26.07.2018  Daimler legt maue Zahlen vor

Dieter Zetsches Abschied wird ruppiger als gedacht

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Daimler-Chef Dieter Zetsche
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Daimler-Chef Dieter Zetsche

Seine Einfahrt in die Abschlussrunde hatte sich Dieter Zetsche wohl reibungsloser vorgestellt. Ende 2019 läuft der Vertrag des 65-jährigen Daimler-Chefs aus, es bleiben ihm noch eineinhalb Jahre an der Spitze des schwäbischen Autoherstellers. Seit 2006 ist er Vorstandsvorsitzender der Daimler AG , in den vergangenen zwölf Jahren hat er vieles richtig gemacht: Die Stuttgarter sind wieder die klare Nummer eins unter den deutschen Luxusautoherstellern, in China läuft das Geschäft rund, und zuletzt eilte Daimler von Rekordgewinn zu Rekordgewinn.

Noch zu Anfang des Jahres sah es so aus, als würde Zetsche zum Abschied goldgeränderte Bilanzen vorlegen können: Im Februar rechnete Daimler noch mit einem Konzerngewinn in der Größenordnung des Vorjahres, wachsen sollte vor allem das Lkw- und Busgeschäft. Doch die Zuversicht der Schwaben ist in wenigen Monaten deutlich geschrumpft: Im Juni überraschte der Konzern mit einer Gewinnwarnung, und auch die nun vorgelegten Zahlen für das zweite Quartal fallen mau aus.

Daimler ist noch weit davon entfernt, ein Krisenfall zu sein. Doch die Rekordzeiten sind wohl erst einmal vorbei. Das deuten die Zahlen der vergangenen drei Monate an. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel von April bis Juni auf 2,6 Milliarden Euro, um 30 Prozent weniger als noch im Vorjahreszeitraum. Der Konzerngewinn sank ebenfalls in dieser Größenordnung. Immerhin fiel der Umsatz nur leicht um 1 Prozent auf 40,7 Milliarden Euro, der Absatz stieg sogar leicht.

Teuer zu stehen kamen Daimler nach eigenen Angaben die Diesel-Rückrufe samt Software-Updates. Rechtskosten für den Vergleich rund um das Mautsystem Toll Collect belasteten das operative Ergebnis mit 418 Millionen Euro. Zudem zehrten die Zollsenkungen und -erhöhungen in China, Daimlers mittlerweile größtem Einzelmarkt, am Ergebnis. Ebenso belasteten laut Daimler auch Auslieferungsstopps wegen des neuen Abgasteststandards WLTP. Erst im vierten Quartal soll laut Daimler wieder Besserung eintreten, Rückstände sollen dann abgearbeitet werden.

Rechliche Risiken bei Daimler steigen

Schon ihre Gewinnwarnung hatten die Schwaben mit den WLTP-Schwierigkeiten begründet - und dem von den USA angefachten Handelsstreit mit China. Immerhin bleibt Daimler erstmal bei seinem im Juni gesenkten Ausblick: Der Autohersteller geht weiterhin von einem Jahresergebnis leicht unter dem Vorjahresniveau aus. Ein paar Warnzeichen gibt es allerdings: So waren zuletzt in vier von fünf Geschäftsfeldern die Gewinne rückläufig, in der Lkw-Sparte stagnierte das Ebit nur.

Analysten weisen zudem darauf hin, dass in den kommenden Monaten noch einige Risiken auf Daimler zukommen. So geriet der Konzern zuletzt in Verdacht, bei Diesel-Abgasen geschummelt zu haben. Dazu musste Zetsche bei Verkehrsminister Andreas Scheuer zum Rapport antreten. Falls sich die Vorwürfe erhärten, könnte das zu weiteren teuren Rückrufen und möglicherweise auch Strafzahlungen führen.

Zudem stehen den Schwaben weitere rechtliche Scharmützel ins Haus: Daimlers Nutzfahrzeugsparte war nach Erkenntnissen der EU-Kommission an Preisabsprachen mit Konkurrenten beteiligt. Hier reichten vor kurzem die ersten Transportunternehmen Schadenersatzklagen ein. Und dann steht Daimler auch im Verdacht, mit anderen deutschen Autoherstellern ein Kartell gebildet zu haben. Sollte wahr sein, worüber DER SPIEGEL vor einigen Monaten berichtete, könnte das den Konzern viel Geld kosten.

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