07.11.2018 
Geely-Chef Shufu plant Überschall-Züge

Chinesischer Milliardär will Hyperloop-Konkurrenten bauen

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Träumt von Rasanz: Geely-CEO Li Shufu
AFP
Träumt von Rasanz: Geely-CEO Li Shufu

Hartnäckig baut Li Shufu an seinem Mobilitätsimperium. Erst kaufte er Volvo. Dann sicherte sich der Chef des chinesischen Autobauers Geely durch die Hintertür einen wichtigen Anteil an der Daimler AG . Vor Kurzem investierte Shufu gar in fliegende Autos.

Jetzt plant der Milliardär, das Zugfahren neu zu erfinden. Seine Pläne sollen den Super-Zug Hyperloop noch übertrumpfen: Shufu will sich an der Entwicklung von Überschall-Zügen beteiligen, wie die Nachrichtenagentur "Bloomberg" meldet. Dafür hat er am Dienstag ein Abkommen mit dem staatlichen Hightech-Unternehmen China Aerospace Science and Industry Corp. (Casic) geschlossen. Die Partner wollen eigene Technologien für das Gefährt vorantreiben.

"Zentrale Technologien können nicht gekauft werden", zitiert "Bloomberg" Shufu. "Wir müssen selbst Innovationen entwickeln. Der Weg wird schwierig, aber die Aussichten sind vielversprechend."


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Casic kündigte bereits vergangenes Jahr an, an einem Zug zu arbeiten, der magnetisch schwebend durch Vakuumröhren sausen soll. Dabei soll er Geschwindigkeiten weit jenseits der Concorde erreichen. Die Höchstgeschwindigkeit des defizitären Überschall-Flugzeugs lag bei 2179 km/h. Casic-Vorstand Gao Hongwei stellt sich vor, die Strecke Peking - Paris in drei Stunden zurücklegen zu können.

Schneller als der Hyperloop - in der Theorie

Damit würde der Zug selbst einen Hyperloop abhängen. Elon Musk präsentierte die Idee zu seinem Gefährt vor fünf Jahren. Seitdem arbeiten mehrere Unternehmen und Forschungseinrichtungen an der Umsetzung. Am weitesten sind dabei zwei Firmen aus Los Angeles: Virgin Hyperloop One und Hyperloop Transportation Technologies (HTT). Musk selbst baut mit seiner Boring Company Tunnelsysteme für den neuartigen Zug.

Der Hyperloop soll ebenfalls irgendwann mit bis zu 1200 km/h durch Vakuumröhren rasen. Von Berlin über Hamburg nach Köln soll eine Reise dann nur noch 50 Minuten dauern. Bisher gab es allerdings lediglich eine fünfsekündige Testfahrt mit einem Hyperloop-Gefährt: Die Höchstgeschwindigkeit, die dabei erreicht wurde, lag nur bei 112 km/h. Kritiker zweifeln an der Machbarkeit der Transportmittel.

Von besonders schnellem Reisen träumen aber nicht nur die Entwickler hinter den Super-Zügen. Verschiedene Konzerne versuchen, das Fliegen immer schneller zu machen. Sie sehen ihre Chance, da es aktuell kein Überschall-Flugzeug für Reisende gibt. Der Betrieb der Concorde wurde im Jahr 2003 nach einem fatalen Unfall eingestellt.

Das Wettrennen um die Überschall-Flieger

So arbeitet unter anderem Boeing daran, eines Tages Passagiere mit fünffacher Schallgeschwindigkeit zu befördern. Die Flugzeuge sollen die Strecke von New York nach London in zwei Stunden schaffen. Derzeit brauchen sie rund sieben Stunden.

Ebenfalls mit Überschallgeschwindigkeit fliegen sollen die Passagier-Jets des US-Unternehmens Aerion. Lange kooperierte Airbus mit der Firma, vergangenes Jahr zogen sich die Franzosen dann zurück. Der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin trat an Airbus' Stelle, um den Flieger weiterzuentwickeln.

Das Startup Boom aus Denver will schon im Jahr 2023 Passagiere mit 2335 km/h in seinen Maschinen befördern. Berühmte Befürworter träumen ebenfalls vom Überschall-Fliegen. Milliardär Richard Branson zum Beispiel: "Das ist nicht leicht, aber absolut machbar", sagte er. "Ich hoffe, noch zu meinen Lebzeiten."

Neben schwebenden Autos und rasenden Zügen fehlt das Fliegen jenseits der Schallgrenze eigentlich noch in Li Shufus Portfolio. Wer weiß, wie lange noch.

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