16.04.2018  Eskalation bei Opel

Minister bitten PSA-Chef zu Krisen-Gipfel - und Tavares kommt nicht

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Wirtschaftsminister Peter Altmaier, Carlos Tavarez, Arbeitsminister Hubertus Heil: Zwei Bundesminister laden ein - und der Chef der Opel-Mutter PSA kommt nicht
AP; AFP; REUTERS
Wirtschaftsminister Peter Altmaier, Carlos Tavarez, Arbeitsminister Hubertus Heil: Zwei Bundesminister laden ein - und der Chef der Opel-Mutter PSA kommt nicht

Als PSA-Chef Carlos Tavares Ende Februar 2017 mit Bundeskanzlerin Angela Merkel telefonierte, herrschte deutsch-französische Freundschaft. Es ging um die geplante Übernahme des Rüsselsheimer Autoherstellers Opel. Die Franzosen würden die Eigenständigkeit von Opel auch in dem neuen Konzernverbund erhalten, versicherte Tavares der Kanzlerin. Und er selbst wolle "den Dialog mit allen Beteiligten fortsetzen, um die Leistung von Opel zu verbessern und die Zukunft des Unternehmens und seiner Mitarbeiter zu sichern". Tavares gewann die Kanzlerin für sein Projekt. Man freute sich auf eine bessere Zukunft für die seit vielen Jahren kriselnde Opel GmbH.

Inzwischen ist die Stimmung nicht mehr so gut. Man könnte auch sagen, sie ist schlecht.

Heute Nachmittag hat sich eine hochrangige Runde von Politikern, Gewerkschaftern und Betriebsräten in Berlin getroffen, um die Lage bei Opel zu diskutieren. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hatten ins Wirtschaftsministerium geladen; die Minister sorgten sich um die Zukunft der Opel-Werke und um die Arbeitsplätze, heißt es in Berlin.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer seien zu dem Krisengipfel gekommen, genau so IG-Metall-Chef Jörg Hofmann und Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug. Nur einer fehlte: PSA-Chef Tavares.

Tavares brüskiert die Politik

Altmaier und Heil hatten ausdrücklich ihn eingeladen. Indes, Tavares sagte ab. PSA und Opel hätten der Einladung aufgrund des kurzen Vorlaufzeit nicht folgen können, sagte ein Opel-Sprecher. Man sei aber weiter bereit, "den bilateralen Dialog mit der Politik auf Bundes- und Landesebene fortzusetzen".

Es gibt Streit insbesondere um das Werk in Eisenach. Die IG Metall wirft Tavares und Opel-Chef Michael Lohscheller vor, man halte sich nicht an 2017 gegebene Zusagen.

Ein Opel-Sprecher sagte dazu, das Management wolle das Unternehmen nach fast 20 Jahren wiederkehrender Verluste und Tausender Stellenstreichungen wieder erfolgreich machen.

Opel hat in den letzten fünf Monaten 2017 - seit dem Übergang an PSA - ein Minus von 179 Millionen Euro geschrieben. Tavares und Opel-Chef Michael Lohscheller wollen deshalb den eingeschlagenen Sparkurs verschärfen. In Eisenach sollen ursprünglich geplante Modelle offenbar nur unter der Bedingung gebaut werden, dass die IG Metall Abweichungen vom Tarifvertrag genehmigt.

Opel-Chef Lohscheller macht Investitionen von Nachgeben der IG Metall abhängig

Opel-Chef Lohscheller teilte der Belegschaft heute in einem Brief mit, in Eisenach solle eigentlich schon vom ersten Halbjahr 2019 an ein elektrifizierbares Fahrzeug gebaut werden. Das hätte man bereits bekanntgeben wollen. Die Investition habe aber noch kein grünes Licht erhalten, weil die Verhandlungen mit den Sozialpartnern nicht zu einer Einigung geführt hätten.

Führende SPD-Politiker mahnten heute Opel und PSA, die 2017 gemachten "Zusagen für Investitionen und Beschäftigte" einzuhalten.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer, SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles und der thüringische Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee wandten sich dabei speziell an Tavares. Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel mahnte, "PSA und Opel stehen vor einer Richtungsentscheidung, und wir warnen vor einer Sackgasse".

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