06.06.2018  Umweltschützer loben neueste Motoren

Oberste VW-Jäger machen Dieselfans plötzlich Hoffnung

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Abgasmessung bei Diesel-Auto
RONALD WITTEK/EPA-EFE/REX/Shutterstock
Abgasmessung bei Diesel-Auto

Dreckig, dreckiger, Diesel - das Image des Selbstzünders ist miserabel. Erneut sind die Zulassungszahlen für die Fahrzeuge zuletzt eingebrochen. Einzelne Autohersteller wie Volvo stimmen bereits öffentlich den Abgesang auf die Technik an.

Eine Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) bestätigt den scheinbar unaufhaltsamen Niedergang des einstigen Stolzes deutscher Ingenieure nun auf den ersten Blick. Auch die Diesel der jüngeren Abgasnorm Euro 6 stoßen demnach europaweit viel mehr Stickoxide aus als erlaubt. "Alle neuen Diesel-Autos verfehlen die EU-Emissionsstandards", titelte daher die "Financial Times" (€).

So schlimm ist es allerdings nicht, denn die wirklich neuesten Dieselautos der Norm Euro 6d-temp lässt die Untersuchung unberücksichtigt. Die Messmethode könne "diese allerneuesten Fahrzeuge gar nicht erfassen", teilte ICCT-Geschäftsführer Peter Mock gegenüber manager-magazin.de mit. Der ICCT hatte durch Stickoxid-Messungen in den USA den Abgasskandal ins Rollen gebracht.

Dieselfahrzeuge, die der neuesten Norm entsprechen, hatten Umweltschützer und Automobilclubs zuletzt in Sachen Sauberkeit überzeugt. Nach und nach kommen sie auf Europas Straßen und gelten manchem Experten schon als Wegbereiter eines Diesel-Comebacks.

Für Aufsehen hatten zunächst Messungen bei mehreren Modellen von Peugeot und Citroën gesorgt. Dabei bestätigten der französische Umweltschutz-Dachverband FNE, die Zertifizierungsgesellschaft Buerau Veritas und der europäischen Umwelt-Lobbygruppe Transport & Environment (T&E), dass die Wagen sauber sind. Später bestätigte der ADAC den Trend mit eigenen Messungen bei zahlreichen Modellen.

"Die allerneueste Fahrzeuggeneration der Diesel-Pkw, welche nach Euro6d-temp zertifiziert ist, sollte deutlich sauberer sein", erwartet auch ICCT-Mann Mock. Die Organisation hatte schon zu Anfang des Abgasskandals darauf hingewiesen, dass die Fahrzeuge mit überschaubarem technischen Aufwand in der Lage sind, viel weniger Abgase auszustoßen als bis dato üblich.

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Die Industrie setzte allerdings massiv auf Abschalteinrichtungen, um auf dem Prüfstand saubere Fahrzeuge vorzugaukeln - das ist der Kern des Abgasskandals. Der öffentliche Druck und strengere Gesetze aus Brüssel haben nun offenbar tatsächlich zu einem Umdenken bei den Autobauern geführt.

Fraglich ist indes, ob die späte Einsicht den Diesel jetzt noch retten kann. Wie erschreckend groß der Flurschaden bei der bestehenden Flotte ist, machte der ICCT in seinem Bericht deutlich. Abgasmessungen bei mehr als 700.000 Autos hätten "die schlimmsten Befürchtungen bestätigt", heißt es zu der Untersuchung. Im Schnitt stießen Euro-6-Diesel mehr als das doppelte der erlaubten Schadstoffmengen aus, mache sogar das Vierfache.

Fahrverbote für Autos der Norm Euro 6 (nicht: Euro 6d-temp) rücken damit zusehends in den Bereich des Möglichen. Bisher gelten diese als nicht von Sperren betroffen. So gilt das Hamburger Fahrverbot nur für Autos bis einschließlich Abgasnorm Euro 5.

Ein solcher weiterer Rückschlag würde möglicherweise den Blick für die offenbar wirklich sauberen allerneuesten Diesel der Norm Euro 6d-temp verstellen. Noch nicht ganz klar ist zudem, wie viel teurer saubere Diesel in der Breite sein werden. Zumindest in Kleinwagen lohnt der Einbau komplexer Abgasreinigungstechnik nach Ansicht mancher Experten nicht mehr.

Der ICCT bezweifelt zudem, ob die Autobauer den Diesel zur Erreichung ihrer CO2-Minderungsziele überhaupt noch brauchen. Moderne Benziner seinen mitunter kaum noch durstiger, aber billiger. Auch Hybrid- und Elektroautos machten diesbezüglich rasche Fortschritte.

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