26.09.2018 
Überraschender Exodus

Grammer-Vorstände gehen und nehmen Millionen mit

Von
Hartmut Müller, Gerard Cordonnier, Manfred Pretscher (v.l.n.r.) legen ihre Vorstandsämter beim Autozulieferer Grammer nieder
Grammer
Hartmut Müller, Gerard Cordonnier, Manfred Pretscher (v.l.n.r.) legen ihre Vorstandsämter beim Autozulieferer Grammer nieder

Der Vorstandsexodus beim Autozulieferer Grammer nach der Übernahme durch Jifeng irritiert Analysten. Von einem "schweren Schlag" ist vereinzelt die Rede. Unklar ist, was die Chinesen vorhaben, das sie mit den Vorständen hätten nicht erreichen können. Schließlich haben die Manager den neuen Eigentümern selbst die Tür geöffnet. Nun gehen sie durch dieselbige hinaus - und nehmen Millionen-Abfindungen mit.

Grammer-Vorstandschef Hartmut Müller hatte den neuen chinesischen Eigentümer Ningbo Jifeng seinerzeit noch selbst als "weißen Ritter" ins Haus geholt - um den ungeliebten Großaktionär Hastor loszuwerden. Vehement griff er die bosnische Investorenfamilie an, unterstellte ihr kurzfristige Gewinnmaximierung zu Lasten von Beschäftigten und Kunden - etwa des Großabnehmers Volkswagen.

Die Gegenseite unterstellte ein abgekartetes Spiel mit den Wolfsburgern und warf Müller im Kampf um die Macht bei dem bayerischen Autozulieferer schon im Mai 2017 vor, er habe sich eine großzügige Abfindung bei einem Kontrollwechsel zusichern lassen.

Tatsächlich ist nach Aussage eines Grammer-Sprechers diese seit 2013 bestehende Change-of-Control-Klausel (CoC) im vergangenen Jahr zugunsten der Vorstände angepasst worden. In der Nacht nun reichten der Vorstandschef Müller, Finanzvorstand Gerard Cordonnier sowie Technik-Vorstand Manfred Pretscher ihre Kündigung ein. Dabei streichen die Manager Millionen ein.

Den Vorständen stehen demnach "150 Prozent des im Dienstvertrag vereinbarten Abfindungs-Caps von zwei Jahresgesamtvergütungen" zu. Laut Geschäftsbericht (S. 165) verdiente Müller im vergangenen Jahr 1,38 Millionen Euro und versüßt sich seinen Abgang dank CoC-Klausel mit 4,14 Millionen Euro. Eine ordentliche Gabe für den Chef eines mittelständischen Unternehmens, möchte man meinen, das im vergangen Jahr nach Steuern gerade mal 32 Millionen Euro verdiente. Die Vorstände Cordonnier und Pretscher nehmen jeweils rund 2,3 Millionen mit.

Vorstandsexodus ein "harter Schlag" - Analysten zeigen sich irritiert

Bei Grammer kann man an der Höhe der Abfindung nichts Anstößiges erkennen. "Die Klausel ist völlig marktüblich und steht im Einklang mit dem Corporate-Governance-Kodex", sagt Grammer-Sprecher Ralf Hoppe.

Der konzertierte Abgang von gleich drei Vorständen irritiert gleichwohl Anleger und Analysten. Für Grammer bedeute der Vorstandsexodus einen "harten Schlag", schreiben die Experten der Baader Bank. Diese "unerwartete Entwicklung wirft Fragen auf", meint die Investmentbank Oddo BHF, ohne die Antworten zu kennen. Bei Warburg Research wiederum fragen sich die Analysten, was Ningbo Jifeng denn nun womöglich verändern werde.

1 | 2

Mehr zum Thema