15.02.2017  Neues internes Problem für VW-Markenchef Diess

VW-Vorstand fragt vor Beförderung nach "IG-Metall-Mitgliedschaft"

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VW-Markenchef Herbert Diess (l.) und VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh.
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VW-Markenchef Herbert Diess (l.) und VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh.

Es gibt ein paar Themen, die sind nach allgemeinem Verständnis tabu für Vorstellungs- und Mitarbeitergespräche. Die Mitgliedschaft in einer Partei gehört dazu, die Frage nach der Krankheitsgeschichte oder - bei Frauen - nach aktuellen oder eventuellen künftigen Schwangerschaften. Auch die Gewerkschaftszugehörigkeit fällt in diese Rubrik. "Es ist ein absolutes Nogo für einen Vorgesetzten, vor Neueinstellungen oder Beförderungen danach zu fragen", sagt der Stuttgarter Arbeitsrechtler Stefan Nägele.

Genau das ist aber vor drei Monaten bei Volkswagen passiert, und im Fokus steht ausgerechnet Herbert Diess. Der VW-Markenchef gilt im Unternehmen ohnehin als umstritten.

Jetzt kursiert im Management eine Mail aus dem vergangenen November, in der es um die Beförderung von sechs Mitarbeitern ins obere Management geht. Auch Diess habe diese Mail erhalten und handschriftlich kommentiert, heißt es im Unternehmen. "Keine Frauen dabei?!" merkte Diess an und "Priorisierung?" Dann setzte er einen dritten Punkt: "IG-Metall-Mitgliedschaft?"

Ein VW-Sprecher bestätigte, dass Diess nach der Gewerkschaftszugehörigkeit gefragt habe. Der Markenchef habe aber aus Datenschutzgründen keine Antwort erhalten. Bei VW werde immer wieder behauptet, Mitglieder der IG Metall würden bei Beförderungen bevorzugt, erläuterte der Sprecher die Frage. Das sei, wenn es so wäre, unfair. Diess habe daher versucht, mehr Klarheit zu gewinnen.

Arbeitsrechtler Nägele hält dagegen, die Gewerkschaftszugehörigkeit dürfe bei einer Beförderung keine Rolle spielen, "weder in die eine noch in die andere Richtung. In Deutschland gilt die negative Koalitionsfreiheit."

Ein Sprecher des VW-Betriebsrats kündigte an, der Sache nachzugehen. "Wir werden den Vorstand auffordern, zu überprüfen, ob es einen solchen Vorgang gibt." Und, "sollte sich dies als Tatsache herausstellen", werde der Betriebsrat den Vorstand der IG Metall einschalten und um rechtliche Prüfung bitten.

Der Anteil der Gewerkschaftsmitglieder an den Beschäftigten ist in den deutschen Autokonzernen generell hoch. Bei VW heißt es, in den Werken liege die Quote der IG-Metall-Mitglieder bei mehr als 90 Prozent. Im oberen Management seien rund 50 Prozent der Beschäftigten in der IG Metall, im Top-Management rund 30 Prozent.

Markenchef Diess und Betriebsratschef Bernd Osterloh gelten als zerstritten. Aktuell streitet Diess mit den Arbeitnehmervertretern um die Umsetzung eines Sparpakets, des sogenannten Zukunftspakts. Die Arbeitnehmer werfen ihrem Chef "unsoziales Verhalten" vor. Diess' Leute kontern, der Betriebsrat blockiere. Das Programm, mit dem allein in Deutschland 3 Milliarden Euro gespart werden sollten, steht auf der Kippe.

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