31.05.2018  Diesel müssen ab heute draußen bleiben

Das geniale Fahrverbot von Hamburg-Altona

Von Nils-Viktor Sorge
Fahrverbotsschild in Hamburg
DPA
Fahrverbotsschild in Hamburg

Fahrverbote für Diesel-Autos sind im Grunde ziemlich ungerecht. Der Staat bestraft Autofahrer, die nichts für das Versagen von Behörden und Industrie im Abgasskandal können.

Trotzdem ist das Fahrverbot von Hamburg-Altona einigermaßen genial. Unmittelbar bringt die Sperrung eines Mini-Straßenabschnitts der Luftqualität in Hamburg zwar nichts oder mag sogar leicht kontraproduktiv sein. Es handelt sich tatsächlich um reine Symbolpolitik.

Doch genau darin liegt die Stärke dieser Aktion. Sie beschneidet die Freiheit der Autofahrer und Unternehmen faktisch so gut wie gar nicht, aber jeder redet darüber. Minimaler Eingriff, maximaler Effekt - das komplette Gegenteil von großräumigen Umweltzonen wie in München, Stuttgart oder Berlin.

Viele Menschen machen sich plötzlich Gedanken darüber, welche und wie viele Fahrzeuge in einer Großstadt sinnvoll sind. Und ziehen ihre Schlüsse. Denn es ist genau dieser Diskussion um Fahrverbote geschuldet, dass der Absatz dreckiger Diesel-Fahrzeuge in den vergangenen zwei Jahren dramatisch eingebrochen ist.

In Hamburg zeigte sich dieser Trend noch deutlich stärker als im Rest des Landes: Von Januar bis April 2018 ließen die Behörden laut Kraftfahrt-Bundesamt dort 33 Prozent weniger Diesel-Autos zu als in den ersten vier Monaten 2016. Bundesweit sank der Absatz von Selbstzündern in dem Zeitraum nur um 25 Prozent.

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Aufgrund dieses Effekts sind die Verwaltungen in Hamburg und anderen Städten bereits zuversichtlich, die Stickoxid-Grenzwerte früher einzuhalten als geplant. Das ist auch ein Erfolg des bisher einzigen umgesetzten Diesel-Fahrverbots in Deutschland.

Zudem hat auch die Autoindustrie ihre Schlüsse aus Fahrverbots-Debatte und strengeren Gesetzen gezogen. Sie baut - zum Teil früher als vorgeschrieben - Diesel-Autos, die die Norm Euro 6d-temp erfüllen. Und die sind offenbar wirklich ziemlich sauber. Auch dazu hat das Hamburger Fahrverbot beigetragen.

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