17.01.2018 
US-Autobauer reagiert auf schwache Rendite

Radikalschnitt - Ford will nicht mehr Ford sein

Von Nils-Viktor Sorge
Fords neuer F-250 Lariat Crew Cab 4x4
Ford
Fords neuer F-250 Lariat Crew Cab 4x4

US-Autobauer Ford sucht radikale Wege aus der Dauer-Krise. Eine völlig neue Modellpolitik soll die Rendite-Schwäche beenden. Dabei ist der Konzern offenbar bereit, sich von seinen Wurzeln zu trennen: Manche Auto-Klassiker könnten den Schnitt nicht überstehen, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Auf der Automesse in Detroit (hier die aufregendsten Neuheiten) gab es am Dienstag neuen Anlass, umzudenken. Denn Ford hat im vergangenen Jahr schlechter verdient als erwartet. Zudem rechnet der zweitgrößte US-Autobauer 2018 mit einem Gewinnrückgang. Höhere Materialkosten, etwa für Stahl und Aluminium sowie ungünstigere Wechselkurse dürften das Ergebnis belasten, teilte der Konzern bei einer Investorenkonferenz am Rande der Messe mit.

Anleger reagierten enttäuscht. Die Ford-Aktie gab nachbörslich zunächst mehr als 3 Prozent ab. Auch die Ankündigung einer kräftigen Dividendenerhöhung für das erste Quartal konnte daran nichts ändern.

2017 lag Fords bereinigter Gewinn je Aktie bei 1,78 Dollar, wie aus einer Präsentation vorläufiger Geschäftszahlen hervorging. Damit wurden die Erwartungen deutlich verfehlt - Analysten hatten mit 1,84 Dollar gerechnet. Die Rendite ist auf 5 Prozent gefallen. In den vergangenen Jahren waren es im Schnitt 6 Prozent, angepeilt sind aber 8 Prozent.

Auch der Ausblick für 2018 fiel verhalten aus. Ford geht davon aus, dass der Gewinn pro Aktie auf 1,45 bis 1,70 Dollar sinkt. Ausführliche Ergebnisse für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2017 sollen am 24. Januar veröffentlicht werden.

Sieben Monate nach dem Ausscheiden von Ex-Chef Mark Fields verlieren Investoren nun offenbar die Geduld - und das Management stellt radikale Änderungen in Aussicht. Chef Jim Hacket dürfte die Modellauswahl dürfte deutlich verkleinern und den Schwerpunkt auf höherpreisige und renditeträchtige Modelle legen, die häufiger elektrisch und autonom fahren.

Vor alle eine Reihe klassischer Limousinen könnte wegfallen. Ford wäre damit faktisch nicht mehr Ford - der Konzern galt seit dem ersten Massenmarktmodell Model T als Hersteller für alle.

Doch der Druck im Kessel steigt und steigt. "Ganz klar: Wir sind mit unserer Leistung nicht zufrieden", sagte Finanzchef Bob Shanks. "Wir untersuchen knallhart, wie wir das Ford von morgen schaffen." Dies werde aber erst in einigen Jahren die gewünschte Profitabilität mit sich bringen.

Es müsse schonungslos untersucht werden, welche Modelle eine Zukunft hätten und welche nicht, sagte Fords Chef für den Weltmarkt, James Farley. "Wir müssen unsere Modellpalette verkleinern und auf profitable Fahrzeuge trimmen."

Wie es besser geht, zeigt vor der Haustür Erzrivale General Motors (GM) . Der hatte Investoren zuvor ebenfalls seine Prognosen für 2018 präsentiert. Der US-Marktführer zeigte sich zuversichtlich, den Gewinn auf dem Rekordniveau des Vorjahres halten zu können.

Allerdings dürfte eine milliardenschwere Abschreibung aufgrund der US-Steuerreform das Ergebnis im abgelaufenen vierten Quartal verhageln. GM will seine Zahlen am 6. Februar vorlegen. Ford erwartet hingegen keine Belastung durch die neuen US-Steuergesetze.

mit dpa-afx

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