20.01.2017 
Tesla-Deutschland-Chef und Ex-BMW-Manager Jochen Rudat

"Wir setzen die Maßstäbe. BMW & Co laufen hinterher"

Von und
"Am Anfang wurde ich von vielen belächelt. Inzwischen werden wir sehr ernst genommen": Jochen Rudat, Teslas Deutschland-Chef
manager magazin online
"Am Anfang wurde ich von vielen belächelt. Inzwischen werden wir sehr ernst genommen": Jochen Rudat, Teslas Deutschland-Chef

mm.de: Herr Rudat, als Sie 2009 zu Tesla gewechselt sind, war das Unternehmen ein automobiler Niemand. Das einzige Modell war der Roadster. Wieso haben Sie Ihre Karriere bei BMW dafür aufgegeben?

Jochen Rudat: Als ich bei BMW war, habe ich mich irgendwann gefragt: Was mache ich hier eigentlich? Ich verkaufe die kleinsten Veränderungen als Innovation - doch in Wirklichkeit geht es um etwas ganz anderes: Den Übergang zu nachhaltiger Mobilität, die Energiewende. Da fiel mir eine Zeitschrift mit einem großen Bericht über den Roadster in die Hände. Kurz darauf habe ich Kontakt zu Tesla aufgenommen.

mm.de: Was sagen Ihre ehemaligen Kollegen heute?

Rudat: Am Anfang wurde ich von vielen belächelt. Inzwischen werden wir sehr ernst genommen. In der Schweiz verkaufen wir in der Oberklasse längst mehr Model S als die deutschen Autohersteller zusammen absetzen. Und auch in Deutschland liegen wir immerhin schon über dem Porsche Panamera. Dass die Konkurrenzmodelle als Tesla-Fighter betitelt werden, zeigt schon: Wir setzen die Maßstäbe. BMW & Co laufen hinterher.

mm.de Mit dem Model 3 wollen Sie ab dem nächsten Jahr in den Massenmarkt vordringen. Doch Ihr Händlernetz ist extrem schlank. Wie sollen die wenigen Stützpunkte den künftigen Andrang bewältigen? Schon heute scheinen Sie mit der Nachfrage kaum noch mithalten zu können.

Rudat: Das stimmt nicht. Unsere Infrastruktur wächst mit den Anforderungen der Kunden. Wir verdoppeln die Tesla-Vertriebszentren bis Ende dieses Jahres, von 13 auf 26. Die Zahl unserer Mitarbeiter werden wir sogar mehr als verdoppeln. Hinzu kommt: Wir brauchen viel weniger Service als die Konkurrenz. Software-Updates ersetzen bei uns in vielen Fällen den Werkstattbesuch. Und überlegen Sie mal, was möglich sein wird, wenn Tesla-Modelle bald komplett autonom fahren. Dann liefert der Tesla sich vielleicht irgendwann selbst aus. (Anmerkung der Redaktion: Eine frühere Version des Interviews enthielt aufgrund eines Missverständnisses nicht die beiden Worte "vielleicht irgendwann". Wir haben sie nachträglich eingefügt.)

mm.de: Mit Ihren Supercharger-Netzwerk waren Sie der Konkurrenz lange voraus. Nun hat sich ein breites Bündnis anderer Hersteller gebildet, dass noch schnellere Ladesäulen installieren will. Wie wollen Sie mit diesem Anti-Tesla-Bündnis mithalten?

Rudat: Moment. Das ist bislang nicht mehr als eine Ankündigung. Da steht noch keine einzige Ladesäule, oder? Wir haben dagegen eine funktionierende Schnellade-Infrastruktur, mit der Sie vom Nordkap nach Süditalien kommen.

mm.de: Würde es nicht Sinn machen, sich in diesem Fall mit der Konkurrenz zu verbünden? Die Kunden erwarten doch, dass sie überall auftanken können.

Rudat: Unser Vorstandschef Elon Musk hat immer gesagt, dass wir das nicht ausschließen. Bislang gibt es schlichtweg keine Autos, die mit unserer Ladeleistung zurechtkommen.

mm.de: Das Geschäft mit den Firmenwagen läuft bislang an Ihnen vorbei. Wie wollen Sie das ändern ?

Rudat: Das Model S spielt in der Oberklasse. Unternehmen bestellen solche Autos für ihre Firmenflotte nur im einstelligen Bereich. Mit dem Model 3 wird sich das jedoch ändern. Nach Gesprächen mit vielen deutschen Unternehmern bin ich sehr zuversichtlich, dass wir bei größeren Firmen in den 3-stelligen Bereich kommen werden.

mm.de Gibt es schon Vorbestellungen in Deutschland?

Rudat: Absolut, ja. Wir sind ohnehin sehr, sehr glücklich mit den knapp 400.000 Vorbestellungen weltweit! Aus dem deutschen Markt höre ich, dass es Firmen gibt, die ihre Flotte komplett auf das Model 3 umstellen wollen.

Lesen Sie auch:

Schnell, brutal, draufgängerisch - wie Elon Musk Mercedes, BMW und Audi auf Distanz hält

mm.de Bis 2020 will Tesla eine Million Fahrzeuge verkaufen. Brauchen Sie da die neuen Modelle wie das angekündigte Kompakt-SUV, um diese Zahlen zu erreichen ?

Rudat: Neue Modelle werden helfen, aber auch die Segmente, in denen die Modelle S, X und 3 spielen, geben das her. Und wir haben ja noch einen zusätzlichen Vorteil. Der Kunde bekommt zwar ein segment-typisches Fahrzeug. Aber durch den technologiebedingten Wegfall von Kosten beispielsweise für Benzin, Ölwechsel und CO2-Steuern sprechen wir auch Kunden an, die bislang Autos im nächst kleineren Segment fahren.

mm.de: Schaffen Sie es überhaupt, die Produktion so hochzufahren? Elon Musk hat mal eben das Ziel für 2018 von einer halben Million Autos auf 600.000 erhöht.

Sehen Sie das Video: Elon Musk verstehen - in 60 Sekunden

Rudat: Das war die Reaktion auf die Übernahme des deutschen Maschinenbauers Grohmann Engineering im vergangenen November. Wir sind überzeugt, dass wir dank unserer neuen Kollegen die Produktion noch schneller hochfahren können als ursprünglich geplant. Sie dürfen eins nicht vergessen: Beim Wechsel vom Roadster auf das Model S war die Steigerung noch gewaltiger. Nun skalieren wir um den Faktor 6. Damals war das eine Skalierung um den Faktor 30. Das war brutal.

Mehr zum Thema