30.01.2018  Autoverkäufer erklärt plötzlichen Stromer-Boom

"Elektroautos sind kein Luxusspielzeug mehr"

Von
Elektrischer Smart Forfour
Daimler
Elektrischer Smart Forfour

Jahrelang standen Elektroautos wie Blei bei deutschen Händlern, doch nun zieht die Nachfrage an - und Kunden klagen über Lieferengpässe. Smart-Verkäufer Andreas Sperling erklärt, was passiert ist.

Andreas Sperling (54) ist Verkaufsberater beim Smart Center Esslingen bei Stuttgart. Der Zweisitzer wird dort seit dem Marktstart 1998 verkauft
Andreas Sperling (54) ist Verkaufsberater beim Smart Center Esslingen bei Stuttgart. Der Zweisitzer wird dort seit dem Marktstart 1998 verkauft

mm: Herr Sperling, wir sind verwirrt: Mal heißt es, die Deutschen verschmähen Elektroautos, nun ist die Rede von Lieferengpässen aufgrund der hohen Nachfrage. Was denn nun?

Sperling: Unsere Kunden sehen Elektro-Smarts zunehmend als sinnvoll für sich an, gerade hier in der Stuttgarter Kessellage. Heute haben wir mal wieder Feinstaubalarm (wir haben mit Herrn Sperling am Montag gesprochen, d. Red.). Viele Autofahrer wollen sich gegen Fahrverbote absichern und auch einfach ein Zeichen setzen.

mm: Wie hoch ist denn der Anteil von Elektro-Smarts?

Sperling: Bei uns sind inzwischen etwa 40 Prozent der ausgelieferten Smarts elektrisch. Heute haben wir vier Fahrzeuge an Kunden übergeben, davon waren sogar drei elektrisch.

mm: Ist den Kunden der Elektro-Smart nicht zu teuer?

Sperling: Wir sind eine finanziell gesegnete Region. Das hilft den Elektroautos. Zudem kosten die Fahrzeuge im Leasing dank der Kaufprämie kaum noch mehr als Benziner. Anders als vor fünf Jahren spricht kein Kunde mehr von einem Luxusspielzeug.

mm: Und die Käufer haben gar keine Angst, dass sie unterwegs liegenbleiben?

Sperling: Die meisten wohnen im Umland und laden den Wagen am eigenen Haus. Öffentliche Ladesäulen brauchen die meisten gar nicht oder kaum.

mm: Wie lange müssen Neukunden auf ihren Smart warten?

Sperling: Wer heute bestellt, erhält seinen Wagen voraussichtlich im 4. Quartal dieses Jahres.

mm: Wenn Hersteller von Lieferengpässen ihrer Produkte sprechen, könnte auch eine Strategie dahinterstecken. Will Smart seine Autos begehrter erscheinen lassen als sie es sind?

Sperling: Ein Produkt rar zu halten, ist aus Verkäufersicht okay. Angesichts einer derart langen Wartezeit von einem Dreivierteljahr würde ich hier aber nicht von einer Strategie sprechen. Das ergibt in diesem Fall keinen Sinn.

mm: Was machen Kunden, die Sie vertrösten müssen?

Sperling: Die wenigsten entscheiden sich um und nehmen einen Benziner. Die meisten warten eben. Bei vielen handelt es sich um einen typischen Zweitwagen. Da sind die Käufer bereit, sich etwas in Geduld zu üben.

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