08.08.2018  Elektroautos steigern deutsche Stromnachfrage nur leicht

Diese Studie zerstört ein Lieblingsargument der E-Auto-Skeptiker

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Elektroauto an einer Ladesäule
DPA
Elektroauto an einer Ladesäule

Wenn in Deutschland deutlich mehr Elektroautos verkauft werden, droht dem Land der Strom-Gau - so ähnlich lautet ein beliebtes Apokalypse-Szenario von E-Auto-Skeptikern. Ihre Argumentation klingt für das Erste durchaus logisch: Wenn die Deutschen in Massen Elektroautos kaufen, müssen die Energieversorger Strom für hunderttausende oder gar Millionen E-Autos bereitstellen.

Dieser Strombedarf, so mutmaßen viele am Stammtisch, würde wohl enorm sein - und neben Riesen-Investitionen ins Stromnetz auch den Bau vieler weiterer Kraftwerke erfordern. Klingt logisch, ist aber ziemlich daneben gegriffen. Das zeigt eine neue Studie von McKinsey, die manager-magazin.de vorliegt.

Die Unternehmensberater haben nachgerechnet, wie sich steigende Elektroauto-Zahlen auf den Strombedarf in Deutschland auswirken. Im Jahr 2015 entfielen noch weniger als 1 Prozent des gesamtdeutschen Pkw-Bestands auf Elektroautos. 2030 sollen nach McKinsey-Annahmen bereits 7 Prozent des deutschen Fuhrparks rein batteriegetrieben fahren, 2050 bereits 40 Prozent.

Für die kommenden 12 Jahre wirkt sich das nur sehr geringfügig auf die deutsche Stromnachfrage aus, haben die Experten ausgerechnet. Bis 2030 steigt die Stromnachfrage durch E-Autos gerade mal um 1 Prozent oder zusätzliche fünf Gigawattstunden an. Denn ein Großteil des in Deutschland nachgefragten Stroms wird für Gebäude und in der Industrie verwendet; das Laden von Elektroautos fällt da nur wenig ins Gewicht.

Selbst im Jahr 2050 sollen laut McKinsey-Berechnungen nur rund 6,5 Prozent der gesamten Stromnachfrage, also 40 von insgesamt 619 Terawattstunden, von E-Autos stammen. Dabei soll der deutsche Fuhrpark dann zu 40 Prozent aus Elektroautos bestehen, prognostizieren die Berater. Der überwiegende Teil dieses zusätzlich benötigten Stroms dürfte dann wohl aus erneuerbaren Energieträgern gewonnen werden, merkt McKinsey an.

Was auf Energieversorger im Münchener Speckgürtel zukommt

Allerdings dürfte die stärkere Verbreitung von Elektroautos wohl die sogenannten Spitzenlast-Zeiten verschärfen - also jene Zeiten, zu denen am meisten Strom verbraucht wird. McKinsey prognostiziert, dass am Abend in Privathaushalten wohl noch mehr Strom als bisher benötigt wird - weil viele Autobesitzer genau dann ihre Fahrzeuge zu Hause oder an der nächsten Ladesäule laden werden.

Für das gesamtdeutsche Stromnetz dürfte dieser Effekt zwar recht gering ausfallen, meinen die Berater. Bis 2030 werde die Spitzenlast im Schnitt nur um 1 Prozent steigen, bis 2050 sind es 5 Prozent. Das dürfte das Stromnetz durchaus verkraften, meint McKinsey.

Auf lokaler Ebene sieht die Sache jedoch etwas anders aus. Denn McKinsey rechnet damit, dass sich Elektroautos in einigen Landkreisen viel schneller als im bundesweiten Schnitt durchsetzen werden - und dort in relativ kurzer Zeit deutlich mehr Elektroautos geladen werden müssen.

Einen hohen Anteil von Elektrofahrzeugen erwartet McKinsey etwa im Hochtaunuskreis, dem Münchener Speckgürtel sowie in Wolfsburg und Umgebung. Dort gibt es viele Familien mit mittlerem oder hohen Einkommen, die in Einfamilienhäusern leben, mehrere Autos pro Haushalt besitzen - und deshalb bald auf ein E-Auto umsteigen könnten.

Um das Spitzenlast-Problem in diesen Regionen in den Griff zu bekommen, könnten Energieversorger etwa deutlich günstigere Stromtarife in den Nacht- und frühen Morgenstunden anbieten - oder in solchen Regionen selbst größere Batteriespeicher aufstellen. Mit einem geringeren Anteil an privaten Elektroautos rechnet McKinsey hingegen in vielen ostdeutschen Regionen und in zahlreichen Berliner Bezirken.

Einen weiteren möglichen Engpass sehen die Experten auch etwa bei öffentlichen Schnellladestationen, die etwa entlang von Autobahnen gebaut werden. Wer wann und wie häufig dort lädt, lässt sich nur schwer prognostizieren. Eine hohe Nachfrage am Schnelllader könnte die lokalen Netze jedoch schnell an ihre Grenzen bringen, warnt McKinsey.

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