23.01.2018  Kleinstwagen-Tochter meldet Lieferengpässe

Daimler verschätzt sich erneut beim E-Smart

Von Nils-Viktor Sorge
Elektro-Smart
Daimler
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Soll das Daimler-Management über diese Nachricht weinen oder jubeln? Lieferengpässe beim Elektro-Smart führen dazu, dass Kunden bis zu einem Jahr lang auf ihr neues Fahrzeug warten müssen, berichtet die "Automobilwoche".

"Der Anstieg in der Nachfrage entwickelt sich viel stärker und noch schneller, als wir das hätten erwarten und mit unseren Lieferanten planen können", sagte Smart-Chefin Annette Winkler der Fachzeitschrift. Das Unternehmen habe vom jetzigen Modell bereits mehr Exemplare verkauft als von den Vorgängern in den Jahren 2013 und 2014 zusammen. In Deutschland ließen die Behörden im Dezember 1152 E-Smarts zu - und damit mehr von einem E-Automodell als je zuvor.

Angesichts der Lieferengpässe wird aber auch deutlich, dass sich der Stuttgarter Autobauer erneut mit der Nachfrage nach dem Kleinstwagen in seiner Batterieversion verschätzt hat. Dieses Mal hat Daimler offenbar zu niedrig gepokert, während die Erwartungen an das Vorgängermodell zu hoch angesetzt waren.

Ende 2014 begründete Daimler das Aus für die Batteriezellfertigung im sächsischen Kamenz unter anderem mit geringer Nachfrage nach den Akkus, die voranging im Smart zum Einsatz kamen. Anschließend gab es mehr als ein Jahr fast gar keinen Elektro-Smart zu kaufen, weil der Hersteller den Batteriebezug neu organisieren musste und ein Modellwechsel anstand.

Die Elektrifizierung ist für Smart gleichwohl von herausragender Bedeutung. Ab 2020 oder 2021 soll es die Autos nur noch mit Batterieantrieb zu kaufen geben.

Hintergrund: Als Benziner schluckt der Smart relativ viel Sprit. Ab 2021 dürfen die Modelle der Autohersteller im Mittel aber nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Der Smart, der Daimlers Bilanz deutlich herunterdrücken soll, kommt als Benziner jedoch auf mindestens 93 Gramm. Elektroautos rechnet der Gesetzgeber dagegen einen CO2-Ausstoß von null an, um die Technik zu fördern.

Ärgerlich ist der Lieferengpass für Daimler zudem, weil die Marke Smart insgesamt eher schwächelt. Im vergangenen Jahr ging der Absatz um knapp 7 Prozent auf 135.000 zurück. Doch vom E-Smart ist in diesem Jahr weniger Hilfe zu erwarten als möglich wäre.

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