13.12.2018 
Neuer Entwicklungschef, Milliarden für Brennstoffzellen

Autobauer Hyundai räumt auf - mit Elliott im Nacken

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Wasserstoffauto Hyundai Nexo: In die Brennstoffzellen-Technologie will Hyundai bis 2030 Milliarden investieren
Hyundai
Wasserstoffauto Hyundai Nexo: In die Brennstoffzellen-Technologie will Hyundai bis 2030 Milliarden investieren

Es wirkt wie ein Blitzaufbruch in eine neue Richtung: Kurz vor Jahresende lässt der koreanische Autohersteller Hyundai mit zwei ungewöhnlichen Ankündigungen aufhorchen. Der VW-Rivale erklärte zum einen, knapp sechs Milliarden Euro in die Produktion von Brennstoffzellenfahrzeugen stecken zu wollen. Bis 2030 will Hyundai eine halbe Million Brennstoffzellen-Fahrzeuge bauen.

Zum anderen baut der Konzern sein Topmanagement um. Erstmals soll ein Nicht-Koreaner die R&D-Abteilung führen: Der frühere BMW-Manager Albert Biermann fungiert künftig als Entwicklungschef von Hyundai, wie das Unternehmen am Dienstag verlautete. Hyundai tauscht zudem auch seinen Personal- und der Strategiechef aus. Zudem befördern die Koreaner ihrem bisherigen "Chief Innovation Officer" Chi Youngcho in den Rang eines "Presidents". Er soll neue Wachstumsstrategien entwickeln und wohl auch dafür sorgen, dass Hyundai bei vernetzten Autos wettbewerbsfähiger wird.

Immerhin erhalten 17 Topmanager bei Hyundai und seiner Schwestermarke Kia neue Aufgaben. An der Börse kamen der Umbau der Chefetage gut an - die Aktienkurse von Hyundai und des Schwesterunternehmens Kia Motors stiegen deutlich. Beobachter werten die Rochaden auch als Vorboten einer Wachablöse: Im September war der Sohn von Hyundai-Patriarch Chung Mong-koo, Chung Euisun, zum Vize-Präsidenten von Hyundai-Kia aufgestiegen. Mit dem Umbau der Führungsriege verloren auch zwei enge Vertraute des 80-jährigen Mong-koo an Macht - ersetzt wurden sie durch Vertrauensleute des 49-jährigen Euisun.

Laut Hyundai sollen die Personalveränderungen die "interne Innovation" beschleunigen und die Fähigkeit des Unternehmens verbessern, sich auf veränderte Geschäftsbedingungen einzustellen. Das ist auch durchaus nötig, denn zuletzt lief es für Hyundai-Kia nicht allzu rosig. In den vergangenen Quartalen fiel der Gewinn deutlich, und in diesem Jahr gab der Aktienkurs um rund ein Viertel nach. Investoren kritisieren, dass Hyundais Wachstum in wichtigen Märkten erlahmt - und dass sich der Autohersteller zu langsam auf neue Technologien einstellt.

Hedgefonds Elliott kritisiert Hyundai scharf

Ein Hyundai-Investor äußert seine Kritik am Unternehmen besonders deutlich: Der aktivistische Hedgefonds Elliott Associates von Paul Elliott Singer. Singer stieg im April 2018 mit einer Milliarde Dollar bei Hyundai ein - und spart seither nicht mit Kritik an den Koreanern. Zunächst torpedierte er eine geplante 8,8 Milliarden Dollar teure geplante Restrukturierung, die der Hyundai-Gründerfamilie mehr Kontrolle über wichtige Unternehmensteile gegeben hätte. Im November forderte er Hyundai Motors auf, rund 9 Milliarden Euro an Investoren zurückzugeben und all seine Nicht-Kerngeschäfte auf den Prüfstand zu stellen.


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"Stark überkapitalisiert" seinen Hyundai und Kia, monierte Singers Fonds in einem Brief. Zudem seien die Aktionärsrenditen deutlich unterdurchschnittlich im Vergleich zu anderen Autoherstellern. Das Unternehmen brauche einen "umfassenden Restrukturierungsplan", der die Kapital- und Governanceprobleme angehe, die für Hyundais "chronische Underperformance" verantwortlich seien. Hyundai habe Milliarden Dollar für Immobilienkäufe und andere Randinvestitionen falsch eingesetzt, kritisierte Singer weiter. Seit Hyundai den von Elliott als unzureichend kritisierten Restrukturierungsplan zurückgezogen habe, sei jetzt ein knappes halbes Jahr nichts passiert. Es sei kein "echtes Engagement" von Hyundai zu erkennen.

Mit seinen jüngsten Ankündigungen versucht Hyundai wohl auch, dem aktivistischen Investor etwas Wind aus den Segeln zu nehmen. Doch Beobachter bezweifeln bereits, dass dies gelingt. Singers Brief basierte auf einem Report einer Unternehmensberatung, die unter anderem auch zu geringe Aufwendungen für Forschung und Entwicklung kritisierte.

Keine klare Zukunftsstrategie

Nun will Hyundai zwar Milliarden in Brennstoffzellenautos stecken. Vor kurzem haben die Koreaner aber auch angekündigt, die Zahl seiner batteriebetriebenen Elektroauto-Modelle bis 2025 verdreifachen zu wollen.

Die Brennstoffzellentechnik ist allerdings noch deutlich weiter von der Großserienreife entfernt als herkömmliche Batterie-Elektroautos. Wasserstoff-Tankstellen sind weltweit noch sehr rar, die Infrastruktur steckt noch in den Kinderschuhen. Deshalb rechnen Experten auch 2025 nur mit einem weltweiten Marktanteil von unter einem Prozent für wasserstoffbetriebene Elektroautos, während die batteriegetriebene Elektro- und Hybridautos bereits auf ein Fünftel weltweit kommen könnten.

Und auch mit den jüngsten Management-Veränderungen hat die Chung-Familie weiterhin großen Einfluss auf das Unternehmen. Unabhängige Vorstands- oder Aufsichtsratsmitglieder bleiben bei Hyundai-Kia eine Rarität.

Singer und sein Hedgefonds dürften also weiterhin genügend Gründe finden, um an Hyundai herumzumäkeln - und auf tiefergreifende Veränderungen bei Management und Strategie zu drängen.

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