28.01.2019 
Bevorstehende Teilveräußerung des Entwicklungszentrums

Betriebsrat mobilisiert gegen Verkauf von "Opels Herz"

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Hauptgebäude von Opels Entwicklungszentrum in Rüsselsheim
DPA
Hauptgebäude von Opels Entwicklungszentrum in Rüsselsheim

Opel kommt nicht zur Ruhe. In einem Flugblatt wehrt sich der Betriebsrat gegen den bevorstehenden Teilverkauf des Entwicklungszentrums (ITEZ) an den externen Dienstleister Segula. Der Segula-Deal "birgt erhebliche Risiken" für die Betroffenen, heißt es in dem Papier, das dem manager magazin vorliegt. Der Wechsel von 2000 Beschäftigten zu Segula und der Verkauf von Gebäuden und Anlagen seien nicht notwendig. Der Betriebsrat wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern.

Im vergangenen Jahr hatte der Opel-Eigentümer PSA Peugeot Citroën mit Segula einen Teilverkauf des Entwicklungszentrums vereinbart. Das Zentrum bleibe weiterhin das "Herz von Opel", sicherte Opel-Chef Michael Lohscheller damals zu.

Zum zweiten Quartal soll der Dienstleister ein Drittel der derzeit noch knapp 7000 Opel-Ingenieure übernehmen. Doch der Zeitplan scheint kaum noch einzuhalten. Von der Geschäftsleitung dürften keine Maßnahmen zur Betriebsänderung hinsichtlich des Übergangs "zu Segula umgesetzt werden", heißt es in dem Flugblatt.

Betriebsräte und Gewerkschaften fürchten den großen Ausverkauf - mit schlechteren Arbeitskonditionen und einer ungesicherten Zukunft. In Gewerkschaftskreisen heißt es, PSA-Chef Carlos Tavares spiele mit dem Schicksal der Beschäftigten. Laut dem Flugblatt haben Berater des Betriebsrats jetzt ein Alternativkonzept zu dem Teilverkauf vorgelegt. Über einen Plan B hatte das manager magazin bereits Mitte Dezember berichtet.

"Wir haben mit verschiedenen Unternehmen die Möglichkeiten einer strategischen Partnerschaft sondiert. Das wesentliche Ziel ist, die durch künftige Überkapazitäten bedrohten Arbeitsplätze in der Entwicklung nachhaltig am Standort Rüsselsheim zu sichern. Segula hat dabei klar die umfassendsten Perspektiven aufgezeigt", sagte ein Unternehmenssprecher.

Überkapazitäten auch im Stammwerk Rüsselsheim

Segula ist hierzulande noch weitestgehend unbekannt. Weltweit beschäftigt der Ingenieursdienstleister nach eigenen Angaben 11.000 Fachkräfte in 28 Ländern; ein nicht unerheblicher Anteil der Aufträge in Frankreich kommt von PSA. Die Opel-Mutter hatte sich für einen Teilverkauf des Entwicklungszentrums entschieden, weil es zu wenig Aufträge für die dort Beschäftigten gibt - zum Teil, weil PSA selbst eine Entwicklungsabteilung in Frankreich betreibt, zum anderen, weil die Aufträge von Opels ehemaliger Konzernmutter General Motors mittelfristig entfallen.

Doch nicht nur das ITEZ ist von Überkapazitäten betroffen. Auch die Produktion im Stammwerk Rüsselsheim soll massiv zurückgefahren werden. In diesem Jahr seien nur noch 68.000 statt 123.000 Autos geplant, berichtete die "Mainzer Allgemeine" in der vergangenen Woche auf der Grundlage einer gewerkschaftlichen Mitarbeiter-Information.

Die Geschäftsführung hat dem Betriebsrat umfassende Kurzarbeit sowie die Umstellung von zwei Schichten auf eine Schicht vorgeschlagen. In dem Werk arbeiten rund 3000 Beschäftigte. Bislang handele es sich noch um Planungen, zu denen es noch keine endgültigen Beschlüsse gebe, kommentierte das Unternehmen.

Schon vor Jahreswechsel gab es heftige Proteste gegen den bevorstehenden Teilverkauf des ITEZ. "Segula - au Revoir!" - riefen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Opel-Entwicklungszentrums bei einer Demonstration in Rüsselsheim. Um Segula besser kennenzulernen, besuchten Opel-Beschäftigte den künftigen Firmensitz. Doch laut Flugblatt fand sich dort nur ein Briefkasten, nicht mal eine Klingel.

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