18.05.2018  Hoher Kapitalbedarf bei Elektroauto-Hersteller

Tesla braucht 10 Milliarden Dollar bis 2020, meint Goldman Sachs

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Tesla Model 3 in einem Verkaufsraum
AFP
Tesla Model 3 in einem Verkaufsraum

Tesla-Chef Elon Musk will seinem Unternehmen zwar bald eine neue Organisationsstruktur mit flacheren Hierarchien verpassen. Eines will er jedoch keinesfalls: In nächster Zeit eine Kapitalerhöhung durchziehen. In diesem Jahr werde Tesla kein frisches Eigenkapital oder neue Schulden aufnehmen müssen, erklärte Tesla vor wenigen Wochen in einer Mitteilung. Da sollen die üblichen Standardkreditlinien und ein höherer Cashflow aus steigenden Verkaufszahlen genügen. Zudem will Tesla im zweiten Halbjahr Gewinne schreiben.

Zuletzt hat der Elektroauto-Hersteller aber viel Geld in das Hochfahren der Model 3-Produktion gesteckt: Im ersten Quartal verbrannte Tesla 7,430 Dollar pro Minute, hat der Finanzdienst Bloomberg jüngst errechnet. Anders ausgedrückt: Von Januar bis Ende März hatte Tesla einen negativen Cashflow von über einer Milliarde Dollar. Seit einiger Zeit fragen sich Analysten deshalb, ob Tesla noch in diesem Jahr das Geld ausgehen könnte. Elon Musk weist das zurück, wollte zuletzt aber Nachfragen dazu nicht beantworten.

Nun wirft ein Analyst eine neue Zahl auf: Bis 2020 könnte Tesla bis zu 10 Milliarden Dollar an frischem Kapital benötigen, heißt es in einem neuen Report der Investmentbank Goldman Sachs, über den das US-Wirtschaftsmagazin Fortune berichtete. Diese Summe werde der Elektroautohersteller in den kommenden zwei Jahren brauchen, um seine Produktion hochzufahren, neue Produkte auf den Markt zu bringen und nach China zu expandieren.

Tesla könne dafür neue konventionelle oder Wechselanleihen ausgeben - oder eben neue Aktien ausgeben, erklärt Goldman-Analyst David Tamberrino in seinem Report. Dem Unternehmen stehen mehrer Optionen offen, um Schulden zu refinanzieren und zusätzliches Geld aufzustellen. Allerdings habe jede dieser Optionen Nachteile, erläuterte Tamberrino.

Model 3-Produktion nun angeblich bei 500 Autos pro Tag

Die Ausgabe neuer Schuldverschreibungen könnte Teslas Kreditrating negativ beeinflussen. Die Ausgabe neuer Aktien oder Wandelschuldverschreibungen wiederum würde die Anteile der aktuellen Aktionäre verwässern.

Um die Kapitalmärkte in diesem Jahr nicht anzapfen zu müssen, hat Tesla-Chef Elon Musk wohl zuletzt kräftig Kosten gesenkt. An der Lagerhaltung in Europa spart der Elektroauto-Pionier wohl ebenfalls, wie manager-magazin.de berichtete.

Allerdings kämpft der Elektroauto-Hersteller nach wie vor mit Problemen bei der Produktion seines Model 3. Die selbstgesteckten Produktionsziele hat Tesla zuletzt mehrfach verfehlt. Bis Ende dieses Quartals will Tesla auf eine Produktion von 5000 Model 3 pro Woche kommen, im April waren es noch 2270 Fahrzeuge pro Woche

Zuletzt soll es Berichten der Branchenpublikation "Elektrek" zufolge jedoch etwas besser gelaufen sein. In einer internen E-Mail kündigte Musk laut Elektrek an, in dieser Woche "ziemlich wahrscheinlich" eine Produktionskapazität von mehr als 500 Model 3 pro Tag zu erreichen. Anderen Berichten zufolge will Tesla die Produktion des Model 3 jedoch Ende Mai für sechs Tage ruhen lassen, um Verbesserungen an den Anlagen vorzunehmen.

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