04.04.2018  Finanzinvestor Singer steigt ein

Hyundai-Kia hat berüchtigten Finanzquerulanten am Hals

Von
Hyundai-SUV Tucson
Hyundai
Hyundai-SUV Tucson

Heuschrecke, Geier, Pirat - die Liste der unfreundlichen Attribute, mit denen der aktivistische US-Finanzinvestor Paul Singer bereits bedacht wurde, ist lang. In Kürze könnte es auch ein koreanisches Schmähwort für ihn geben. Denn der Managerschreck Singer ist mit seinem Hedgefonds Elliott Associates nun beim koreanischen Hyundai-Konzern eingestiegen, zu dem der weltweit fünftgrößte Autohersteller Hyundai-Kia gehört.

Sein Hedgefonds Elliott habe Aktien im Wert von mehr als einer Milliarde US-Dollar (812 Millionen Euro) unter anderem am Autobauer Hyundai und dem Schwesterunternehmen Kia erworben, teilte Singer mit. Und der Einstieg dürfte für Hyundai alles andere als angenehm werden. Denn wie es für Singers Vorgehen typisch ist, will er sich auch in den anstehenden Umbau des koreanischen Konglomerats einmischen.

Finanzinvestor Paul Singer
REUTERS
Finanzinvestor Paul Singer

Noch gibt sich Singer höflich-bescheiden in seinen Aussagen: Elliott begrüße es, dass der Autobauer erste Schritte zu einer besseren Konzernstruktur in Angriff genommen habe, hieß es. Allerdings solle das Management mehr tun und einen detaillierten Fahrplan für eine bessere Führung und mehr Ausschüttungen an die Investoren bei den Unternehmen vorlegen. Der Hedgefonds will sich demzufolge in Gesprächen mit dem Management auch direkt einbringen - und "Empfehlungen bezüglich des vorgeschlagenen Plans anbieten".

Da dürfte Hyundais Topmanagement eher mühsame Gespräche bevorstehen. Singer gilt als geübt darin, bei Unternehmen einzusteigen, die gerade umgebaut oder übernommen werden sollen, um daraus Kapital zu schlagen.

VWs einstiger "Angstgegner" Hyundai kämpft mit Problemen

Bei dem koreanischen Hyundai-Konglomerat liegt diesbezüglich einiges im Argen. Das komplexe Geflecht um den Hyundai-Konzern soll nach dem Willen der Gründerfamilie Chung vereinfacht werden, wie es andere südkoreanische Konglomerate wie etwa Samsung bereits vorgemacht haben. Das Konzerngebilde reicht von Stahl- bis zur Autoproduktion und hat zusammen einen Marktwert von über 70 Milliarden Euro.

Aktuell sind etwa im Autobereich mehrere Töchter des Konzerns durch Überkreuzbeteiligungen verbunden. So hält Hyundai Motors 33,9 Prozent an der Zulieferertochter Hyundai Mobis, der im Gegenzug 20,8 Prozent von Hyundai Motors gehören. Kia Motors wiederum hält 16,9 Prozent an Hyundai Mobis.

Folgen Sie Wilfried Eckl-Dorna auf twitter

Seit langem kritisieren Aktionären die mutmaßlich fehlende Transparenz. Zuletzt hatten Koreas Aufsichtsbehörden ebenfalls Maßnahmen zur Verbesserungen der Transparenz gefordert. Die Gründerfamilie Chung hatte deshalb vergangene Woche angekündigt, den Aftersales-Bereich von Hyundai Mobis an die Logistiktochter Hyundai Glovis abzugeben, wie die Financial Times berichtet.

Doch damit dürfte sich Singer wohl kaum zufriedengeben. Er wird auf tiefergreifende Veränderungen drängen, zumal Hyundais Automobilgeschäft weltweit nicht richtig rund läuft. In den vergangenen drei Jahren hat der Autobauer seine Absatzziele verfehlt, für dieses Jahr rechnen die Koreaner nur mit einem bescheidenen Absatzzuwachs.

In Hyundais beiden größten Automärkten kriselt es: In China belasteten zuletzt Produktionsstopps infolge von Lieferunterbrechungen, in den USA kann der Hersteller bei den dort gefragten SUVs nicht richtig punkten.

Aus Sicht Singers ist dies wohl eine ideale Mischung, um in größerem Stil bei Hyundai einzusteigen. Zuletzt mischte Singer unter anderem beim Verkauf des deutschen Medikamentenherstellers Stada mit, auch bei der kriselnden Telecom Italia macht er mit lautstarken Forderungen von sich reden. Bei dem Maschinenbauer Gea drängte Singer vor kurzem den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Jürg Oleas aus dem Amt.

Der Einstieg von Singer ist an den Märkten eher ein Warnzeichen: Der promovierte Jurist und studierte Psychologe kauft gerne Aktien von Unternehmen, die in der Krise sind oder kurz vor der Insolvenz stehen. Dann versucht er Management-Änderungen durchzusetzen. Erholt sich das Unternehmen, verkauft er seine Anteile mit Gewinn. Andernfalls zerschlägt er den Konzern und verklagt Schuldner. Bei beidem geht er mit viel Ausdauer und Hartnäckigkeit vor.

Hyundai dürften mit Singer also eher unangenehme Zeiten ins Haus stehen. Nicht immer ist er jedoch erfolgreich. So wehrte der koreanische Samsung-Konzern im vergangenen Jahr Elliotts Vorschläge zum Übergang zu einer Holding-Struktur ab - die Singer drei Jahre lang durchzudrücken versuchte.

mit Material von dpa-afx

Mehr zum Thema