08.06.2018 
Wie sicher ist Teslas Assistenzsystem wirklich?

Autopilot beschleunigte Tesla vor tödlichem Unfall

Tod mit Autopilot: Auf seinem Arbeitsweg war ein Apple-Ingenieur mit seinem Model X auf gerader Strecke in Kalifornien auf dem Highway 101 bei Mountain View verunglückt
DPA/ KTVU
Tod mit Autopilot: Auf seinem Arbeitsweg war ein Apple-Ingenieur mit seinem Model X auf gerader Strecke in Kalifornien auf dem Highway 101 bei Mountain View verunglückt

Die Unfallermittler der US-Bundesbehörde NTSB haben erste genaue Angaben zu dem tödlichen Unfall eines Apple-Ingenieurs mit seinem Tesla Model X gemacht. Demnach beschleunigte der eingeschaltete Autopilot den Wagen wie aus heiterem Himmel wenige Sekunden vor dem tödlichen Crash. Das dürfte die Diskussion um die Sicherheit des Systems erneut anfachen.

Teslas Assistenzsystem "Autopilot" hat laut US-Unfallermittlern bei einem tödlichen Unfall im März in den letzten Sekunden in Richtung eines Betonpollers beschleunigt. Vor dem Aufprall seien keine Brems- oder Ausweichmanöver bei dem Elektro-SUV des Typs Model X festgestellt worden, erklärte die US-Behörde NTSB in einem vorläufigen Bericht. Bei dem Unfall auf gerader Strecke war ein Apple-Ingenieur ums Leben gekommen.

Die Experten, die unter auch bei Flugzeugunfällen im Einsatz sind, veröffentlichten die ersten detaillierten Angaben zum Unfall aus der Auswertung der Fahrzeugdaten. Demnach folgte der Tesla acht Sekunden vor dem Aufprall noch einem anderen Wagen mit einer Geschwindigkeit von 65 Meilen pro Stunde (knapp 105 km/h). Sieben Sekunden vor dem Crash begann der Tesla gemeinsam mit dem vorderen Wagen eine Bewegung nach links.

Was danach passierte, dürfte neue Fragen zum Autopilot-System aufwerfen: Vier Sekunden vor dem Crash war der vordere Wagen nicht mehr in Sicht - und eine Sekunde später setzte der Autopilot zur Beschleunigung an: Bis zum Aufprall sei die Geschwindigkeit von 62 auf 70,8 Meilen pro Stunde gestiegen (von knapp 100 km/h auf 114 km/h). Der Fahrer habe in den letzten sechs Sekunden seine Hände nicht am Steuer gehabt, erklärte die NTSB.

Tesla betont stets, dass der Autopilot lediglich ein Assistenzsystem sei und die Fahrer stets den Überblick und die Kontrolle über das Fahrzeug behalten müssten. Vor dem Unfall war der Autopilot die letzten knapp 19 Minuten ohne Unterbrechung aktiv gewesen, wie aus dem NTSB-Bericht hervorgeht.

Nach Aussagen des Bruders des verunglückten Apple-Ingenieurs soll sich dieser zuvor über angebliche Probleme mit seinem Autopiloten bei einem Tesla-Händler beklagt haben. Dort habe man die geschilderten Probleme aber nicht nachvollziehen können.

Behörde zieht noch keine endgültigen Schlüsse

Bei dem Unfall auf einer Autobahn in der Nähe von Mountain View im Silicon Valley war der Tesla in einen Betonpoller zwischen den Fahrspuren gerast. Erschwerend kam hinzu, dass eine Metallkonstruktion vor dem Poller, die gerade in solchen Fällen ein Fahrzeug vor dem Aufprall abbremsen soll, nach einem früheren Unfall stark verkürzt war.

Die NTSB zog in dem vorläufigen Bericht noch keine Schlüsse zu den Ursachen des Unfalls. Tesla dagegen hatte noch vor Abschluss der offiziellen Ermittlungen den Fahrer indirekt und voreilig für den tödlichen Unfall verantwortlich gemacht. Mit der Bundesbehörde war das nicht abgesprochen und verstieß auch gegen die vereinbarten Regeln. Die Behörde hatte den Autobauer deshalb von den Ermittlungen ausgeschlossen - ein bis dahin einmaliger Fall.

NTSB bestätigt: Gelöschte Tesla-Batterie fünf Tage später erneut Feuer

Die NTSB bestätigte auch, dass die direkt nach dem Unfall gelöschte Batterie des Wagens fünf Tage später noch einmal Feuer fing. Die Unfallermittler untersuchen derzeit mehrere Batteriebrände in verunglückten Tesla-Fahrzeugen. Im Mai war auch in der Schweiz ein Tesla auf eine Autobahn-Abgrenzung geprallt und in Flammen aufgegangen. Tesla betont, die Wahrscheinlichkeit von Bränden in den Elektrofahrzeugen sei geringer als bei Autos mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren.

rei mit dpa

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