13.07.2018 
Deutz, Opel, VW - Arbeitskampf bei NHG verschreckt Kunden

Deutz-Chef nennt Streik bei Halberg Guss "Wahnsinn"

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Streik bei Halberg Guss in Leipzig: Deutz-Chef appelliert an Prevent und die NHG Mitarbeiter - "Setzen Sie diesem Wahnsinn ein Ende!"
DPA
Streik bei Halberg Guss in Leipzig: Deutz-Chef appelliert an Prevent und die NHG Mitarbeiter - "Setzen Sie diesem Wahnsinn ein Ende!"

Der Streik bei Halberg Guss bringt immer mehr Kunden in Not. Deutz-Chef Frank Hiller appelliert an den Zulieferer, den seit vier Wochen andauernden Streik zu beenden. Sonst drohe beim Kölner Motorenbauer Kurzarbeit. Der CEO wählt für seinen Hilferuf einen ungewöhnlichen Weg.

Seit Mitte Juni stehen beim Autozulieferer Halberg Guss in Saarbrücken wegen eines Streiks die Bänder still. Auslöser ist ein Konflikt zwischen dem Eigentümer, der Prevent-Gruppe, und dem langjährigen Großkunden Volkswagen. Der Autobauer hatte seine Abnahmemenge deshalb erheblich reduziert, nun drohen dem ins Schlingern geratenen Zulieferer ein Jobabbau und die Schließung des Werkes in Leipzig. Die IG Metall verlangt deshalb ein Sozialtarifvertrag und hat die Kollegen zum Streik animiert.

Nun hat Frank Hiller, seit Anfang 2017 Chef beim Kölner Motorenbauer Deutz, an Eigentümer, Mitarbeiter, die IG Metall und die Politik appelliert, den Streik zu beenden. In einem Youtube-Video, das Hiller heute morgen online stellen ließ, sagt er: "Setzen Sie diesem Wahnsinn ein Ende!"

Deutz bezieht seit Jahrzehnten von Halberg Guss Komponenten für seine Motoren, die etwa Bagger, Traktoren oder Lkw antreiben. Durch den Produktionsstopp beim Zulieferer gehen dem Traditionskonzern nun diese Teile aus: "Sollte sich die Situation nicht bald entspannen", sagt Hiller in seiner Videobotschaft, "können auch wir bei Deutz einen zwangsweisen Produktionsausfall und damit verbundene Kurzarbeit nicht länger ausschließen."

Streik bei Neue Halberg Guss: Nun droht der Verlust weiterer Jobs

Seit Hiller den Chefsessel bei Deutz übernommen hat, versucht er, dem etwas angestaubten Konzern neuen Schwung zu verpassen. Er hat eine Elektro-Strategie aufgesetzt, um die Dieselaggregate um neue Antriebe zu ergänzen, lässt fast alle Abläufe kritisch durchleuchten und hat eine neue Vertriebskooperation mit Liebherr eingefädelt. Kürzlich hat er angekündigt, aus dem schlecht laufenden Joint Venture mit Dalian in China auszusteigen und sich dort neue Partner zu suchen. Die Geschäftszahlen und der Börsenkurs haben sich unter Hiller erheblich verbessert. Vergangenes Jahr konnte Hiller den Umsatz auf fast 1,5 Milliarden Euro steigern - ein Plus von 23,4 Prozent. Der Streik bei Halberg Guss könnte ihn nun wieder erheblich zurückwerfen.

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Deutz sei ein stabiles Unternehmen, fügt Hiller in seinem Video hinzu: "Wir können vieles aushalten, manches an uns abprallen lassen." Aber einen Zulieferer, der sich jahrelang auf die Bedürfnisse von Deutz spezialisiert habe, "können auch wir nicht einfach ohne weiteres ersetzen".

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