29.01.2018  Software statt iCar

Apple baut Roboterauto-Testflotte aus

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Apple-Logo im Rückspiegel: Der IT-Riese baut seine Roboterauto-Testflotte aus, Google ist aber deutlich weiter
DPA
Apple-Logo im Rückspiegel: Der IT-Riese baut seine Roboterauto-Testflotte aus, Google ist aber deutlich weiter

Noch vor knapp zwei Jahren reichten zwei Worte, um deutsche Automanager aus der Contenance zu bringen: "Projekt Titan" - der Tarnname für Apples Arbeit an einem eigenen, autonom fahrenden Elektroauto. Über tausend Leute, so hieß es in mehreren Berichten, sollten bereits an dem Apple-Auto arbeiten. Hochrangige Mitarbeiter von Tesla, aber auch von Daimler oder Porsche, wechselten zu dem kalifornischen IT-Riesen. In ihren Online-Profilen erklärten sie geheimnisvoll, bei Apple an "speziellen Projekten" zu arbeiten.

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Schon 2019, hieß es damals, könnte Apples "iCar auf den Markt kommen. Doch aus den ehrgeizigen Plänen, ein eigenes Apple-Auto zu bauen - die der Konzern Apple-typisch nie bestätigte - wurde nichts. Kooperationsgespräche mit Audi, BMW und Daimler scheiterten. Die Kosten für das Projekt liefen aus dem Ruder, worauf Apple sein "Titan"-Team stutzte. In der Folge gingen einige der teuer eingekauften Spezialisten und auch manch langjähriger Apple-Mitarbeiter wieder von Bord. Der einstige Daimler-Mann Johann Jungwirth etwa wechselte nach einem Jahr bei Apple zu VW und ist nun oberster Digitalchef der Wolfsburger.

Ganz aufgegeben hat Apple seine Auto-Pläne aber nicht, der Fokus hat sich allerdings verändert. Im Juni vergangenen Jahres bestätigte Apple-Chef Tim Cook erstmals offiziell, dass sein Unternehmen an einem Autoprojekt arbeitet. Ein eigenes Fahrzeug dafür wollen die Kalifornier aber nicht mehr bauen. "Wir fokussieren uns auf autonome Systeme", erklärte Cook damals gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Das sei die "Mutter aller Künstlichen-Intelligenz-Projekte" und wohl eines der schwierigsten AI-Projekte, an denen man arbeiten könne.

Offenbar kommt der Konzern dabei voran: Seit Juli 2017 hat Apple zwei Dutzend selbstfahrende Fahrzeug-Prototypen in Kalifornien angemeldet, berichtet Bloomberg nun unter Verweis auf Daten der kalifornischen Zulassungsbehörde. Registriert wurden bei der Behörde 24 Lexus RX450h SUVs, die der Konzern vermutlich mit Sensoren und seiner eigenen Software umgerüstet hat.

50 Unternehmen testen in Kalifornien selbstfahrende Autos

Im April 2017 hatte der Konzern bereits drei Roboterauto-Prototypen (ebenfalls Lexus-SUVs) in Kalifornien registrieren lassen. Apples Roboterauto-Flotte wächst damit in Kalifornien auf 27 Fahrzeuge an. Im Vergleich zum Konkurrenten Google ist diese Zahl bescheiden: Google verfügt in sechs US-Bundesstaaten über entsprechende Test-Lizenzen. In Phoenix, Arizona testet die Google-Tochter Waymo ihre Selbstfahr-Technik in einem Pilotprojekt mit 600 umgebauten Chrysler Pacifica-Minivans. Seit kurzem sind dabei keine menschlichen Kontrollfahrer mehr an Bord.

Wie intensiv in Kalifornien aktuell an selbstfahrenden Autos geforscht wird, lässt sich auch an einer Liste der kalifornischen Zulassungsbehörde ablesen: Per 11. Januar hat die Behörde 50 Unternehmen Lizenzen zum Test von autonom fahrenden Autos erteilt. Darunter finden sich Autobauer wie General Motors, Volkswagen, Mercedes, Toyota oder Tesla Motors, aber auch Zulieferer wie Bosch und Conti, die Fahrdienstvermittler Uber und Lyft und Firmen, die sich ganz dem autonomen Fahren verschrieben haben - wie etwa Aurora, Zoox oder eben die Google-Tochter Waymo.

Ähnlich wie etwa General Motors will Apple seine Selbstfahrtechnik aber nicht nur auf öffentlichen Straßen perfektionieren. Einem Bericht der "New York Times" vom vergangenen August zufolge will Apple auch selbstfahrende Shuttles auf seinem neuen Campus testen. Diese firmeninternen Tests entsprechen durchaus den üblichen Gepflogenheiten des Konzerns: Jahre bevor das iPhone auf den Markt kam, arbeiteten Apple-Mitarbeiter bereits an Touchscreens und deren möglichst einfacher Bedienung.

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