25.06.2018  Arbeiter wollen Werk bis Freitag blockieren

VW und Opel warnen vor Eskalation bei Halberg-Guss

 Fest entschlossen: Beschäftigte der Halberg Guss in Leipzig haben am Wochenende die Auslieferung von Motorenblöcken blockiert
DPA
Fest entschlossen: Beschäftigte der Halberg Guss in Leipzig haben am Wochenende die Auslieferung von Motorenblöcken blockiert

Im Streit um die geplante Schließung des Werks in Leipzig haben Arbeiter des Autozulieferers Neue Halberg-Guss am Wochenende die Auslieferung von fertigen Motorenblöcken verhindert. Die Blockade des Werks soll bis Freitag andauern. Volkswagen bekommt die Auswirkungen bereits zu spüren, auch Opel warnt vor einer weiteren Eskalation des Konflikts.

Der Konflikt um den Autozulieferer Neue Halberg-Guss (NHG) spitzt sich zu und erreicht mittlerweile auch die Autobauer Volkswagen und Opel. Am Leipziger Werk hatten streikende Beschäftigte am Samstag die Auslieferung bereits fertiggestellter Motorblöcke blockiert. Sie setzten am Montag die Blockade fort.

Die IG Metall wies zugleich Warnungen des Arbeitgebers vor einem Jobverlust harsch zurück: "Es ist der Sinn eines Streiks, maximalen ökonomischen Druck zu erzielen", sagte Bernd Kruppa, IG-Metall-Bevollmächtigter Leipzig: "Es bleibt dabei. Wir streiken weiter." Das Unternehmen warf der Gewerkschaft "unrechtmäßige Handlungen" vor.

NHG-Beschäftigte bildeten Montagvormittag eine Menschenkette, um die Einfahrt von Lastwagen in das Lager zu verhindern. Mehrere Lkw stauten sich auf der Straße vor dem Werk. Die Sperrung der Zufahrt solle bis Freitag dauern, sagte Heinz Volkmer, Mitglied der IG-Metall-Streikleitung.

Autobauer wiederum gelangen wegen des Streits und Streiks zusehends in Bedrängnis. Eine Sprecherin von Volkswagen bestätigte, dass es erste Beeinträchtigungen in der Produktion des Konzerns gebe. Diese würden derzeit über Flexibilisierungsmaßnahmen aufgefangen. Die Auswirkungen sollen damit so gering wie möglich gehalten werden.

Auch Opel befürchtet, bald massiv von dem Konflikt bei dem Autozulieferer betroffen zu sein. "Wir hoffen, dass sich die Verhandlungsparteien bald einigen werden, bevor die aktuelle Situation unsere Produktion beeinflusst", zitiert die "Wirtschaftswoche" den Autobauer. "Falls auf Lieferantenebene keine Lösung gefunden wird, würden wir geeignete Maßnahmen einleiten, um die Auswirkungen auf unsere Werke zu begrenzen", ergänzte ein Opel-Sprecher am Wochenende.

Halberg-Guss warnt vor Jobverlust

Die Neue Halberg-Guss hatte am Freitag vor einem Jobverlust gewarnt. Wegen des Streiks komme es bei ersten Kunden zu Ausfällen in der Produktion. Mit jedem weiteren Tag riskiere man den Verlust dieser Kunden und damit auch den Verlust aller Jobs in Saarbrücken.

Bei dem Konflikt geht es um die geplante Schließung des NHG-Standorts in Leipzig mit rund 700 Beschäftigten Ende 2019 sowie um einen erwogenen Abbau von rund 300 der 1500 Arbeitsplätze in Saarbrücken. Das Unternehmen stellt vor allem Motorblöcke und Antriebswellen für Autos und Nutzfahrzeuge her. Die Neue Halberg-Guss gehört seit Anfang des Jahres zum Unternehmen Prevent. Die Prevent-Gruppe liefert sich seit langem eine harte Preis-Auseinandersetzung mit dem Hauptkunden Volkswagen.

Verhandlungen um Sozialtarif bei NHG vorerst gescheitert

Die Streikenden in Leipzig hätten am Samstag gegen Hausverbote verstoßen, betonte die Neue Halberg-Guss mit. Man habe "volles Verständnis" für den Arbeitskampf und könne "angesichts der unvermeidlichen Schließung des Leipziger Standorts die Enttäuschung der Mitarbeiter verstehen". Aber die Blockaden seien inakzeptabel.

IG-Metall-Sprecher Kruppa wies die Vorwürfe zurück. "Noch ist Demonstrieren in Deutschland nicht verboten", sagte er am Sonntag. Es gehe der Gewerkschaft nicht um Eskalation. Die Polizei war am Wochenende vor Ort und beobachtete die Lage vor dem Werkstor.


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Erst am Mittwoch waren Sozialtarifverhandlungen zwischen dem Autozulieferer und der IG Metall vorerst gescheitert. Die Schuld dafür hatten sich beide Seiten gegenseitig zugeschoben. Die IG Metall fordert eine Qualifizierungsgesellschaft und einen Treuhandfonds, den die NHG finanzieren soll. Aus dem Fonds sollen Leistungen für Beschäftigte bezahlt werden, wenn Arbeitsplätze verloren gehen sollten. Die NHG wiederum hatte der Gewerkschaft "absurd hohe Forderungen" vorgeworfen.

rei/dpa-afx

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