15.02.2018  Staubsauger-Riese plant drei Elektroauto-Modelle

Heißluft-Experte Dyson startet ins Autogeschäft

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Der britische Designer und Ingenieur James Dyson gibt sich bei seinen Elektroauto-Plänen geheimniskrämerisch
picture alliance / dpa
Der britische Designer und Ingenieur James Dyson gibt sich bei seinen Elektroauto-Plänen geheimniskrämerisch

Der Mann machte beutelfreie Staubsauger weltweit salonfähig. Er revolutionierte Heißluft-Handtrockner auf öffentlichen Toiletten. Zuletzt brachte er einen nahezu geräuschlosen Premium-Haarfön auf den Markt. Eigentlich könnte sich James Dyson mit 70 Jahren längst zur Ruhe setzen als reichster Erfinder Großbritanniens.

Doch er will es noch einmal wissen - mit seinem gewagtesten Projekt. Denn Dysons Unternehmen, der gleichnamige britische Hausgeräte-Hersteller, arbeitet seit einigen Jahren an einem Vorstoß ins Autogeschäft. Mit eigenen Dyson-Elektroautos will er der Autoindustrie die Stirn bieten.

Zu Details hielt sich Dyson bislang bedeckt. Im Jahr 2015 kaufte Dyson das Batterie-Startup Sakti3, das sich auf besonders leistungsstarke Feststoff-Batterien spezialisiert hat.Vor gut einem Jahr erklärte Dyson, dass er rund zwei Milliarden Pfund in sein Elektroauto-Projekt investieren wolle. Im Jahr 2020 solle das erste Fahrzeug auf den Markt kommen und "radikal anders" sein als heutige Modelle.

Nun hat die "Financial Times" (FT) nachgeforscht, wie weit Dysons Elektroauto-Pläne gediehen sind. Nach dem Bericht der britischen Finanzzeitung hat Dyson bereits Pläne für drei Fahrzeugmodelle in der Schublade - und plant einen graduellen Einstieg ins Autogeschäft. Denn Dysons erstes Modell soll nur einige tausend Mal gebaut werden. Es diene vor allem dazu, den Markt zu erkunden und eine Zulieferkette aufzubauen. Erst die beiden späteren Modelle will Dyson in größeren Stückzahlen fertigen.

Das erste Dyson-Modell soll noch mit herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus auf den Markt kommen, erfuhr die FT, die nach eigenen Angaben mehr als 20 Interviews mit informierten Personen geführt hat. Erst bei den späteren Modellen will Dyson die hauseigenen Feststoff-Akkus einbauen, die deutlich mehr Energie speichern können als übliche Lithium-Ionen-Batterien. Zudem lassen sich Feststoff-Akkus schneller laden. Auch Autohersteller und Zulieferer forschen an Feststoffbatterien. Toyota will sie bis 2025 in den Fahrzeugen haben.

Fabrikstandort noch unklar

Gründer und Chef James Dyson wollte die Informationen gegenüber der FT nicht kommentieren: "Wir reden nicht darüber, was wir machen." Zugleich bekräftigte er, dass das erste Dyson-Auto wie angekündigt 2020 oder 2021 auf dem Markt sein solle.

Mit dem Verzicht auf Feststoff-Speicher im ersten Modell könne Dyson diesen ehrgeizigen Zeitplan durchaus halten, meinen Analysten gegenüber der FT. So habe Dyson durchaus die Chance, Toyota zu schlagen und die leistungsstarken Feststoff-Akkus als erster Hersteller Feststoff-Akkus in Serienautos anzubieten.

Eine Entscheidung darüber, wo die Autos gefertigt werden, steht laut FT jedoch noch aus. Neben Standorten in Großbritannien kämen laut Dyson dafür auch Singapur, Malaysia oder China in Frage. China soll laut Dyson selbst der größte Markt für seine Elektroautos werden. Das spricht eher gegen eine Fabrik in Großbritannien.

Dyson-Lieferant: "Er versteht was von Produktion"

Keine Details zu den Autos und seinen technischen Daten, kein Konzeptfahrzeug, keine bekannten Zulieferer an Bord, noch kein Produktionsstandort: Das klingt für manche in der Autobranche nach einer Luftnummer, oder zumindest nach unrealistischen Zeitplänen. In ihrer Spärlichkeit erinnern Dysons Ankündigungen durchaus an Apples Elektroauto-Projekt, das der Konzern mittlerweile stark zurechtgestutzt hat.

Allerdings bringt Dyson für seinen Vorstoß ins Elektroauto-Geschäft viel Erfahrung aus seinem Brot- und Buttergeschäft, der Herstellung von Haushaltsgeräten, mitbringen. So produziert Dyson bereits selbst Elektromotoren und Batteriezellen. Und der britische Konzern hat lange Erfahrung darin, globale Lieferketten aufzubauen und weltweit verteilte Fabriken zu managen.

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"Er ist kein Silicon-Valley-Startup, er versteht was von der Produktion", sagt etwa ein langjähriger Dyson-Lieferant über den Staubsauger-Spezialisten. "Ich habe das Gefühl, das [Dyson] viel weiter fortgeschritten ist als er uns glauben machen will", meint ein anderer Dyson-Zulieferer gegenüber der FT.

Ob Dysons Vorstoß ins Autogeschäft wirklich Chancen auf Erfolg hat, lässt sich noch kaum abschätzen. Doch deutsche Autohersteller dürften künftig nicht nur Richtung chinesische Elektroauto-Startups schauen - sondern möglicherweise auch Richtung Großbritannien.

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