24.07.2018 
Keine Schonfrist für Marchionne-Nachfolger Manley

Warum sich der neue Fiat Chrysler-Chef sofort bewähren muss

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Der neue Fiat Chrysler-Chef Mike Manley: Bewährungsprobe gleich in der ersten Arbeitswoche.
REUTERS
Der neue Fiat Chrysler-Chef Mike Manley: Bewährungsprobe gleich in der ersten Arbeitswoche.

Geplant war ein geordneter Übergang. Doch so etwas wie eine Schonfrist bekommt Mike Manley, seit Samstag neuer Chef des Autoherstellers Fiat Chrysler Automobiles (FCA ), nun nicht. Diesen Mittwoch präsentiert der 54-jährige gebürtige Brite bereits die FCA-Quartalsresultate. Dem bisherigen Chef der FCA-Marken Jeep und Ram bleiben also ein paar Tage, um seinen ersten großen Auftritt als Konzernchef vorzubereiten.

Bei seiner ersten Bewährungsprobe muss er Investoren erklären, wie er FCA in die Zukunft führen und wie weit er womöglich von den Plänen seines Vorgängers Sergio Marchionne abweichen will. Marchionne trat aus gesundheitlichen Gründen überraschend am Wochenende als FCA-Chef zurück, aktuell liegt er in einer Intensivstation in Zürich. Sein Zustand soll Berichten zufolge "unumkehrbar" sein, angeblich liegt Marchionne im Koma. Ursprünglich wollte Marchionne bis Frühjahr 2019 FCA-Chef bleiben - nun hat seine Erkrankung eine geordnete Übergabe vereitelt.

Analysten gehen davon aus, dass sich der neue Fiat-Chrysler-Chef zunächst an Marchionnes Strategie orientieren kann. Längerfristig sei die Zukunft des weltweit siebtgrößten Autobauers jedoch unsicher. "Manley weiß, dass sein Hauptaugenmerk auf der Ausführung liegt und dass er bereits eine Strategie hat, auf die sein Team eingeschworen ist", sagte George Galliers, Analyst bei Evercore ISI.

FCA erklärte am Wochenende, dass Manley die im Juni präsentierte Strategie Marchionnes fortsetzen wolle, auch ohne einen Zusammenschluss mit einem Konkurrenten wettbewerbsfähig zu bleiben. Mit einem Fünfjahresplan wollte Marchionne die Produktion von SUVs ausbauen, in Elektroautos investieren und den Betriebsgewinn bis 2022 verdoppeln. Der Plan sah auch ehrgeizige Ziele für die Marke Jeep vor, die sich längst zur Gewinnmaschine des Konzerns mit hohen Margen entwickelt hat.

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Künftig trockener Humor statt Gefühlsausbrüche?

Das ist zu großen Teilen der Verdienst von Manley. Der studierte Ingenieur und Betriebswirt stieg vor 18 Jahren bei dem Autohersteller ein, der damals noch DaimlerChrysler hieß. Zuvor hatte Manley unter anderem als Autohändler gearbeitet. Seit 2009 führte er die Marke Jeep, seit 2015 auch die FCA-Tochter Ram, die in den USA gute Geschäfte mit ihren Pickups und leichte Nutzfahrzeugen macht.

Unter Manleys Führung vervierfachte Jeep seine weltweiten Verkaufszahlen auf zuletzt 1,4 Millionen Fahrzeuge. Manley gilt als ehrgeizig - und scheut sich auch nicht vor klaren Ansagen. Bei FCA werde Jeep "die am stärksten wachsende Marke sein, Punktum", erklärte er etwa auf einer Automesse vor einigen Jahren. Diese Ankündigung hielt er zum Großteil.

Dabei tritt der Manager aber zurückhaltender auf als sein Vorgänger Marchionne, der nicht nur öffentlich zu klaren Ansagen neigte. Auch intern soll Marchionne teils sehr temperamentvoll aufgetreten sein, mit Wutanfällen und herzlichen Umarmungen für Manager. Von Manley sind solche Gefühlsausbrüche bislang weniger bekannt - der Mann gilt eher als kühler Stratege mit trockenem Humor. "Er ist keiner, der ein Riesen-Ego hat", meint die Analystin Rebecca Lindland vom Kelley Blue Book. "Deshalb wird er ein guter Unternehmensführer sein."

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