23.08.2018 
Auto-Tochter des Daimler-Großaktionärs legt in Heimatmarkt zu

Geely steigt zur Nummer 3 in China auf

Von
Li Shufu, Gründer und Chef der Zhejiang Geely Group
REUTERS
Li Shufu, Gründer und Chef der Zhejiang Geely Group

Das nennt man einen guten Lauf: Die chinesische Automarke Geely, die zur Holding vonDaimlers Großaktionär Li Shufu gehört, profitierte im ersten Halbjahr von der starken Nachfrage nach seinen Geländewagen - und das vor allem am Heimatmarkt China, den bislang internationale Autohersteller dominieren.

Geely verdiente von Januar bis Juni umgerechnet 840 Millionen Euro, ein Plus von 54 Prozent und zehn Millionen Euro mehr als Analysten im Schnitt kalkuliert hatten. Trotz des langsameren Wachstums am gesamten Pkw-Markt in China schraubte der Autobauer sein Absatzziel für 2018 nach oben. Das Management sei sehr zuversichtlich, die Marke von 1,58 Millionen verkaufte Fahrzeuge zu erreichen und sie wahrscheinlich zu übertreffen, teilte das chinesische Unternehmen am Mittwoch mit.

Damit, so berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg, steigt Geely gemessen am Pkw-Absatz zur Nummer drei am chinesischen Automobilmarkt auf. Im ersten Halbjahr hat Geely die japanischen Marken Nissan, Honda und Toyota überholt. Von Januar bis Juni verkaufte Geely laut Bloomberg 766.730 Pkw und schlug so Nissan (720.447 Fahrzeuge) klar. Honda und Toyota liegen laut Bloomberg noch dahinter. Nur General Motors und Volkswagen verkaufen noch deutlich mehr Autos in China als Geely.

Spätestens 2020 will Geely mindestens zwei Millionen Pkw losschlagen. Im ersten Halbjahr verkaufte der Autobauer mit gut 766.000 Wagen 44 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Fast 60 Prozent der Verkäufe entfallen auf SUVs wie das Modell Boyue. Nach Einschätzung von Analysten dürften im zweiten Halbjahr die neuen Elektroautos der Marke Lynk & Co. den Absatz weiter ankurbeln.

Geely will Schwung aus erstem Halbjahr noch etwas halten

Der rund um Geely entstandene Konzern befindet sich seit längerem auf Expansionskurs. Die Marke Geely gehört zur Zhejiang Geely Group, der Holding des chinesischen Milliardärs Li Shufu. Seine Holding kaufte im Jahr 2010 die schwedische Autohersteller Volvo. Gemeinsam mit Geely entwickelte Volvo die neue Marke Lynk& Co, Volvo will Li in nächster Zeit an die Börse bringen. Zur Holding gehört auch London Taxi, Hersteller der berühmten "Black Cabs", die vor allem in der britischen Metropole eingesetzt werden. Vor knapp einem Jahr erwarb die Geely-Gruppe einen Mehrheitsanteil an der britischen Sportwagenmarke Lotus, die dank ihres neuen chinesischen Eigentümers nun 1,7 Milliarden Euro in neue Modelle investieren will.

Vor wenigen Monaten hat sich die Geely-Holding zudem den Flugauto-Hersteller Terrafugia einverleibt. Seit dem Frühjahr 2018 ist Geely-Eigner Li Shufu auch größter Anteilseigner von Daimler - er hält einen Anteil von knapp zehn Prozent.

In China rechnet Geely zwar damit, damit, dass der Gesamt-Automarkt in der zweiten Hälfte des Jahres nicht mehr ganz so gut laufen wie in der ersten. Grund dafür sind das Zurückfahren von staatlichen Unterstützungen für Elektroautos und der Handelskrieg mit den USA. Doch Geely hofft, den Schwung aus dem ersten Halbjahr noch etwas halten zu können. Mit einer gut gefüllten Produktpipeline sollte die Geely-Gruppe in einer guten Position sein, sich in naher Zukunft einen höheren Marktanteil im chinesischen Pkw-Markt zu sichern, hieß es laut Bloomberg in einer Mitteilung des Autoherstellers.

Der Umsatz von Geely stieg im ersten Halbjahr um gut ein Drittel auf rund 6,8 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieb Geely zuletzt ein Gewinn von 840 Millionen Euro übrig. Im ersten Halbjahr 2017 waren es noch 548 Millionen Euro gewesen.

mit Material von Reuters

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