10.08.2018 
Daimler-Großaktionär Geely will Sportwagen-Ikone aufpäppeln

Lotus soll sich mit China-Milliarden neu erfinden

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Lotus Evora: Der britische Sportwagenhersteller kann nun auf einen Geldregen aus China hoffen
Lotus
Lotus Evora: Der britische Sportwagenhersteller kann nun auf einen Geldregen aus China hoffen

2. Teil: Lotus soll zu Ferrari und Porsche aufschließen

Sportwagen hat Geely bislang nicht im Programm, einzig Volvos High-Performance-Abteilung Polestar geht mit ihren geplanten Elektroautos in diese Richtung. Lotus gilt seit Jahrzehnten als Leichtbau-Spezialist; die Fahrzeuge der Briten sind leichter und wendiger als etwa die des großen britischen Konkurrenten Aston Martin. Deutlich preiswerter sind sie auch, allerdings auch längst nicht so luxuriös oder komfortabel.

Doch bei Volvo hat Geely schon einmal gezeigt, wie man eine etwas ramponierte Marke erfolgreich wieder flottmacht und modernisiert, ohne den Markenkern aufzugeben. Ziemlich wahrscheinlich ist, dass Li bei der Wiederbelebung von Lotus auf interne Zusammenarbeit zwischen seinen Marken setzt, wie es zuletzt etwa Volvo und Geely durchexerziert haben. Oder er setzt auf Partnerschaften mit anderen Herstellern: Zuletzt wollte Li als Großaktionär Daimler zu Allianzen drängen, blitzte aber vorerst ab.

Die erste Phase der Geely-Investitionen bei Lotus soll laut Bloomberg eine Ausweitung des Werks in Hethel umfassen. Dafür sollen 200 Ingenieure neu eingestellt werden. Später soll Lotus dann eine zweite Fabrik in Großbritannien bekommen. Den Bau eines neuen Design- und Innovationszentrums in Coventry hat Geely bereits vor zwei Monaten zugesagt.

Frischer Wind auch in der Lotus-Führungsetage

Mit der Geldspritze für Lotus hofft Geely, sich gegen die Luxus-Sportwagenmarken Porsche und Ferrari in Stellung zu bringen - auch wenn deren Verkaufs- und Gewinnzahlen in ganz anderen Dimensionen laufen als bei dem britischen Sportwagenhersteller. Lotus kam im vergangenen Jahr gerade mal auf 1600 verkaufte Fahrzeuge - Ferrari lag bei 8400 Fahrzeugen, Porsche bei 246.000.

Und Lotus ist, bedingt durch den langjährigen Kapitalmangel, bei vielen Trends weit abgehängt. So arbeiten die Briten erst seit kurzem an einem SUV, Alternativen zu Verbrennungsmotoren gibt es gar nicht erst im Angebot, und auch bei Assistenzsystemen oder Infotainment-Angeboten hinkt Lotus klar hinterher.

Doch nun weht frischer Wind bei Lotus - nicht nur in punkto Kapitalausstattung, sondern auch an der Spitze. Anfang Juni gab der Franzosen Gales seinen Spitzenposten aus persönlichen Gründen auf, bleibt Lotus aber als Berater erhalten. Neuer Lotus-Chef wurde Feng Quinfeng, der mehrere Jahre lang Geelys Forschungszentrum leitete und für eine von Geelys chinesischen Automarken verantwortlich war.

Mit diesem Schachzug bindet Geely-Eigentümer Li Shufu den respektierten bisherigen Lotus-Chef weiter ein, hat aber gleichzeitig noch einen Vertrauensmann an der Spitze. Es ist ein weiterer Fingerzeig dafür, dass Geely es ernst meint mit der Wiederbelebung der britischen Sportwagen-Ikone.

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