19.09.2014  Britische Kultmarke

Sportwagenhersteller Lotus wirft jeden vierten Mitarbeiter raus

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Lotus Elise: Trotz der Stellenstreichungen wird die Produktion der Lotus-Modelle Elise, Exige und Evora nicht zurückgefahren
Lotus Elise: Trotz der Stellenstreichungen wird die Produktion der Lotus-Modelle Elise, Exige und Evora nicht zurückgefahren

Ausländische Eigentümer erwiesen sich für die britischen Automarken Jaguar, Land Rover und Bentley als Segen. Bei Lotus sieht es anders aus: Der malayische Eigentümer Proton verpasst dem James-Bond-Autohersteller einen drastischen Sparkurs.

Hamburg - Vertrauenserweckend klingt diese Nachricht nicht: Die Sportwagenmarke Lotus will den Turnaround mit einem kräftigen Job-Aderlass schaffen. Das Restrukturierungsprogramm des seit Mai amtierenden Lotus-Chef Jean-Marc Gales sieht den Abbau von 325 Stellen vor, wie Lotus gestern bekanntgab. Das ist etwas mehr als ein Viertel von derzeit 1215 bei Lotus beschäftigten Mitarbeiter.

Die Stellenstreichungen sollen die Kosten senken, erklärte das Unternehmen, und die gesamte Organisation neu aufstellen. Gales bedauerte in einer Stellungnahme die Folgen für die betroffenen Beschäftigten. Lotus wolle diese aber für die Mitarbeiter so gering wie möglich halten. An einer Restrukturierung komme das Unternehmen jedoch nicht vorbei.

Zunächst habe sein Team versucht, die Neuaufstellung ohne die Stellenstreichungen zu erreichen. Das sei aber nicht darstellbar gewesen. Nach der Neuorganisation solle Lotus eine "schlankere, wettbewerbsfähige Organisation" sein. Lotus wird sich laut Gales "auf Sportwagen konzentrieren, die in ihrer Klasse zu den besten zählen und auf innovative Ingenieursleistungen."

Das wird kein einfaches Unterfangen für den ehemaligen PSA-Chef Gales. Denn Lotus schrieb in den vergangenen Jahren Verluste und hat sehr wechselhafte Zeiten hinter sich. Vor vier Jahren kündigte der damalige Lotus-Chef Dany Bahar noch fünf neue Modelle bis 2017 an. Unter anderem plante Bahar eine Wiederbelebung des Modells Esprit, das in den James-Bond-Filmen "Der Spion, der mich liebte" und "In tödlicher Mission" zu sehen war.

Probleme mit dem Eigentümer

Das Geld für die Entwicklung sollte der damalige Mehrheitseigentümer der Marke, der malayische Autohersteller Proton, bereitstellen. Anfang 2012 übernahm Proton die britische Kultmarke komplett. Doch die zugesagten Gelder trafen mit großer Verspätung ein, wie Bahar im Gespräch mit manager magazin onlineeinräumte. Mitte 2012 kaufte der malayische Konzern DRB-Hicom Proton - und schasste Bahar. Die angekündigten neuen Modelle liegen seither auf Eis, auf den jüngsten Automessen war Lotus nur sehr spärlich vertreten.

Immerhin zogen die Verkaufszahlen zuletzt etwas an: Im Juli verkaufte der Hersteller 226 Autos, um 65 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Dennoch ist Lotus mit solchen Verkaufszahlen im internationalen Vergleich ein Winzling - und wohl zu klein, um profitabel arbeiten zu können. Einige britische Automarken, die noch vor einigen Jahren strauchelten, stehen heute deutlich besser da als Lotus. Jaguar und Land Rover, die seit 2008 zu der indischen Tata-Gruppe gehören, schreiben wieder Milliardengewinne. Und auch Bentley wirft unter der Ägide von Volkswagen Gewinne ab.

Nicht ganz so glatt läuft es hingegen bei der britischen Sportwagenmarke Aston Martin. Die schrieb im Vorjahr einen vergleichsweise kleinen Verlust und soll erst 2016 wieder in die Gewinnzone fahren. Denn bis dahin investieren die Briten einiges Geld in die Modellentwicklung, um ihren Absatz von 4000 auf 7000 Fahrzeuge beinahe zu verdoppeln. Helfen soll dabei auch eine Kooperation mit Daimlers Tuning-Sparte AMG, die künftig Motoren und Elektronikbauteile liefern soll.

Lotus kann sich an keinen so starken Partner anlehnen. Gales wird sich einiges einfallen lassen müsen, um die Marke wieder nach vorne zu bringen. Über mögliche und dringend notwendige Investitionen der malayischen Eigentümer hat er bislang noch kein Wort verloren.

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