05.04.2018 
Daimler-Hauptversammlung

Trotz Rekordzahlen - Daimler steht neue Diesel-Diskussion bevor

Mercedes-Maybach 6: Während des Aktionärstreffens in Berlin zeigt Daimler Stärke
REUTERS
Mercedes-Maybach 6: Während des Aktionärstreffens in Berlin zeigt Daimler Stärke

Der Autobauer Daimler will auch künftig mit zahlreichen neuen Modellen Kunden locken und milliardenschwere Investitionen stemmen. "Das Tempo unserer Produktoffensive bleibt hoch", erklärte Daimler-Chef Dieter Zetsche am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Berlin.

Der Autobauer aus Stuttgart hat sich mit der vor rund fünf Jahren gestarteten Überarbeitung seines gesamten Angebots an die Spitze des Premiumsegments weltweit gesetzt. Mit neuen Produkten, in diesem Jahr allein mehr als ein Dutzend neue Pkw-Modelle wie etwa die Neuauflage des Kompaktwagens A-Klasse, werde der Konzern sein wirtschaftliches Rückgrat weiter stärken, ergänzte Zetsche. Im Automobilgeschäft soll nachhaltig eine Umsatzrendite von neun Prozent erzielt werden.

Mit dieser Finanzkraft will das Unternehmen die größte Transformation seiner Geschichte meistern. Die gesamte Autoindustrie ist derzeit im Umbruch - vom Verbrennungsmotor zu alternativen Antrieben, von reinen Autoherstellern zu Mobilitätsdienstleistern bis hin zur Entwicklung selbstfahrender Autos.

Trotz Rekordzahlen - Diesel Debatte geht weiter

Daimler kann seinen Aktionären bei der Hauptversammlung an diesem Donnerstag (ab 10.00 Uhr in Berlin) Rekordzahlen präsentieren und muss trotzdem wieder mit Gegenwind rechnen. Aktionärsvertreter haben angekündigt, auch in diesem Jahr das Dauerthema Diesel zur Sprache zu bringen. Kurz vor Beginn der Hauptversammlung bestätigte Daimler am Donnerstag das Magenziel für die Pkw-Sparte Mercedes-Benz. Der Konzern will auch im laufenden Geschäftsjahr eine Marge von 8 bis 10 Prozent erreichen.

Zudem werden sich Vorstand und Aufsichtsrat wohl einige Fragen zu den Kartellvorwürfen gegen Daimler und andere deutsche Autobauer anhören müssen. Ein Bündnis von Umweltschützern, Menschenrechtlern und Rüstungsgegnern hat ferner zu einer Kundgebung aufgerufen. Außerdem will die IG Metall gegen die geplante Schließung der Daimler-Forschungsabteilung in Ulm protestieren.

Ein Thema dürfte auch der neue Hauptaktionär aus China, Geely-Gründer Li Shufu, sein, der im Februar überraschend mit knapp zehn Prozent der Anteile bei Daimler eingestiegen war. Er selbst wird aber nicht in Berlin erwartet.

Daimler hatte 2017 so viele Fahrzeuge verkauft wie nie zuvor und damit auch bei Umsatz und Gewinn Bestwerte erzielt. 3,9 Milliarden Euro sollen als Dividende an die Aktionäre ausgezahlt werden, 400 Millionen Euro mehr als im Vorjahr und die höchste Dividendensumme im Dax 30 (siehe Überblick).

Zur Sprache kommen sollen am Donnerstag außerdem die jüngst verkündete Zusammenlegung des Car-Sharing-Angebots mit BMW, die geplante Umstrukturierung des Konzerns und nicht zuletzt der Einstieg des chinesischen Milliardärs Li Shufu als neuer Daimler-Hauptaktionär - der im Übrigen nicht persönlich in Berlin erscheinen wird. Li Shufu hatte im Februar knapp zehn Prozent der Daimler-Anteile gekauft.

Aktionärsvertreter verlangen Aufklärung in der Debatte um den Schadstoffausstoß der Fahrzeuge. Daimler lässt seit vergangenem Jahr insgesamt drei Millionen Diesel-Fahrzeuge per Software-Update nachbessern. Den Vorwurf, illegale Abschalteinrichtungen verwendet zu haben, hat der Konzern stets zurückgewiesen. Das Kraftfahrt-Bundesamt hatte diesen Verdacht zuletzt beim Transporter Vito geäußert. Eine abschließende Einschätzung der Behörde steht aber noch aus.

Preisabsprachen in Lkw-Sparte

Kritik gibt es auch am Aufsichtsrat und dessen Umgang mit den Vorwürfen, Daimler habe sich mit anderen Herstellern jahrelang über Technik, Kosten und Zulieferer abgesprochen. Daimler hatte sich selbst bei den Behörden angezeigt, die EU-Kommission prüft den Fall derzeit aber noch. Spätestens nachdem die EU den Konzern in einem anderen Fall, dem Lkw-Kartell, mit einer Milliardenstrafe belegt hatte, hätten die Aufseher aktiv werden müssen, um ein solches Vorgehen intern zu unterbinden, heißt es in einem Antrag des Dachverbandes der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre.

Was diese illegalen Preisabsprachen unter Lastwagenherstellern angeht, attestiert Tüngler dem Gremium aber inzwischen durchaus den Willen, zur Aufklärung beizutragen. "Wir erkennen, dass der Aufsichtsrat die Sache sehr ernst nimmt und nicht wie bei Volkswagen versucht wird, die Probleme unter den Teppich zu kehren", sagte er.

Hintergrund ist ein Gutachten des Münchner Rechtsprofessors Mathias Habersack, das dieser im Auftrag des Aufsichtsrates erstellt hatte. Habersack bescheinigt den Aufsehern darin, ihrer Überwachungsaufgabe in vollem Umfang nachgekommen zu sein. Zugleich gehe daraus Tüngler zufolge aber auch hervor, dass die Sache damit nicht zu den Akten gelegt, sondern weiter untersucht werde. Es geht in diesem Zusammenhang auch um mögliche Schadenersatzansprüche gegen amtierende oder frühere Vorstände.

So viele verkaufte Fahrzeuge wie nie zuvor hatten Daimler 2017 auch bei Umsatz und Gewinn Bestwerte beschert. Bei einem Umsatz von 164,3 Milliarden Euro (+7 Prozent) machte der Dax-Konzern einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von 14,7 Milliarden Euro gemacht - 14 Prozent mehr als im Jahr davor. Beim Gewinn, der unterm Strich auf die Aktionäre entfällt, fiel das Plus noch weitaus deutlicher aus. 10,5 Milliarden Euro bedeuten einen Zuwachs um 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

la/dpa

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