16.02.2018 
Renault-Chef bleibt weitere vier Jahre

Ghosn ernennt Kronprinzen - und gibt 30 Prozent Discount

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Carlos Ghosn
REUTERS
Carlos Ghosn

Seit 2005 führt Carlos Ghosn den französischen Autobauer Renault, nun soll er noch vier weitere Jahre im Amt bleiben. Das erklärte Ziel: Die Allianz mit Nissan und Mitsubishi festigen und die Nachfolgeregelung vorantreiben. Dabei hat Ghosn auf Druck des Hauptaktionärs sogar einem 30 Prozent niedrigerem Gehalt zugestimmt. Das ist erstaunlich für einen Manager, der nach eigenen Angaben jetzt den weltgrößten Autobauer führt - noch vor Volkswagen.

Renault-Chef Carlos Ghosn soll für eine weitere Amtszeit an der Spitze des französischen Autobauers bleiben. Der Verwaltungsrat gab am Donnerstagabend grünes Licht, den Vertrag mit dem 63-Jährigen für vier Jahre zu verlängern. Darüber soll nun die Hauptversammlung der Anteilseigner im Juni entscheiden.

Ghosn habe zudem entschieden, Thierry Bolloré zur neuen Nummer zwei des Konzerns zu ernennen, teilte der Verwaltungsrat weiter mit. An diesem Freitag stellt der Autobauer seine Jahreszahlen für 2017 vor, dazu ist auch eine Pressekonferenz mit Ghosn angekündigt.

Bolloré war im Vorstand bislang für Wettbewerbsfragen zuständig und wird nun stellvertretender Generaldirektor - ein Posten, den es derzeit nicht gibt. Der 54-jährige Franzose arbeitet seit 2012 bei Renault, davor war er bei den französischen Zulieferern Faurecia und Michelin tätig.

Bollorés Beförderung sorgte im Vorfeld für einige Verwerfungen. So zog sich Thierry Desmarest, der seit 2008 im Renault-Aufsichtsrat saß, vor wenigen Tagen vorzeitig von seinem Kontrolleursposten zurück - offiziell aus Altersgründen. Desmarests Mandat hätte erst 2020 geendet.

Ghosn stimmt 30 Prozent niedrigerem Gehalt zu

Ausgeschieden bei Renault ist auch der Deutsche Stefan Müller, als Chief Performance Officer Mitglied des Renault-Vorstands. Müller galt lange als möglicher Kronprinz, nun verließ er das Unternehmen laut eigenen Angaben aus gesundheitlichen Gründen. Im Vorfeld der Verwaltungsratssitzung hieß es in Berichten, dass staatliche Vertreter lieber einen Franzosen an der Spitze des Autoherstellers sehen würden. Das dürfte Müllers Aufstiegschancen geschmälert haben.

Denn der französische Staat hat durchaus noch ein Wörtchen bei Renault mitzureden, er hält 15 Prozent an dem französischen Autohersteller. Das Pariser Wirtschaftsministerium hatte nicht nur auf die Positionierung eines möglichen Nachfolgers Ghosns gedrängt. Nach Angaben von Wirtschaftsminister Bruno Le Maire stimmte Ghosn zu, sein Gehalt um 30 Prozent zu verringern. Deshalb habe der Staat im Verwaltungsrat für die Entlohnung des Renault-Chefs gestimmt, sagte Le Maire der französischen Nachrichtenagentur AFP.


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Die Höhe von Ghosns Gehalts hatte in der Vergangenheit für Auseinandersetzungen mit dem französischen Staat gesorgt.

So sollte der Renault-Chef auch ein kompliziertes Firmenkonstrukt entwickelt haben, um sich und anderen Managern weitere Boni zu sichern. Der heutige Präsident Emmanuel Macron hatte den Autobauer im Jahr 2016 in seiner damaligen Funktion als Wirtschaftsminister bei diesem Thema unter Druck gesetzt, woraufhin Ghosn Zugeständnisse machte.

Nach dem Willen des Verwaltungsrats sollen die kommenden vier Jahre unter anderem genutzt werden, die Nachfolgeplanung an der Renault-Spitze voranzutreiben. Außerdem solle in dieser Zeit dafür gesorgt werden, dass die maßgeblich von Ghosn geprägte Allianz mit den japanischen Autobauern Nissan und Mitsubishi dauerhaft Bestand hat.

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