18.09.2018 
Jaguar Land Rover führt Drei-Tage-Woche ein

Der dramatische Brexit-Weckruf des Ralf Speth

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 Luxuriös und teuer: Dennoch könnte der britische Autobauer Jaguar Land Rover durch einen ungeordneten Brexit schwer in Bedrängnis kommen, warnt sein Chef Ralf Speth ...
AP/ Jaguar/ Land Rover
Luxuriös und teuer: Dennoch könnte der britische Autobauer Jaguar Land Rover durch einen ungeordneten Brexit schwer in Bedrängnis kommen, warnt sein Chef Ralf Speth ...

Ralf Speth, Chef von Jaguar Land Rover, lässt drastischen Brexit-Warnungen jetzt genauso drastische Taten folgen. Der größte britische Autobauer drosselt die Produktion und geht auf der Insel bis Dezember zur Drei-Tage-Woche über.

Ein harter Brexit ohne Übereinkunft mit der EU könnte Zehntausende Jobs in der britischen Autoindustrie kosten, warnte erst vor wenigen Tagen Ralf Speth, Chef von Jaguar Land Rover. Und als wolle der größte britische Autobauer dieser Warnung noch Nachdruck verleihen, kündigte er am Montag wie in einem Weckruf an die eigene britische Regierung die Drei-Tage-Woche an.

Die Brexit-Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien sind festgefahren, ein Deal ist nicht in Sicht. Banken planen bereits mit diesem Worst-Case-Szenario.

Um Entlassungen zu vermeiden werde im Werk Castel Bromwich bei Birmingham von Oktober bis Dezember nur noch an drei Tagen gearbeitet, teilte das Unternehmen mit. Speth beklagte in der Ankündigung zudem, dass die britische Regierung Dieselautos geradezu verteufelt habe. Allein dies hätte im Frühjahr gut 1000 Jobs bei dem Autobauer gekostet.

Dieselautos sind auch in Großbritannien auf dem absteigenden Ast. Die Verkäufe gingen auf dem zweitgrößten Automobilmarkt in Europa im laufenden Jahr um rund 30 Prozent zurück. Das spiegelt ähnliche Rückgänge in anderen wichtigen Märkten wider, da Regierungen im Zuge des Volkswagen-Abgasskandals hart gegen das Segment vorgehen.

... der uneingeschränkte Zugang zum europäischen Binnenmarkt ist für den britischen Nobelkarossen-Hersteller "genauso wichtig ist wie die Räder für unsere Autos", so Speth
AFP
... der uneingeschränkte Zugang zum europäischen Binnenmarkt ist für den britischen Nobelkarossen-Hersteller "genauso wichtig ist wie die Räder für unsere Autos", so Speth

Jaguar Land Rover trifft die Entwicklung aber besonders. Denn rund 90 Prozent der auf der Insel produzierten Autos sind mit einem Dieselmotor ausgestattet. Der Autobauer stand zuletzt für etwa ein Drittel der auf der Insel produzierten Autos. Eigner des Luxusauto-Herstellers ist die indische Tata Motors.

Während der konservative Brexit-Befürworter Bernard Jenkin dem CEO am Montag vorwarf, die Krise herbeizureden, machten Gewerkschafter zugleich Front gegen Premierministerin Theresa May. Die "chaotische Misswirtschaft" in den Brexit-Verhandlungen habe zu einer großen Verunsicherung in der britischen Autoindustrie und im verarbeitenden Gewerbe allgemein geführt.

Die britische Autoindustrie beschäftigt laut Reuters mehr als 850.000 Menschen. Sie befindet sich überwiegend in ausländischem Besitz und ist in hohem Maße abhängig von Liefer- und Vertriebsketten, die sich über die ganze Welt verteilen - vor allem aber über die EU, ihren größten Exportmarkt. Hier verkauft Jaguar Land Rover etwa ein Fünftel seiner Autos.

Der uneingeschränkte Zugang zum europäischen Binnenmarkt sei für Jaguar Land Rover "genauso wichtig ist wie die Räder für unsere Autos", warnte Speth erst vor wenigen Tagen. Ein harter Brexit werde den Autobauer jährlich gut 1,6 Milliarden US-Dollar zusätzlich kosten. Das entspricht gut zwei Drittel des Gewinns. Auch einen Wegzug aus der angestammten Heimat Großbritannien hatte Speth vor diesem Hintergrund in der Vergangenheit nicht mehr ausgeschlossen.

Speth steht mit seinen Warnungen indes nicht allein. Sollte es in den kommenden Monaten keine Klarheit über die Bedingungen des Brexit geben, werde BMW seine Investitionen noch in diesem Jahr überdenken, hatte Manager Ian Robertson Ende Juni erklärt. Der deutsche Premiumhersteller stellt auf der Insel die Marken Mini und Rolls-Royce her und beschäftigte in seinen Werken rund 8000 Mitarbeiter.

mit Reuters

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