- und Anleihenmärkte. Im Jahr 2017 etwa liehen Investoren Tesla insgesamt 1,8 Milliarden Dollar - über eine mit 5,3 Prozent eher hoch verzinste Anleihe, die eine Laufzeit bis 2025 hat.

Zuletzt setzte Tesla aber auf ein spezielles Wertpapier, um Geld aufzutreiben: Vor kurzem brachte Tesla eine Anleihe im Volumen von 546 Millionen Dollar auf den Markt, die speziell mit Leasingzahlungen besichert ist - also ein so genanntes Auto-ABS-Papier (mehr dazu hier).

Ein wenig Geld hat Tesla auch ohne die neue Anleihe auf der hohen Kante: Zum Ende des 4. Quartals 2017 lagen die Bar- und barähnlichen Bestände des Unternehmens bei 3,4 Milliarden Dollar. Damit kann Musk zumindest mal einige Monate über die Runden kommen, ohne den Kapitalmarkt erneut anzuzapfen.

Bedrohlicher wirkt da schon der Topmanager-Exodus der vergangenen Monate, den Musk offenbar nicht so einfach stoppen kann. Neben Repo und Beranderiz hat auch John McNeill, Vorstand für Vertrieb und Service, Tesla im Februar verlassen. wechselte als Chief Operating Officer zum Fahrdienst Lyft.

In den vergangenen zwölf Monaten verlor Musk auch den Leiter des Autopilot-Teams: Der ehemalige Apple-Mitarbeiter Chris Lattner hielt es nicht mal sechs Monate bei Tesla aus. Ebenfalls von Bord gegangen sind der langjährige Batteriespezialist Kurt Kelty und den Vizepräsidenten für Geschäftsentwicklung, Diarmuid O'Connell.

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