31.05.2018  Letzter Fünfjahresplan für Fiat Chrysler

Marchionnes Vermächtnis: Fiat Nische!

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Fiat Chrysler-Chef Sergio Marchionne bei einer Pressekonferenz im November 2017.
REUTERS
Fiat Chrysler-Chef Sergio Marchionne bei einer Pressekonferenz im November 2017.

Grande Finale für Sergio Marchionne: In Kürze stellt der FCA-Chef einen neuen Fünfjahresplan für Fiat Chrysler Automobiles vor. Es wird seine letzte große Weichenstellung. Bevor er im Jahr 2019 das Feld räumt, trimmt Marchionne seinen Konzern Richtung Nische - und schiebt Fiat weiter auf das Abstellgleis.

Örtlich wird dieser Termin für Sergio Marchionne eine Rückkehr zu seinen Wurzeln - inhaltlich aber kaum: Am morgigen Freitag wird der 65-jährige Manager auf dem Balocco-Testgelände in der Nähe von Turin einen neuen Fünfjahresplan für Fiat Chrysler Automobiles (FCA) vorstellen.

Es wird einer der letzten großen Auftritte von Marchionne, der im kommenden Jahr als FCA-Chef abtritt - und das an jenem Ort, an dem er im Jahr 2004 seinen Überlebensstrategie für Fiat vorstellte. Und überlebt hat Fiat unter Marchionnes Fittichen - zumindest formal: Mit dem Zukauf des US-Autobauers Chrysler, Spinoffs und etwas Finanzakrobatik hat der für seine gewagten Sprüche bekannte Automanager einen globalen Autokonzern geschaffen, der durchaus ansehnlich verdient und den Marchionne nun wohl geordnet übergeben will.

Künftig soll FCA noch stärker auf die Nischenmarken in seinem Konglomerat setzen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider berichtet - und seine einstigen Massenmarkt-Marken Fiat und Chrysler weiter zurückstutzen. So erwägt FCA etwa, den Verkauf von Fiat-Autos in Nordamerika und den USA komplett zu stoppen - und Chrysler fast ausschließlich auf dem US-Markt anzubieten. Dagegen soll die Konzerntochter Jeep global kräftig zulegen, die beiden Fiat-Nobeltöchter Maserati und Alfa Romeo sollen künftig in einer Luxus-Einheit zusammengefasst werden.

Gegenüber Bloomberg wollte sich FCA nicht vorab zu der Marchionne-Präsentation äußern. Dabei hatten Konzerninsider auch schon vor einigen Wochen vorab spannende Details berichtet - die, wenn sie so zutreffen, den italienisch-amerikanischen Autokonzern deutlich verändern dürften. Laut dem Fünfjahresplan für die Jahre 2018-2023 soll FCA wachsen - und zwar vor allem dank seiner Offroad-Marke Jeep und dem Pickup-Spezialisten Ram.

Eine globale Wette auf die Zugkraft von Jeep

Zudem erwägt der Autohersteller, die jüngst wiederbelebte Sportwagenmarke Alfa Romeo und die Luxusmarke Maserati in einer Einheit in den Finanzberichten zusammenzufassen. Das könnten Investoren durchaus als ersten Schritt für einen möglichen Spin-Off der beiden italienischen Nobelmarken sehen.

Marchionne dürfte mit dem Plan sein Vermächtnis bei dem Autokonzern hinterlassen wollen. Denn auf der FCA-Hauptversammlung im April 2019 soll sein Nachfolger gewählt werden.

Auf dem Balocco-Testgelände dürfte er wohl auch rhetorisch einige Siegesrunden drehen. Als Marchionne vor 14 Jahren als Fiat-Chef antrat, hatte er die einst so ikonische Marke nur haarscharf vor dem Bankrott gerettet. Unter seiner Führung hat sich der Wert der nunmehrigen Fiat Chrysler-Gruppe mehr als verzehnfacht.

In seinem letzten Plan spielt Fiat allerdings keine große Rolle mehr - aus dem Volumengeschäft, für das Fiat viele Jahrzehnte lang stand, zieht sich Marchionne weiter zurück. Stattdessen fokussiert er die FCA-Ressourcen lieber auf vielversprechende Nischen - wie etwa auf die US-Offroadmarke Jeep. Diese soll bereits heute für 70 Prozent der FCA-Gewinne sorgen, meinen Analysten. Marchionne will das Verkaufsvolumen von Jeep bis 2022 nochmals verdoppeln - indem er die Präsenz von Jeep in Asien, Brasilien und Europa stärkt und verstärkt Hybrid-Modelle anbietet. Zuletzt verkaufte Jeep weltweit 1,4 Millionen Fahrzeuge.

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